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Exkursion der VHS Meerbusch zum "Haus der Geschichte"

Exkursion VHS Meerbusch : Geflüchtete auf Zeitreise in Deutschland

Die Volkshochschule Meerbusch hat mit 17 Teilnehmern ihrer beiden Deutschkurse das „Haus der Geschichte“ in Bonn besucht. Die nächste Exkursion ist im Herbst geplant. Dann geht es in den Düsseldorfer Landtag.

(RP) Eine Reise in die deutsche Geschichte haben nun 17 Deutschkursteilnehmer der Volkshochschule (VHS) Meerbusch unternommen. Von Osterath aus ging es mit dem Zug zum „Haus der Geschichte“ in Bonn.

Die Geflüchteten, die aus insgesamt 13 Nationen stammen, besuchen aktuell zwei vom Land geförderte Deutschkurse bei der Volkshochschule. Ihr großer Wunsch war es, sich neben dem reinen Spracherwerb auch mit deutscher Geschichte zu befassen. Denn während der Zweite Weltkrieg den meisten der Zugereisten durchaus bekannt war, herrschte beispielsweise für die Periode 1947 bis 2019 tiefe Dunkelheit.

Und somit wurde die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“ dann auch zu einem echten Highlight-Besuch, den die Kursteilnehmer schon im Vorfeld anhand ausgewählter Kurzreferate mit VHS-Dozent Necip Soy vorbereitet hatten.

Vor Ort führte der Rundgang mit seinen vielen multimedialen Stationen durch die Themenbereiche Kriegsende und Besatzungsmächte, Bundestag, DDR-Diktatur, Mauerbau, Wirtschaftswunder, Gastarbeiter, Mauerfall und Wiedervereinigung, Einwanderungsland Deutschland. Daneben waren das in Weinrot rekonstruierte Kino mit Ausschnitten deutscher Erfolgsfilme der 1950er Jahre, die Eisdiele aus jener Zeit und das ehemalige Bundestagsgestühl Höhepunkte, die von den Deutschlernenden in unzähligen Fotos festgehalten wurden.

Der 21-jährige Bachelor-Absolvent Moussa Bangoura aus Guinea etwa zeigte sich tief beeindruckt. Besonders der Mauerbau und Mauerfall berührten ihn sehr. Ebenso setzte er sich erstmals intensiv mit der Europäischen Union auseinander. „Ich wusste vorher nicht, wie viele Mitgliedstaaten es gibt oder wo das Parlament tagt.“ Mit Blick auf die „Trümmerfrauen“ bemerkte er, dass der Fleiß der Deutschen, das viele Arbeiten, das er auch jetzt im Alltag immer wieder feststelle, damals schon eine Eigenschaft der Deutschen gewesen sein müsse.

Khdr Geloyan aus Armenien interessierte sich aufgrund seiner Herkunft besonders für das Thema DDR. Der Zeitabschnitt, präsentiert mit typischen Elementen der Sowjet-Kultur, etwa große Stalin-Bilder, waren ihm vertraut. „Besonders hilfreich waren die kostenlos zur Verfügung gestellten Lehrmaterialien, mit denen die Gruppe sich dank eindrücklicher, aber auf eine schwierige Wortwahl verzichtender Informationen prima durchnavigieren konnte“, betonte VHS-Leiterin Béatrice Delassalle-Wischert.

 Insgesamt wurde das Haus der Geschichte von den Meerbuscher Besuchern „als sehr wichtiges Museum“ bewertet, und zwar „für alte und neue Deutsche“. Um den Frieden zu erhalten – da waren sich alle einig – müsse man sich mit der Geschichte auseinandersetzen.

Unter dem Motto „Raus aus dem Klassenzimmer, rein in die Realität“ soll eine zweite Exkursion die Deutschlernenden im Herbst noch zum Landtag nach Düsseldorf führen.