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Meerbusch: Schädel in Container gefunden: Entsorgte ein Wilderer den Tierkopf?

Meerbusch: Schädel in Container gefunden : Entsorgte ein Wilderer den Tierkopf?

In Osterath wurde Mittwochmorgen der "fachmännisch" abgetrennte Kopf eines Rotwilds gefunden. Doch Hirsche kommen hier nicht vor. Experten gehen davon aus, dass ein Wilderer verantwortlich sein könnte.

In einem Glascontainer auf dem Raiffeisenplatz in Osterath wurde Mittwochmorgen gegen 9 Uhr zwischen alten Flaschen und Scherben ein abgetrennter Tierkopf gefunden. "Wir haben mit einem Jäger gesprochen, der uns gesagt hat, dass es sich um Rotwild handelt", sagt Hans-Willi Arnold, Sprecher der Polizei im Rhein-Kreis Neuss. Bei dem aufgefundenen Kopf handle es sich um ein weibliches Tier, so Arnold. Der Kopf sei "fachmännisch" abgetrennt worden.

Offenbar geht die Polizei aber nicht davon aus, dass ähnlich wie vor wenigen Wochen in Krefeld Tierhasser oder Tierquäler am Werk waren. Eine geistig zurückgebliebene 17-Jährige hatte der Polizei gestanden, einem Schafsbock den Kopf abgeschnitten zu haben. Darüber hinaus wurde ein Pony getötet und ebenfalls der Kopf abgeschnitten.

Was die Polizei erstaunt: Rotwild — im Volksmund besser bekannt als Hirsche — kommen aber rund um Meerbusch überhaupt nicht vor. Möglicherweise wurde der in Osterath gefundene Kadaver in der Gegend privat gehalten und von einem Wilderer erschossen, der dann versucht hat, den Kopf zu entsorgen.

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Die Glascontainer liegen relativ versteckt zwischen Bäumen und Büschen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen, die im Bereich des Glascontainers verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich unter der Telefonnummer 02131 3000 zu melden.

"Das kann kein Jäger gewesen sein", sagt Thomas Dumke, stellvertretender Hegeringsleiter und Obmann für Schießwesen. Sollten Jäger so ein Tier erlegen, werde der Kopf nachher fachmännisch entsorgt. Die Köpfe des weiblichen Rotwilds werden aber in der Regel nicht präpariert. Warum der Tierkopf im Osterather Glascontainer landete, dafür hat Dumke derzeit keine Erklärung.

Infrage kommt auch für ihn nur ein Wilderer, der das Tier woanders erlegt und hier entsorgt hat. "Im Umkreis von mindestens 80 Kilometern rund um Meerbusch gibt es kein Rotwild" — da ist sich Dumke sicher. Die ersten Hirsche stehen erst wieder bei Kevelaer und in Bottrop-Kirchhellen.

Wenn die Meerbuscher Jäger auf die Jagd gehen, schießen sie Feldhasen, Wildkaninchen, Fasane oder Ringeltauben. Die rund 190 Jäger, die im Hegering Meerbusch organisiert sind, legen aber auch auf Füchse und Rehe an. "Wilderei kommt auch hier vor, da bin ich mir sicher", sagt Philip Munscheid, Hegering-Leiter. "Von so einem Fall habe ich aber noch nie gehört".

Wilderei kann eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren nach sich ziehen. In schweren Fällen — wenn mehrere gemeinsam jagen — sind fünf Jahre Freiheitsstrafe drin. Wilderer benutzen oft Kleinkalibergewehre, weil der Schuss nicht so laut und nicht so weit zu hören ist. Oft wird dazu einfach mit dem Auto in den Wald gefahren und das Wild geblendet. Das erbeutete Wildbret wird gewinnbringend an Kunden verkauft, die nicht an der Herkunft des Fleisches interessiert sind.

(RP)