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Meerbusch: Frieren in Meerbusch

Meerbusch : Frieren in Meerbusch

31 Männer und Frauen leben unter sehr schlichten Bedingungen in den städtischen Obdachlosenheimen in Osterath an der Strümper Straße. Heizung gibt's nicht, ein Ofen pro Wohnung wärmt nur spärlich.

Gemütlich ist anders: das Bad ungeheizt, die Toilette zugefroren, das Treppenhaus vereist, das Schlafzimmer eine Kältekammer. Nur in der Wohnküche strahlt ein mit Holz gefeuerter Kohleherd ein wenig Behaglichkeit aus. Gestern Nacht herrschten im Freien Temperaturen bis minus 16 Grad Celsius — Rekord seit 2009. Radmila Milanovic (56) und Ralf-Wolfgang Falkenberg (33) sind froh, dass sie in den Obdachlosenunterkünften der Stadt in Osterath an der Strümper Straße ein Dach über dem Kopf haben.

Im Moment sind 31 Männer und Frauen in den Schlichtwohnungen untergebracht. Komfort ist für die Notleidenden ein Fremdwort. Manche sammeln Sperrmüll, um das Holz zu verfeuern. Unproblematisch ist das nicht, manche Bretter sind mit Kunststoff beschichtet, Latten mit Lackfarbe gestrichen oder mit Holzschutzmittel getränkt. Hauptsache warm.

Die SPD sorgt sich um die Obdachlosen. In einer Anfrage an Bürgermeister Dieter Spindler wünschen Ilse Niederdellmann und Jürgen Eimer Auskunft darüber, ob Menschen in Meerbusch schutzlos der eisigen Kälte ausgesetzt sind. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses morgen ab 17 Uhr in Büderich im Verwaltungsgebäude am Dr.-Franz-Schütz-Platz erwarten die SPD-Ratsmitglieder eine Antwort.

Die Bewohner der drei städtischen Immobilien für Obdachlose helfen sich derweil selbst. Falkenberg hat sich einen Mini-Elektroofen besorgt, um seine Schlafstelle mehr schlecht als recht zu heizen. "58 Euro stehen uns für die Beschaffung von Holz und Briketts zur Verfügung. Das Geld müssen wir vorstrecken und dann drei bis vier Wochen auf die Erstattung warten", berichtet Falkenberg.

Die hygienischen Zustände sind unzureichend. "Wir können unsere Kleidung zwar waschen, nur trocknet sie nirgends", erzählen die Bewohner. Zugige Toilettenräume und eingefrorene Spülungen sind aktuell keine Ausnahmen. Hilfe bekommen die Menschen von ihren Nachbarn.

Die stellen unter anderem Heizmaterial in den Garten, damit die Öfen befeuert werden können. Nachteil: "Wir müssen nachts alle zwei Stunden aufstehen, um Brennmaterial nachzulegen. Sonst geht der Ofen aus, und wir haben gar keinen Raum mehr, in dem man sich aufhalten könnte", schildert die serbische Familie ihren Alltag während der jetzigen Frostperiode.

Auf dem freien Wohnungsmarkt seien im Moment keine Alternativen zu bekommen, heißt es in der Stadtverwaltung. Wohnungen etwa am Heidbergdamm in Lank-Latum dürften trotz Zentralheizung für den Personenkreis Obdachlose nicht genutzt werden, weil die Häuser mit Landesmitteln zweckgebunden für Asylbewerber und Aussiedler errichtet worden sind.

Für die einzigen Schlichtwohnungen im Stadtgebiet — in Osterath — wird für die Männer und Frauen ein Kaltmiete von 3,02 bis 4,29 Euro berechnet — für die Verwaltung heißt es aber nicht Miete, sondern Benutzungsgebühr.

(RP/rl)