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Freiwillige aus Meerbusch helfen in der Corona-Krise

Hilfsaktionen in der Corona-Krise : Wie aus Ehrenamtlern Profis wurden

Sowohl der Einkaufsservice des „Verein engagiert“ als auch die Video-Telefonzellen der Aktion „Familie sehen“ für Alten- und Pflegeheime kommen gut an. Pünktlich zum Muttertag werden weitere Tablets übergeben.

Seit Beginn der Einschränkungen auf Grund der Corona-Epidemie vor knapp zwei Monaten setzt sich der „Verein engagiert“ aus Lank-Latum für Senioren und Risikopatienten ein. „Alles ist inzwischen auf sehr professionelle Beine gestellt worden – und unsere Unterstützung stößt auf große Resonanz“, zieht der Vorsitzende Alexander Gronwald ein positives Zwischenfazit der Hilfsaktionen.

Weit mehr 100 ehrenamtliche Jugendliche erledigen seitdem Einkäufe und andere kleinere Angelegenheiten für Menschen, die aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen einer Risikogruppe angehören. „Wir nehmen mittlerweile wöchentlich mindestens 15 bis 20 Bestellungen an“, sagt Gronwald. Anfangs war der Einkaufsservice nur auf Lank-Latum beschränkt, seit einer Weile gibt es auch Freiwillige, die sich um Einkäufe in Osterath und Büderich kümmern. Auch wenn sich durch die Lockerungen nun wieder mehr Menschen vor der Türe trauen, will der Verein engagiert seinen Service weiter anbieten. „Zum einen ist die Gefahr, sich anzustecken, für die Risikogruppen ja nach wie vor gegeben. Zum anderen freuen sich viele Menschen auch einfach, dass wir sie – ganz unabhängig von Corona – bei diesen Dingen unterstützen“, sagt Gronwald.

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Um Kräfte zu bündeln und auch auf rechtlichem Weg Spendengelder einzusammeln, war der „Verein engagiert“ Mitte April auch in das von dem Meerbuscher Fabian Duffe gegründete Projekt „Familie-sehen“ eingestiegen. „Die Partnerschaft verläuft blendend, auch hier sind wir auf einem sehr guten Weg“, so Gronwald. Da der Besuch der Eltern oder Großeltern in Alten- oder Pflegeheimen bislang für Angehörige nicht möglich war beziehungsweise ab Sonntag nur unter strengen Auflagen erlaubt ist, stattet das Team umliegende Einrichtungen mit Tablets aus, um den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, per Videotelefonie mit ihren Liebsten zu sprechen.

Dank zahlreicher Spenden, unter anderem von Lanker Schützenkompanien, sind aktuell 30 Tablets im Bestand. Sechs davon wurden bereits an das Caritas-Haus Hildegundis von Meer in Osterath übergeben. Pünktlich zum Muttertag finden nun weitere Exemplare ihren Weg in das das Malteserstift St. Stephanus und in die Seniorenresidenz Latumer See. „Wir haben unser System so verfeinert, dass wir jetzt zentral von zuhause auf die Geräte zugreifen können. Mit dem ganzen technischen Kram haben die Heime somit nichts mehr am Hut“, sagt Duffe. Jedoch seien die finanziellen Reserven weitgehend ausgeschöpft. Da es in den meisten sozialen Einrichtungen kein W-Lan gebe, müssten immer auch SIM-Karten gekauft werden, die einen Großteil der Summe verschlingen. Trotzdem wird das Projekt „Familie sehen“ möglicherweise bald über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, denn seit kurzem tauscht sich der „Verein engagiert“ mit dem Institut für Gesundheit und Generationen der Hochschule Kempten aus, das regional ein vergleichbares Projekt auf die Beine stellen wird.

„Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen in Meerbusch stehen wir dem Kemptener Institut beratend zur Seite. Zudem ist geplant, dass dort eine wissenschaftliche Evaluation der Projekte sowohl in Meerbusch also auch in Kempten durchgeführt werden“, erklärt Alexander Gronwald die Pläne.