Meerbusch: Freundliche Senioren aus Beton

Meerbusch : Freundliche Senioren aus Beton

Zwei lebensecht gestaltete Betonfiguren aus Meerbusch sitzen nun im Park eines Weseler Seniorenheims – und strahlen dort Ruhe und Zufriedenheit aus. Gegossen und modelliert wurden sie von Künstlerin Bärbel Kolberg aus Osterath.

Seit drei Monaten wohnen zwei ungewöhnliche Gäste aus Meerbusch in der Senioreneinrichtung Haus Kiek in den Busch in Wesel. Beide sehen aus wie freundliche Bewohner, doch ihr Innenleben ist steinart. Sie bestehen aus Beton. Es sind Figuren der Meerbuscher Künstlerin Bärbel Kolberg.

Die Neuen haben auch schon Namen: "Hans Busch" sitzt in einem schicken grauen Anzug auf einer Parkbank vor dem Haupteingang. Er trägt ein hellblaues Oberhemd und eine feingemusterte Krawatte unter einer kobaltblauen Strickweste. Sein rechter Arm ruht ausgestreckt ganz leger auf der Rückenlehne. Mit einem freundlich verschmitzten Lächeln begrüßt er die Besucher. Seine graue Haarpracht hält er unter einer Schirmmütze verborgen.

Liesbeth mit der Schürze

"Liesbeth Kiek" hat ihr Domizil auf einer Gartenbank. Ihr freundlicher Gesichtsausdruck strahlt tiefe Ruhe und große Zufriedenheit aus. Das graue Haar ist zu einem Nackenknoten gesteckt. Über dem schlichten grauen Rock trägt sie eine buntgeblümte Halbschürze, und unter dem kornblumenblauen Pullunder sitzt ganz akkurat eine hellblaue Bluse. Gestrickte Socken und Hausschuhe halten ihre Füße warm, an den Unterschenkeln sind Krampfadern zu erkennen.

Aus der Ferne betrachtet, wirken Hans und Liesbeth absolut lebensecht. Erst beim näheren Hinschauen entdeckt der Betrachter, dass sie aus Beton gefertigt wurden.

Dennoch üben die beiden alten Herrschaften eine positive Ausstrahlung auf Besucher und Bewohner der Senioreneinrichtung aus. Das berichtete Bereichsleiterin Ute Gabriel bei der offiziellen Vorstellung der außergewöhnlichen Zeitgenossen. Bereits vor Jahren hatte Ute Gabriel ähnliche Skulpturen in Krefeld entdeckt. Sie recherchierte und stieß auf Bärbel Kolberg aus Osterath. Sie hat mit ihren Betonskulpturen, die in der Region immer mehr Vorgärten und Firmenareale zieren, gut zu tun – und auch schon diverse Aufträge für 2013. Zwei Monate etwa dauert es, bis so eine Betonskultpur fertig ist. Deren Geheimnis liegt übrigens in der letzten Schicht über dem Betonkern. Diese besteht aus einem Quarzsandgemisch – "und das lässt sich gut modellieren", so Bärbel Kolberg. Allein vier Wochen nimmt die Trocknung in Anspruch. Die Figuren kosteten je 3000 Euro, die der Förderverein des Evangelischen Krankenhauses Wesel bezahlte.

Die neuen "Bewohner" haben schon unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Gäste dachten sogar , man hätte Senioren draußen vergessen. Das Pflegepersonal ist gerührt von der Anteilnahmen, freut sich, dass die Bewohner Liesbeth und Hans in ihr Herz geschlossen haben. Manche setzten sich zu ihnen auf die Bank, genießen gemeinsam die idyllische Ruhe.

(RP)
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