1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Fahrradstraße in Meerbusch wird verlängert

Verkehr : Schüler nutzen die neue Fahrradstraße

Die Stadt wurde für das Konzept kritisiert. Aber der Praxistest gibt den Planern recht. In den Osterferien soll auch die Niederdonker Straße entsprechend ausgebaut werden. Dann geht die Route von der Post- bis zur Lötterfelder Straße.

Knapp acht Grad zeigt das Thermometer, am Morgen hat es geregnet. Trotzdem ist an diesem Montag der Fahrradparkplatz des Mataré-Gymnasiums in Büderich voll. „Ich komme bei jedem Wetter mit dem Rad“, sagt Anastasia aus der 6b. Rund 950 Kinder und Jugendliche besuchen das Gymnasium an der Niederdonker Straße, viele wohnen in Büderich. „Bestimmt 500 unserer Schüler fahren regelmäßig mit dem Fahrrad zur Schule und nutzen dabei die neue Fahrradstraße“, schätzt Studiendirektor Jürgen Fietze.

Die Verantwortlichen in der Meerbuscher Verwaltung freuen sich über so viel Resonanz. „Wir wollten ein Angebot für Fahrradfahrer in Meerbusch schaffen. Und dass die Schüler das Angebot annehmen, bestärkt uns, so weiterzumachen“, sagt Matthias Unzeitig, Fachbereichsleiter Straßen. Bereits in den Osterferien soll ein weiterer Abschnitt der Fahrradstraße fertig werden. Konkret geht es um die Niederdonker Straße entlang des Gymnasiums, und zwar zwischen Karl-Arnold-Straße und Lötterfelder Straße. Nachdem im Jahr 2017 die Poststraße in Büderich als erste Fahrradstraße ausgebaut wurde, kamen im vergangenen Jahr die Straßen In der Meer und Karl-Arnold-Straße hinzu. Aktuell endet diese Route an der Niederdonker Straße. „Mit dem nächsten Stück wollen wir die Schulen an das Netz der Fahrradstraßen anschließen“, so Unzeitig. Auch viele Schüler der Maria-Montessori-Gesamt­schule am Weißenberger Weg nutzen die Fahrradstraßen.

Auf denen gelten besondere Regeln: Die Strecke ist für Autos, Busse und Motorräder frei. Allerdings werden Radfahrer bevorzugt und haben auf der Fahrbahn Vorrang. Es gilt Tempo 30, und die Radfahrer dürfen in Gruppen nebeneinander fahren. Viele Meerbuscher hatten dieses Konzept heftig kritisiert, einige Eltern hielten die Fahrradstraße für zu gefährlich. „Die Beschimpfungen gingen teilweise unter die Gürtellinie. Dabei wollen wir mit den Fahrradstraßen den Radverkehr fördern und sicherer machen“, erklärt Technischer Beigeordneter Michael Assenmacher. „Aber Meerbusch ist eine Stadt mit hoher Kfz-Dichte. Die Akzeptanz für solche Ideen ist in Teilen der Bevölkerung gering.“ Mataré-Lehrer Jürgen Fietze sagt dazu: „Das Umdenken ist schwierig. Aber das betrifft mehr die Eltern, die ihre Kinder immer noch mit dem Auto zu Schule fahren, als die Kinder.“ Er berichtet, dass sich die Lage entspannt habe, seit es die Fahrradstraße gibt. „Früher gab es hier morgens schon mehrfach Unfälle.“

Die Mataré-Schüler fühlen sich größtenteils sicher auf der neuen Fahrradstraße. „Am Anfang hatte ich nicht das Gefühl, dass die Autos wirklich langsamer fuhren. Aber mittlerweile klappt es gut“, sagt Q1-Schüler Max (18). Seiner Meinung nach macht die Fahrradstraße auf jeden Fall Sinn. „Das sieht man auch daran, wie viele Radfahrer sie mittlerweile nutzen.“ Tim (17) ergänzt: „Seit die Ampeln an der Kreuzung Anton-Holz-Straße/Karl-Arnold-Straße außer Betrieb sind, ist der Verkehrsfluss viel besser.“ Auch die Bodenschwellen und die Piktogramme an der Kreuzung Im Bachgrund/In der Meer sorgten für Sicherheit. Mitschülerin Emilia (17) freut sich, dass die Radfahrer nun endlich mehr Platz haben. „Die Radwege waren viel zu eng. Jetzt können wir auch mal in der Gruppe nebeneinander fahren.“

Die jüngeren Schüler allerdings nutzen die alten Radwege immer noch dann und wann, wie sich im Gespräch mit Assenmacher und Unzeitig herausstellt. „Auf der Straße habe ich manchmal Angst, wenn die Autos mich so schnell und nah überholen“, erzählt etwa der zwölfjährige Alen. Und Lilly (16) ergänzt: „Einige Busfahrer kennen anscheinend die Regeln nicht, die auf einer Fahrradstraße gelten. Dann werden wir schon mal angehupt.“ Sie fordert die Verwaltung auf, öfter zu kontrollieren und die Verkehrsteilnehmer besser zu informieren. Matthias Unzeitig verspricht: „Wir werden auf jeden Fall noch einmal mit der Rheinbahn reden und an einigen Stellen für eine eindeutigere Beschilderung und eine deutliche Markierung sorgen. Außerdem veröffentlichen wir zum Bau des neuen Fahrradstraßenabschnitts einen Infoflyer.“ Im Gegenzug appelliert er an die Schüler, darauf zu achten, dass deren Räder immer verkehrssicher sind. Denn gerade in den Wintermonaten hatten sich Autofahrer immer wieder darüber beschwert, dass die Schüler auf der Fahrradstraße ohne Licht unterwegs seien.

Lehrer Jürgen Fietze hofft, dass mit der verlängerten Fahrradstraße die Zahl der „Elterntaxis“ weiter abnimmt und noch mehr Schüler Rad fahren. „Natürlich ist es manchmal kalt und ungemütlich auf dem Rad“, sagt Lilly. „Aber das Auto ist in der Stadt einfach nur umständlich.“ Für die zahlreichen Radfahrer unter den Mataré-Schülern hat Michael Assenmacher zuletzt noch eine gute Nachricht: „In den Sommerferien gibt es neue Fahrradständer.“