Schule in Meerbusch Science-Fiction in der Gesamtschule

Meerbusch · Die 23-jährige Filmstudentin Laura-Alina Blüming dreht mit den Schülern der Maria-Montessori-Gesamtschule einen Science-Fiction-Film. Für den Dreh bekommt die Crew nur fünf Tage Zeit - und schulfrei.

Die Kinder aus der Film-AG haben selbst an der Story für das Drehbuch mitgeschrieben. Auch Idee für den Astronauten-Film kommt von ihnen selbst.

Die Kinder aus der Film-AG haben selbst an der Story für das Drehbuch mitgeschrieben. Auch Idee für den Astronauten-Film kommt von ihnen selbst.

Foto: RP/Laura-Alina Blüming

Die Regierung wird manipuliert. Wer oder was dahinter steckt, weiß die Untergrund-Gruppe noch nicht, sie weiß nur, dass immer wieder Kinder verschwinden. Um das Mysterium aufzudecken, müssen sie endlich zusammen arbeiten, aus sich gegenseitig mobbenden Einzelkämpfern muss ein Team werden.

Seit einem Dreivierteljahr sitzen die Schüler der Maria-Montessori-Gesamtschule jeden Dienstag mit der 23 Jahre alten Filmstudentin Laura-Alina Blüming zusammen und arbeiten an der Story für ihr Drehbuch. In wenigen Tagen wird hier ein 60-minütiger Science-Fiction-Spielfilm gedreht, mit Greenscreens, animierten Hologrammen, Kostümen und allem Drum und Dran. Der Titel: „Rettung im Weltall“. Für das Thema haben die Kinder sich ebenfalls demokratisch entschieden, zur Auswahl standen auch Ansätze wie „Mobbing in der heutigen Zeit“ und „Klimawandel“. Die Mehrheit stimmte für den Astronautenfilm, in dem das Motto „Gemeinsam sind wir stark“ nun eine Hauptrolle spielt - nur eben im Jahr 2085. Wie kam es zu diesem Projekt?

„Ich leite seit vier Jahren ehrenamtlich die Film-AG an der Montessori-Schule“, erklärt Blüming. „Da haben wir immer mal wieder Kurzfilme produziert. Jetzt wollten die Kinder und ich mal einen Spielfilm machen.“ „Rettung im Weltall“ ist Blümings bisher aufwendigstes Projekt. Insgesamt sind etwa 160 Menschen an den Dreharbeiten, der Vorbereitung und der Post-Production beteiligt. Vor der Kamera stehen 55 Schüler im Alter von zehn bis vierzehn Jahren, dazu gibt es zehn Rollen, die von erwachsenen, professionellen Schauspielern besetzt sind. Hinter der Kamera stehen mit Assistenzen vier Bekannte von Blüming, zwei Friseurinnen kümmern sich um die Haare der großen und kleinen Darsteller. Für die anspruchsvolle Nachbearbeitung inklusive Sci-Fi-Animationen hat Blüming ein Team aus Kommilitonen von der Bergischen Universität Wuppertal gewinnen können, für den Auf- und Abbau und die Betreuung während der Drehtage hat das Kollegium der Schule weitere Helfer und Eltern organisiert, allen voran die Referendarinnen Laura Wallach und Gentiana Durmishi, AG-Koordinatorin Gunilla Dorn und Schulleiter Klaus Heesen. Blüming ist dankbar für diese Unterstützung. Während der fünf Drehtage werden Räume gesperrt und zum Filmset gemacht, und die Kinder, die mitspielen, bekommen eine Woche schulfrei. Drehstart ist der 12. Juni. Um der Schule zu zeigen, was genau geplant ist, hat die Filmstudentin mit der Film-AG einen Trailer gedreht, der mit spannungstreibendem Sound und schnellem Schnitt schon ordentlich Eindruck schindet.

Das Besondere: Alle, die an dem Film beteiligt sind, arbeiten ehrenamtlich. Im Gegensatz zu einem professionellen Filmset, an dem nach einem Drehtag etwa zwei bis drei Minuten fertiges Filmmaterial im Kasten sind, muss das Team von „Rettung im Weltall“ das Fünffache, also ganze zehn Minuten fertigen Film pro Tag schaffen. „Meine Freunde haben mich schon gefragt, wie man das überhaupt hinbekommen kann“, lacht Blüming. „Aber wir haben und einen guten Plan geschrieben, das Schauspiel wird schon vorher geübt. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen. Vielleicht stellen wir damit sogar einen Rekord für die meisten Drehminuten auf!“

Die Kinder sind sehr motiviert, für die Hauptrolle wollte fast jedes von ihnen vorsprechen. Weil alle Darsteller außerdem noch richtig viel Talent mitbringen, war das Casting nicht einfach. Deshalb wurde das Drehbuch so geschrieben, dass jedes der 55 Kinder hat eine Sprechrolle bekommt. Weil Blüming sie durch die Leitung der Film-AG schon gut kennt, wusste sie schon vorher, welche Rolle zu welchem Kind passen könnte. Diese sind teilweise sehr anspruchsvoll, manche der Schauspieler müssen bis zu 45 Seiten Text lernen. Aber die Arbeit wird sich lohnen: Gegen Jahresende soll „Rettung im Weltall“ fertig sein, dann wird erst einmal ein Kinoraum für eine private Vorstellung mit Familie und Freunden angemietet, bevor der Film dann für Festivals eingereicht wird und, wer weiß, vielleicht dann auch bald auf der ganz großen Leinwand zu sehen sein wird.