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Meerbusch: Fleischverbot am Donnerstag?

Meerbusch : Fleischverbot am Donnerstag?

Die in Meerbusch mitregierenden Grünen wollen den städtischen Schulen und Kitas vorschreiben, donnerstags nur noch fleischloses Essen anzubieten, um das Weltklima zu schützen. Vom Betreuungsverein kommt Kritik.

Schnitzel, Putenstreifen oder Frikadellen sollen an Meerbuschs Schulen künftig donnerstags nicht mehr auf den Teller kommen. Zumindest wenn es nach den Grünen geht. Die Ökopartei beantragt, allen städtischen Schulen und Kindergärten vorzuschreiben, künftig donnerstags komplett auf Fleischprodukte zu verzichten. Firmen-Kantinen und möglichst viele Bürger sollen dem Beispiel folgen. Den Donnerstag schlagen die Grünen als so genannten Veggi Day vor, weil er laut Studien der beliebteste Kantinentag sei. Morgen bringen die Grünen — die Meerbusch in Kooperation mit der CDU regieren — den Antrag in den Hauptausschuss ein. Grünen-Parteivorsitzende Ingrid Maas sieht den Vorstoß als Beitrag zum aktiven Klimaschutz.

Der Haken an der Sache: Vegetarische Angebote und fleischlose Tage sind an vielen Schulen längst Alltag. Eine von oben erlassene Vorschrift, die fleischlose Ernährung für einen bestimmten Tag festschreibt, wird daher häufig als Bevormundung gesehen.

Auf Caterer-Angebote achten

Beim Osterather Betreuungsverein, der für das Schulessen für 730 Jungen und Mädchen in den Meerbuscher Grundschulen und der Realschule zuständig ist, trifft die Idee denn auch auf Ablehnung. "Wir achten sehr auf ausgewogenes Essen. Vegetarische Tage gibt es längst, manchmal sogar zwei in einer Woche", sagt der OBV-Vorsitzende Jürgen Eimer. "Wann wir auf Fleisch verzichten, ist allerdings davon abhängig, wie attraktiv das vegetarische Angebot des Caterers an dem jeweiligen Tag aussieht". Die Akzeptanz fleischloser Gerichte sei von Schule zu Schule unterschiedlich: "Die einen essen lieber Nudeln, die anderen Kartoffelbrei". Lege man einfach den Donnerstag als einheitlichen vegetarischen Tag fest, riskiere die Stadt, dass ein Teil der Gerichte am Ende weggeworfen werden müsse. Eimer: "Wir werden uns gegen so eine Vorschrift sträuben".

Auch an der Montessori-Gesamtschule in Büderich, wo täglich frisch gekocht wird, wird bereits einmal die Woche auf Fleisch verzichtet: allerdings dienstags.

Am Mataré-Gymnasium hat jeder Schüler die Möglichkeit zwischen einem vegetarischen Gericht oder Mahlzeiten mit Fleisch zu wählen. Rein vegetarische Tage gibt es nicht. "Uns ist wichtig, dass die Schüler überhaupt ein gesundes Mittagessen einnehmen", sagt Schulleiter Jörg Winterwerb.

FDP: Nicht alles vorschreiben

Nach Angaben der Grünen haben auch Epson und Kyocera ihre Bereitschaft bekundet, in ihren Meerbuscher Kantinen den "Veggi Day" einzuführen. "Das Interesse an vegetarischem Essen ist groß. Wir prüfen derzeit, ob bei Epson an einem Tag nur vegetarisches Essen angeboten werden sollte. Aber wir wollen nichts erzwingen", sagt Epson-Sprecherin Anne Buch

FDP-Chef Jörg Schleifer hält es für falsch, den Schulen vegetarische Tage vorschreiben zu wollen: "Die Grünen sollten ihren Antrag besser als Appell einbringen".

(RP)