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Meerbusch: Frauen mischen die Feuerwehr auf

Meerbusch : Frauen mischen die Feuerwehr auf

Zwei Meerbuscherinnen erzählen, warum sie bei der Feuerwehr sind und was sie an der harten Arbeit besonders schätzen

Geziert wird sich nicht. Wenn es zum Einsatz geht, dann packt Martina Hess genauso an wie ihre männlichen Kollegen — erhält dafür aber auch den gleichen Respekt. Die 49-Jährige ist bei der Meerbuscher Feuerwehr aktiv und damit in einer Männerdomäne gelandet. "Ich wollte gerne ein Ehrenamt ausüben und da mein Bruder bei der Berufsfeuerwehr ist, hat er mich beraten, ob das das Richtige für mich sein könnte, und letztlich ermutigt", sagt Hess, die vor vier Jahren von Mülheim an der Ruhr nach Meerbusch gezogen ist.

Damit ist sie eine Quereinsteigerin, musste alles von Grund auf lernen. Seit Januar 2010 ist sie dabei, nach einem Jahr kam der erste Einsatz. "Am Schloss Pesch war jemand in eine Grube gestürzt", sagt die gelernte Chemielaborantin und erinnert sich noch gut.

Seither hat sie viele Einsätze miterlebt, in den meisten Fällen handelte es sich um technische Hilfe. "Einmal ist jedoch ein junges Pärchen mit dem Motorrad schwer verunglückt. So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei." Bereut hat sie ihre Entscheidung, zur Feuerwehr zu gehen, dennoch nie. "Der Zusammenhalt und die Kameradschaft sind toll. Man muss den Kollegen voll vertrauen können, denn man muss mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes durchs Feuer gehen", sagt Hess. Das Geschlecht spiele in diesen Momenten sowieso keine Rolle. "Es herrscht einfach 100 Prozent Gleichberechtigung."

Die Zahlen sprechen dennoch für sich: Die Löschgruppe Ossum-Bösinghoven, in der auch Martina Hess ist, setzt sich aus nur vier Frauen und 20 Männern zusammen. "Und damit hat diese Löschgruppe mit die meisten Frauen. Manche Gruppen haben noch gar keine", sagt Brandmeister Peter Schramm. Allerdings deutet sich eine Trendwende an: In der Jugendfeuerwehr sind immer mehr Mädchen dabei. Eine von ihnen ist Viktoria Garten.

Die Realschülerin ist bald sechs Jahre dabei und kam durch ihren Vater dazu. "Er ist hier in Meerbusch Löschzugführer und hat mir Lust auf diese Tätigkeit gemacht", sagt die 15-Jährige. Zweimal im Monat hat sie Dienst, dabei absolviert sie unterschiedliche praktische Übungen. Außerdem hat sie schon drei Prüfungen abgelegt. Sie hat aber noch Großes vor: "Ich möchte zur Berufsfeuerwehr. Dazu lasse ich mich nach dem Schulabschluss drei Jahre zur Brandmeisterin ausbilden", sagt Viktoria.

In diesem Wunsch bestärkt, absolvierte sie ein dreimonatiges Praktikum auf der Feuerwache, bei dem sie auch auf Einsätze mitkam. Darunter zwei Gaseinsätze und die Befreiung eines Schwans, der auf einem See festgefroren war. "Dabei zu sein, war schon etwas ganz anderes, als es nur von meinem Vater erzählt zu bekommen."

Was ihr daran gefällt, in der Feuerwehr zu sein, ist einerseits, dass sie sich dort auf die anderen voll und ganz verlassen kann, und andererseits, dass sie Menschen in einer Notlage helfen kann. In ihrem Umfeld stößt sie mit ihrem Berufswunsch nicht nur auf Zustimmung. "Meine Freundinnen verstehen das nicht und meinen, dass das ein Männerberuf sei", sagt die Schülerin der Realschule Meerbusch. Bei solchen Vorurteilen hält sie dagegen: "Mädchen sollten sich die Arbeit bei der Feuerwehr mal anschauen und testen, ob es nicht vielleicht auch etwas für sie ist."

Auch Martina Hess, die bei der Feuerwehr Jugendwartin ist und daher einen Blick auf den Nachwuchs hat, stimmt zu: "Die Tätigkeit bei der Feuerwehr hilft Mädchen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich durchzusetzen."

Dass Frauen bei der Feuerwehr ein immer gewohnteres Bild werden, das hat Hess am eigenen Leib erfahren: "Mein Bruder sagte früher immer, dass Frauen bei der Feuerwehr nichts zu suchen haben. Inzwischen findet er, dass Frauen enorm wichtig für die Feuerwehr sind."

(RP/EW)