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Elektrofahrrad: Immer mehr Meerbuscher fahren Pedelec

Elektrofahrrad : Immer mehr Meerbuscher fahren Pedelec

Immer öfter ersetzen Elektrofahrräder das Auto. Der Vorteil: Die Menschen sind viel mobiler als mit einem herkömmlichen Drahtesel. Doch es gibt auch einen Nachteil: Manche Radfahrer unterschätzen die Geschwindigkeit. Dadurch steigt das Unfallrisiko.

Die Meerbuscher satteln um: Immer mehr sind mit dem Elektrofahrrad unterwegs. Genaue Zahlen und Statistiken dazu gibt es zwar nicht. Aber diejenigen, die sich intensiv mit dem Fahrradverkehr in der Stadt beschäftigen, bestätigen den bundesweiten Trend auch für Meerbusch.

„Bei uns ist mittlerweile jedes vierte Rad, das wir verkaufen, ein Elektrofahrrad“, sagt Mark Haas, Inhaber des Fahrradfachgeschäfts „Kettenantrieb“ in Büderich. „Seit zwei bis drei Jahren steigen die Zahlen enorm. In diesem Frühjahr erwarten wir, dass es nochmal mehr werden, weil Elektroräder jetzt auch als Diensträder über den Arbeitgeber geleast werden können. Das führt übrigens dazu, dass die Pedelec-Nutzer immer jünger werden. Unsere Käufergruppe ist 40 Jahre plus“, sagt Haas.

Auch Manfred Weigand, ehrenamtlicher Fahrradbeauftragter der Stadt Meerbusch, beobachtet, dass immer öfter Elektrofahrräder das Zweitauto ersetzen und nicht nur privat, sondern auch für den Weg zur Arbeit genutzt werden. „Wenn die Fahrradzahlen – egal, ob normale Räder oder Pedelecs – steigen, brauchen wir natürlich mehr Fläche für die Räder. Sonst weichen die Fahrradfahrer verstärkt auf die Straßen aus“, sagt er. „Und immer mehr und schnellere Räder bedeuten natürlich auch mehr Risiken.“

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Die Polizei Meerbusch etwa hat im vergangenen Jahr 88 Unfälle mit Rädern oder Elektrofahrrädern registriert. Das sind mehr als in den Jahren zuvor. „Die steigende Mobilität führt zu mehr Unfällen“, erklärt Thomas Pilz, Leiter der Wache Meerbusch. Er rät besonders Senioren dazu, sich beim Kauf eines Pedelecs einweisen zu lassen oder sogar einen Kursus zu besuchen.

Eine solche Einweisung plus Probefahrt sei Standard beim Kauf eines Pedelecs – ebenso wie bei jedem anderen Fahrrad aber auch, sagt Mark Haas. „Das Rad muss auf den Fahrer eingestellt werden, wir erklären das Display, das Laden des Akkus und die Funktionen.“ Das Fahren an sich sei bei den heutigen Modellen allerdings kein Problem mehr. „Da ruckelt nichts beim Anfahren, so wie früher. Elektroräder sind zwar deutlich schwerer als solche ohne Motor, aber das Fahrgefühl ist ähnlich.“ Schließlich hätten moderne Elektroräder den Motor in der Mitte. „Der Schwerpunkt ist also derselbe.“ Trotzdem bietet Haas schon seit einigen Jahren in Kooperation mit der Stadt entsprechende Senioren-Fahrradkurse an, in denen auch Elektrofahrräder Thema sind.

 Meerbuschs Fahrradbeauftragter Manfred Weigand mit seinem Pedelec.
Meerbuschs Fahrradbeauftragter Manfred Weigand mit seinem Pedelec. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Dennoch: „Elektrofahrräder sind keine Seniorenräder“, betont Manfred Weigand. „Wer ein normales Fahrrad nicht mehr fahren kann, der soll bloß nicht auf die Idee kommen, dass es mit einem Pedelec besser klappt.“ Nur wer sicher auf dem normalen Rad unterwegs sei, für den komme ein Elektrorad in Frage. Der 74-Jährige selbst fährt seit fünf Jahren elektrisch. „Dadurch hat sich mein Fahrradradius enorm erhöht. Früher habe ich Strecken bis fünf Kilometer mit dem Rad erledigt, heute sind es bis zu 15 Kilometer.“

Das sei der größte Vorteil von Pedelecs, sagt auch Peter Koenders (79) vom ADFC Meerbusch. Er fährt „schon ewig“ Fahrrad und seit vier Jahren Pedelec. „Man ist einfach viel mobiler.“ Der Nachteil: „Der Fahrer selbst, aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer, unterschätzen die Geschwindigkeit der Motor unterstützten Räder.“ Sein Tipp: „Auch mit einem Pedelec sollte man nicht schneller fahren, als man es normalerweise tut. „Obwohl Pedelecs natürlich zum Rasen verleiten.“ Aber mit der Geschwindigkeit steige das Risiko.

Manfred Weigand sieht das genauso. „In der Stadt fahre ich ohne Antrieb. Das ist mir sonst zu schnell und zu gefährlich, und die Radwege sind oft auch gar nicht breit genug, um langsamere Räder zu überholen.“ Den Elektromotor macht der Fahrradbeauftragte nur bei Touren in ebener Fläche an, beispielsweise auf Feldwegen. „Ich nenne das immer meinen zuschaltbaren Rückenwind.“ Wer jedoch richtig Tempo mache mit dem Rad, der müsse auch besser aufpassen. „Und man muss viel schneller reagieren.“ Deshalb fordert Weigand im alltäglichen Miteinander mehr Rücksicht. „Gerade die Fahrrad-Pendler, die mit dem Pedelec zur Arbeit fahren, sind sehr zügig unterwegs. Da wünsche ich mir, dass die öfter mal klingeln. Das ist besser, als wenn sie unvermittelt so schnell an einem vorbeiziehen.“ Außerdem müssten Radfahrer immer für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken. „Sie sollten sich nie darauf verlassen, dass sie Vorfahrt haben oder dass der Autofahrer sie sieht.“

Die Autofahrer sollten unbedingt mehr Rücksicht nehmen, besonders beim Überholen. „Ich habe damals noch von meinem Fahrlehrer gelernt“, erzählt Weigand, „dass ein Fahrrad sechs Meter lang und drei Meter breit ist. Außerdem fährt kein Rad wie auf Schienen, das schwankt schon mal.“

Wenn Manfred Weigand doch mal im Auto unterwegs ist, bemüht er sich, die Perspektive des Radfahrers beizubehalten. „Wenn ich von innen die Autotür öffne, mache ich das mit dem holländischen Griff. Das heißt: Ich löse als Fahrer den Griff mit der rechten Hand und als Beifahrer entsprechend mit der linken Hand. So blicke ich automatisch über die Schulter nach hinten.“