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Film über das Begegnungszentrum im Pappkarton in Meerbusch

Begegnung in Meerbusch : Film als Dankeschön für den Pappkarton

Der aus Ägypten geflüchtete Yasser Abd Al-Rahman hat im Strümper Begegnungscafé Pappkarton einen Imagefilm gedreht. Demnächst will der erfahrene Kameramann und Filmemacher seine eigene Produktionsfirma gründen.

Es herrscht ein kreatives Stimmengewirr im Strümper Pappkarton. Regelmäßig am Donnerstagnachmittag kommen Ehrenamtliche und ausländische Geflüchtete im Begegnungscafé am Fouesnantplatz zusammen, um dort Sprache zu trainieren, Probleme anzusprechen oder um einfach nur einen Tee zu trinken und Freunde zu treffen. Doch heute ist etwas anders. Der Ägypter Yasser Abd Al-Rahman schiebt sich mit seinen Kamera durch den Raum, um das Miteinander für einen Imagefilm aufzunehmen.

Er ist selber vor fünf Jahren aus seinem Heimatland geflohen. Seine erste Station damals war das Strümper Pfarrheim, wo er mit anderen Geflüchteten wohnte, und das Begegnungscafé im Pappkarton. „Die Mitarbeiter waren sehr freundlich und die Atmosphäre immer so, dass man sich willkommen fühlte“, sagt Yasser rückblickend. Deshalb will er jetzt mit seinem Film, den er ehrenamtlich dreht und der auf Facebook und YouTube zu sehen sein wird, etwas zurückgeben.

Der heute 56-Jährige hebt sich von den meist jungen Männern und den jungen Familien ab, die vor ihrer Flucht wenig Lebenserfahrung sammeln konnten. Er dagegen hat bereits mehrere Jahre in den USA gewohnt und gearbeitet, hatte sich mit einer eigenen Produktionsfirma selbstständig gemacht und unter anderem in den Arabischen Emiraten Dokumentarfilme gedreht.

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Aber dann zog es Yasser Abd Al-Rahman in die Heimat zurück, die sich gerade im Zuge des Arabischen Frühlings im Aufbruch befand. Doch als sich die politische Stimmung wandelte, bekam er mit seiner demokratischen Gesinnung große Schwierigkeiten, die darin gipfelten, dass er des Landes verwiesen wurde.

Wohin nun? Zurück in die USA? Doch unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump war die Stimmung Arabern gegenüber eher feindselig. Daher entschloss sich Yasser, nach Deutschland zu fliehen und dort noch einmal ganz von vorne anzufangen. „Ich hatte viel Positives über Deutschland gehört“, berichtet er. Hier könne man sagen, was man meine, und leben, wie man es für richtig halte.

Dennoch: Für einen Mann in den besten Jahren keine leichte Entscheidung. Eine neue Sprache lernen? In einem Land leben, dessen Kultur man kaum kenne? Der Ägypter ist jedoch ein kontaktfreudiger und positiv denkender Mann. Er traute sich diesen neuen Anfang zu. Aber auch er musste eine längere Durststrecke, nämlich das Erlernen der deutschen Sprache in der Volkshochschule Osterath, hinter sich bringen. „Die deutsche Sprache ist schwer, aber ich habe ja meine Kamera“, sagt Yasser selbstbewusst und in verständlichem Deutsch. Er ist dabei, sich frei zu schwimmen und hat bereits einige kleinere Aufträge wie einen Imagefilm für die Caritas Dortmund abgewickelt.

Dabei ist ihm bewusst, dass er wieder ganz klein anfangen muss, obwohl er bereits eine jahrelange Erfahrung als Kameramann, Produzent und Filmemacher mitbringt. Noch fehlen ihm die richtigen und wichtigen Kontakte und außerdem ein Team, das ihn unterstützt. Da er keine großen Geldmittel hat, hat er zwei Geflüchtete, ebenfalls aus Meerbusch, rekrutiert, die ihm jetzt im Pappkarton assistieren. „Mit Yussuf mache ich auch zusammen den Deutschkurs“, sagt Yasser. Mit dabei ist auch Duska Mitrovic, die seit Jahren in Deutschland wohnt, und ihn „managt“.

„Demnächst gründe ich mit meinem deutschen Freund Stefan eine Produktionsfirma. Dann stehe ich wieder auf professionellen Beinen“, freut sich der Ägypter. Inzwischen hat er mehrere Szenen im Pappkarton abgedreht. Am Wochenende wird er wiederkommen, um das wöchentliche gemeinsame Kochen und Mittagessen aufzunehmen. „Es gibt ein iranisches Gericht: Hähnchen mit Berberitzen-Safran-Reis“, verrät Leiterin Bettina Furchheim. Sie ist immer auch ein wenig stolz, wenn wieder einer ihrer Schützlinge auf eigenen Beinen steht.