1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Fluglärm: Neuer Vorstoß für Nachtruhe

Meerbusch : Fluglärm: Neuer Vorstoß für Nachtruhe

In einem offenen Brief an den Flughafen Düsseldorf pocht der Meerbuscher Verein "Bürger gegen Fluglärm" nach Veröffentlichung neuer Zahlen auf ein Verbot von Nachtflügen. Der Flughafen kündigt eine zeitnahe Stellungnahme an

"Soldaten sollen mehr schlafen" lautete vergangene Woche die Forderung vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus. Als Christoph Lange, Vorsitzender des Meerbuscher Vereins "Bürger gegen Fluglärm", las, dass viele Soldaten im Regeldienst keine sechs Stunden Schlaf bekämen, war sein nächster offener Brief an den Flughafen Düsseldorf bereits unterwegs. Ein Brief, der Flughafen-Geschäftsführer Christoph Blume auffordert, das Nachtflugverbot endlich einzuhalten, weil auch die Meerbuscher mit Schlafproblemen kämpfen — in ihrem Fall wegen Fluglärms. Der inoffizielle Titel: "Meerbuscher sollen auch mehr schlafen."

Der Verein wagt einen neuen Vorstoß im Kampf gegen Nachtflüge. Dem Vorstoß zugrunde liegen Daten des Instituts für Handelsforschung Köln (IfH), die der Flughafen selbst angefordert hatte. Die Zahlen belegen, dass am Flughafen Düsseldorf seit 2010 die Anzahl der Passagiere stark angestiegen ist, die Beschäftigtenzahl aber stagniert. Daten, die dem "Akzelerator-Effekt" (mehr Passagiere = mehr Beschäftige) widersprechen, den der Flughafen bei seinem Genehmigungsantrag für spätere Flüge angeführt hatte. "Den Nachtflügen fehlt jetzt jegliche Grundlage", sagt Lange.

Dazu kommt, dass der Flughafen tagsüber gar nicht ausgelastet sei, wie eine weitere Untersuchung des IfH ergab. Eine Ansetzung von Flügen in der Nacht sei folglich gar nicht nötig, um die Anzahl der Passagiere konstant zu halten. Trotzdem starteten und landeten im vergangenen Jahr 499 Flüge zu zu später Stunde — 19 davon sogar ohne vorher erteilte Genehmigung. "Die Verspätungen sind keine Ausnahmen, sondern der Regelfall", sagt Lange. Verspätungen, die die Meerbuscher regelmäßig um den Schlaf bringen. "Auch die, die nicht direkt davon aufwachen, werden geschädigt", sagt Lange und beruft sich auf medizinische Erkenntnisse. "In der Nacht muss Ruhe herrschen."

Lange fordert, dass die für 2014 im Koalitionsvertrag geplante drastische Gebührenerhöhung für Nachtflüge vorgezogen wird — oder der Flughafen Düsseldorf selbst seine Pläne anpasst. "Die Vorschriften müssen strenger gehandhabt werden", sagt Lange. Bislang hätten die Planer die verspäteten Flüge billigend in Kauf genommen. Der Verein befürchtet, dass es noch schlimmer werden könnte. Einen neuen Genehmigungsantrag habe der Flughafen laut Lange in der Schublade. Dabei gebe es laut Lange durchaus alternative Modelle. Air Berlin startet mittlerweile auch am frühen Abend Mittelstreckenflüge beispielsweise in die Türkei. "Die landen morgens und stören keinen."

Der Flughafen Düsseldorf kündigte über Sprecher Thomas Kötter eine Stellungnahme in der kommenden Woche an.

(RP)