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Meerbusch: "Es wird zu viel mit dem Auto gefahren"

Meerbusch : "Es wird zu viel mit dem Auto gefahren"

Manfred Weigand ist der erste Fahrradbeauftragte der Stadt Meerbusch

Manfred Weigand ist der erste ehrenamtliche Fahrradbeauftragte der Stadt Meerbusch. Nach der Ernennung durch den Klimabeirat der Stadt hat der 69-jährige Osterather jetzt seine Arbeit aufgenommen. Die Förderung des Fahrradverkehrs ist Teil des Klimaschutzkonzepts.

Herr Weigand, wer das Radfahren in Meerbusch fördern möchte, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Sind Sie selbst oft mit dem Rad unterwegs?

Manfred Weigand: Ich fahre viel und gerne. Ich habe mir vor zwei Jahren ein sehr gutes Rad gekauft und seitdem schon über 3000 Kilometer damit zurückgelegt. Das Auto lasse ich immer öfter in der Garage. Radfahren macht mehr Spaß und ist obendrein gesund.

Meerbusch ist schon jetzt eine Stadt der Radfahrer. Der vielbefahrene Radweg auf dem neuen Rheindeich ist das beste Beispiel dafür, oder?

Weigand Das stimmt. Das Freizeitradfahren ist bei uns traditionell sehr beliebt — - am Wochenende zur Erholung oder für die Fitness. Ziel des Klimaschutzkonzeptes aber ist es, das Alltagsradeln zu fördern. Wir müssen das Fahrrad als Verkehrsmittel auch für den Weg zur Arbeit oder für Besorgungsfahrten etablieren. Immer noch werden viel zu viele Kurzstrecken zum Bäcker oder zur Bank mit dem Auto zurückgelegt. Das ist nicht klimafreundlich, kostet Geld und Nerven - Letzteres vor allem auch wegen umständlicher Parkplatzsuche.

Warum sind Sie für das Amt des Fahrradbeauftragten der richtige Mann?

Weigand Ich war viele Jahre Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Meerbusch und habe mich im Zuge dessen intensiv mit Straßen- und Radwegeplanung beschäftigt. Von daher habe ich ein gutes Auge für Verkehrssituationen und auch für die Bedürfnisse von Radfahrern im Straßenverkehr. Gerade in den 1980er Jahren gab es für den Ausbau der Radwegenetze erhebliche Fördermittel vom Land NRW. Das haben wir genutzt.

Würden Sie das Radwegenetz in Meerbusch denn heute als optimal bezeichnen?

Weigand Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer. Viele Radwege, die in den 80er Jahren entstanden sind, gelten nach den heutigen gesetzlichen Vorgaben als zu schmal und damit als nicht sicher. Insbesondere die Abschnitte, die als kombinierte Fuß- und Radwege ausgewiesen sind, muss man heute kritisch sehen.

Halten Sie es denn vor dem Hintergrund klammer kommunaler Kassen noch für möglich, für solche Zwecke Geld zusammenzubringen?

Weigand Man muss nicht aufwendig Straßen umbauen, wenn man den Radfahrern im Verkehr mehr Platz und mehr Recht einräumen möchte. Auch mit verhältnismäßig geringem Aufwand können wir viel Gutes bewirken. Eine markante Ausschilderung und eine klare Markierung von Radstreifen im Bereich der Fahrbahn reicht oft schon aus. Dazu brauchen wir mehr Fahrradständer an zentralen Plätzen oder vor Geschäften. Ich denke, hier gibt es noch viele praxisnahe Möglichkeiten, die wir nutzen können.

Wie wollen Sie jetzt konkret vorgehen?

Weigand Erstes Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit der städtischen Klimaschutzbeauftragten Johanna Smaczny und Angelika Kirchholtes vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Meerbusch ein Radwegekonzept für das Stadtgebiet zu entwickeln. Dieses Konzept mit konkreten Anregungen werden wir dann der Politik vorstellen. Mit einem solchen Konzept im Rücken bestehen durchaus auch Möglichkeiten, Fördergelder und Zuschüsse für Meerbusch zu generieren.

Wie sehen Sie die Chancen?

Weigand Ich bin grundsätzlich optimistisch. Wir können in Meerbusch einiges bewegen.

(RP)