Meerbusch: Endspurt beim Deichbau

Meerbusch : Endspurt beim Deichbau

Bis 31. Oktober muss der neue Deichabschnitt fertig sein. Der lange Sommerregen hat den Bau um gut fünf Wochen verzögert. Nun wird in Doppelschichten gearbeitet. Gestern kam die Regierungspräsidentin zu Besuch.

Deichbauarbeiten sind eine saisonale Angelegenheit. Da in Herbst und Winter mit Hochwasser zu rechnen ist, darf das Bauwerk nur zwischen April und Oktober "offen" sein. Doch der verregnete August sorgte dafür, dass die Deichbauer fünf bis sechs Wochen hinter ihren Zeitplan zurückfielen.

"So ein schwieriges Jahr habe ich selten erlebt", sagt Ekkehard Wurm, Geschäftsführer der den Bau ausführenden Arbeitsgemeinschaft. Gestern war die neue Regierungspräsidentin Anne Lütkes vor Ort, um sich bei Deichgräf Freiherr Friedrich von der Leyen über die Bauarbeiten zu informieren.

Die Deichbaustelle macht einigen Bürgern Sorgen. Rosemarie Schäfer, Seniorchefin des Fährbetriebs aus Langst-Kierst, fürchtet etwa, dass eine starke Novemberflut bei der aktuellen Deichhöhe verheerend wirken könnte.

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Um den Rückstand aufzuholen, wird auf Meerbuschs größter Baustelle zurzeit fieberhaft gearbeitet. Montags bis samstags sind 40 Arbeiter mit Lkw und Baggern zwischen 6 und 22 Uhr im Einsatz, um den neuen Deich zwischen Langst-Kierst und Nierst auf 4,50 Meter Höhe zu bringen. Das sind 50 Zentimeter mehr als der alte Hochwasserschutz. Allerdings ist das neue Bauwerk wesentlich breiter und, dank seines Stützkerns aus Sand und Kies, deutlich stabiler. Darüber kommt Mutterboden.

"Wir müssen bis zum 31. Oktober noch eine Menge schaffen. Aber wir werden rechtzeitig fertig", davon sind alle Beteiligten überzeugt. Im übrigen sei die Schlechtwetterphase genutzt worden, um das Baumaterial anzulanden. Bis auf "ein bis zwei Schiffsladungen" liege der nötige Schotter (herantransportiert aus Bingen am Mittelrhein) nun bereit, so Matthias Unzeitig, Techniker des Deichverbands.

Insgesamt werden für die Deicherneuerung 850 000 Kubikmeter Boden bewegt. "Das entspricht zehn Millionen Schubkarren", rechnet von der Leyen vor. Die Belastungen durch die Arbeiten würden auf eine große Akzeptanz bei den Anwohnern stoßen. Die frühzeitige Information der Bürger mache sich jetzt bezahlt.

Ärger um Pappel-Fällungen

Probleme habe es lediglich bei den Pappelfällungen in Nierst Anfang des Jahres gegeben. Dagegen hatte sich eine Bürgerinitiative formiert. "Aber die Fällungen waren nun einmal nötig", hob der Deichgräf hervor. Auch der für den Deichbau nötige Grundwerb sei bislang gut gelaufen.

Die Regierungspräsidentin zeigte sich bei einer Rundfahrt beeindruckt von den Arbeiten. Mit Flut und Hochwasser kennt sich die Rechtsanwältin aus. Die Grüne aus Bergisch-Gladbach saß zehn Jahre lang im Kölner Rat und amtierte zwischen 2000 und 2005 als Ministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin in Schleswig-Holstein.

(RP)
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