1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Fluglärm in Meerbusch: Piloten sollen höher fliegen

Kampf gegen Fluglärm in Meerbusch : Piloten sollen am Düsseldorfer Airport in Zukunft wieder höher fliegen

Nach mehreren Anläufen hat die Fluglärm-Kommission in Meerbusch nun entschieden, dass Flugzeuge am Düsseldorfer Flughafen künftig wieder steiler starten sollen. Das verbraucht zwar deutlich mehr Kerosin, die Anwohner leiden dafür weniger unter dem Lärm der Maschinen.

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung auf dem Weg,  den Fluglärm in den Meerbuscher Stadtteilen Büderich und Lank zu reduzieren: Das Steilstartverfahren NADP1 soll wieder als Empfehlung in die Luftfahrthandbücher der Piloten aufgenommen werden. Die Fluglärmkommission des Flughafens Düsseldorf stimmte in ihrer Sitzung am Montag dem entsprechenden Antrag von Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage zu, wie die Stadtverwaltung mitgeteilt hat. Bei dem Verfahren setzen die Piloten in erster Linie auf schnellen Höhengewinn ihrer Maschinen, die Belastung der Ortschaften unter den Abfluglinien ist entsprechend geringer.

Zuletzt hatten insbesondere die größeren Fluggesellschaften das  ebenfalls genehmigte Startverfahren NADP2 angewandt. „Dabei starten die Maschinen – auch für das Laienauge sichtbar – deutlich flacher“, so Mielke-Westerlage. „Das soll Kerosin sparen. Für die Menschen am Boden – insbesondere im Nahbereich des Flughafens – bringt es aber unweigerlich mehr Lärm mit sich.“ Kernpunkt des Flachstartverfahrens sei eine Verschiebung des sogenannten „cut-back“-Punktes. Dabei werde der Schub der Jets bereits ab einer Höhe von 1.000 Fuß, das sind etwa 300 Meter, verringert. Früher sei dies erst bei etwa 450 Metern (1.500 Fuß) Höhe geschehen.

Jetzt dürfen insbesondere die Anwohner in Büderich auf Entlastung hoffen. Der Büdericher Ortskern liegt etwa vier Kilometer vom Ende der Startbahn entfernt. Den 54 Meter hohen Turm der Mauritius-Kirche überfliegen die Jets beim Start durchschnittlich in etwa 650 Meter Höhe. Die Höhenwerte sollen sich nun spürbar verbessern; sie sind allerdings schwankend, weil sie vom Wetter, von der Beladung der Maschinen und vom Flugzeugtyp abhängen. Lank-Latum ist acht Kilometer vom Startbahnende entfernt, auch dort soll laut Stadt eine Entlastung spürbar sein.

Der Verein „Bürger gegen Fluglärm“ äußerte sich gestern vorsichtig optimistisch: Seit zwei bis drei Jahren ringe man nun um diese Entscheidung, sagte der Vorsitzende Christoph Lange. Der Flughafen hatte auf Antrag der Fluglärmkommission eine Untersuchung an verschiedenen Messpunkten durchgeführt. So sollten die Lärm­auswirkungen der beiden Startverfahren verglichen werden, um festzustellen, ob das Flachstartverfahren eine Verbesserung bringt, oder eventuell sogar eine Verschlechterung. „In der letzten Sitzung wurde dann vorgelegt, dass es keinem schadet, aber einigen hilft“, sagte Lange. Das führte jetzt zur eindeutigen Entscheidung: 14 Stimmen dafür, keine dagegen, der Flughafen und die Fluggesellschaften enthielten sich. Der Wermutstropfen sei allerdings, dass es sich nur um eine Empfehlung handelt, so Lange. „Wir sind sehr skeptisch, dass die Airlines das auch umsetzen. Ich würde mir keine Wunderdinge davon versprechen.“ Wenn überhaupt würden nur sehr geringe Lärmentlastungen dadurch entstehen. Der Hauptpunkt sei daher weiterhin, gemeinsam gegen die Kapazitätserweiterung des Flughafens und die Nachtflüge zu kämpfen.

Mielke-Westerlage hatte ihren Antrag erstmals im Herbst 2017 in der Fluglärmkommission gestellt.  Auf der Basis der Messstellen-Auswertung stellte die Bürgermeisterin in diesem Sommer ihren Antrag erneut – und hatte jetzt Erfolg.  „Ich bin sehr glücklich, dass unseren Argumenten so klar Folge geleistet wurde“, so Mielke-Westerlage nach der Sitzung. „Jetzt haben wir einen wichtigen Schritt nach vorn getan.“

Auch die Fraktionen begrüßen die Entscheidung, die Klaus Rettig (FDP) einen „großen Erfolg“ nannte. „Wir sind erstmal glücklich, dass es geklappt hat. Der Fluglärm wird dadurch geringer werden.“

Man sei erstaunt, dass der Antrag nun „so unproblematisch durchgegangen“ sei, sagte Jürgen Peters (Bündnis 90/Die Grünen), nachdem das Thema in der Vergangenheit bei der Lärmschutzkommission doch eher abgewimmelt worden sei. „Wir finden es gut und werden sehen, wie es sich auswirkt“, so Peters weiter.

Georg Neuenhaus (SPD) betonte: „Wir haben immer mitgetragen, dass die Bürgermeisterin sich dafür einsetzt und begrüßen diese Entscheidung sehr. Wir denken, dass damit eine spürbare Lärmminderung einher gehen wird.“ In letzter Zeit sei besonders im Bereich Lank-Latum der Unmut über den Fluglärm groß gewesen, „da ist dieser Schritt ein wichtiger Erfolg“. Daniela Glasmacher von der UWG sagte: „Wir hoffen, dass die Fluggesellschaften das nicht nur als Empfehlung aufnehmen, sondern auch wirklich umsetzen, um die Bevölkerung in Lank und Büderich zu schützen.“ Viele Jahre lang sei man daher mit Anträgen und Anfragen an diesem Thema drangeblieben.

Auch die CDU äußerte sich positiv: Man sei froh, dass sich der lange Einsatz an dieser Stelle ausgezahlt habe. „Es ist allerdings nur eine Empfehlung, wir müssen sehen, wie sich die Fluggesellschaften daran halten werden“, sagte Werner Damblon. Marc Becker von Linke/Piratenpartei: „Wir hoffen nun auf schnelle Umsetzung und dass sich dadurch auch die erhoffte Entlastung einstellt.“ Dies könne aber nur ein erster kleiner Schritt sein. „Denn die häufigen Ausnahmen bei Nachtflügen sind damit noch nicht gelöst. Hier erwarten wir weiter harte Verhandlungen.“

Die vielen Flüge am Düsseldorfer Airport machen Anwohnern in NRW insbesondere nachts zu schaffen. Wir haben eine Hausbesitzerin in Essen besucht und zeigen in einem großen Interaktiv-Projekt anhand von Datenauswertungen, wie groß die Lärmbelastung ist.