Ein Tag mit der Gemeindereferentin in Meerbusch

Katholische Kirchengemeinde Büderich : Mit der Gemeindereferentin unterwegs

Seit 25 Jahren arbeitet Ingrid Mielke im katholischen Kirchendienst, seit 2003 in der Gemeinde von St. Mauritius und Heilig Geist. Dieses Jubiläum wurde jetzt gefeiert.

Erregtes Stimmengewirr ist zu hören, Kaffeeduft hängt in der Luft. Der Gemeindesaal der katholischen St. Mauritius und Heilig Geist-Gemeinde ist gut besucht. Eine ältere Frau mit Rollator will gerade durch die Hintertür eintreten. Ingrid Mielke, die Gemeindereferentin, eilt schnellen Schrittes zur Tür und hält sie für die Frau auf. Nach einer herzlichen Begrüßung geleitet Mielke die Frau in den Gemeindesaal. „Mit Ihnen ist mir noch nichts Schlechtes wiederfahren“, sagt die ältere Frau in Richtung Mielke.

Ingrid Mielke ist am Tag viel unterwegs. Foto: RP/Claudia Gross / Privat

An zwei langen Holztischen sitzen rund 40 Senioren, essen Gebäck und trinken Kaffee. Mielke macht die Runde. „Herzlichen Glückwunsch!“ – das ist der Satz, den sie heute von jedem zu hören bekommt. Mielke lächelt. Sie begrüßt alle Senioren mit Händedruck, fragt nach deren Wohlbefinden, was es Neues gebe. Ingrid Mielke ist eine zentrale Figur in der Gemeinde. Erst kürzlich feierte sie ihr 25-jähriges Dienstjubiläum, 16 Jahre davon ist die gebürtige Wilhelmshavenerin in Büderich angestellt. „Inzwischen kenne ich die meisten schon so lange. Das macht einfach Spaß“, sagt Mielke strahlend. Mit ihrem pinkfarbenen Oberteil und dem bunten Schal um den Hals sticht sie aus der Menge der Senioren hervor.

Gesprächsrunden mit Pfarrer Michael Berning (re.) gehören zum Alltag. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Bevor Mielke 2003 in Büderich ankam, lebte sie lange Zeit in Berlin. Dort arbeitete sie zunächst als Religionslehrerin und ließ sich dann zur Gemeindereferentin ausbilden. Es sei kein Job, in dem man groß Karriere machen könne. Doch das will Mielke auch gar nicht: „Mir geht es in einer kleinen Gemeinde und mit den Menschen hier am besten“, sagt die 53-Jährige. Die Büdericher sind darüber wohl dankbar, denn überall, wo Mielke hingeht, wird sie freudestrahlend begrüßt.

Die Gemeindereferentin besucht Senioren zu Hause. Foto: RP/Claudia Gross / Privat

So ist es auch bei Helene Hoffmann*, die Mielke im Anschluss an den Seniorenkreis zu Hause besucht. Eigentlich kommt Mielke, um Hoffmanns Mann zu sehen. Denn der 85-Jährige kann nicht mehr zum Gottesdienst kommen, seit er vor anderthalb Jahren eine Nierenoperation hatte. „Bis ich meinen Mann dann fertig gemacht hätte, um zur Kirche zu gehen – das ist zu hektisch und stressig“, stellt seine Frau fest.

Damit der gebrechliche Mann dennoch nicht auf die religiöse Liturgie verzichten muss, kommt Mielke einmal pro Woche bei ihm vorbei, um ihm die Kommunion zu geben. Das macht sie für sechs Menschen in Büderich. „In der Regel komme ich aber nur einmal im Monat. Hier ist es ein Sonderfall, weil ich das Ehepaar auch schon privat vorher kannte“, erklärt die Gemeindereferentin.

Bevor es religiös wird, tauschen sich die drei über den Alltag aus. Auch das ältere Ehepaar gratuliert Mielke herzlich zum Jubiläum. Man spricht über gemeinsame Bekannte, das Wetter und die Enkelkinder. „Bei meiner Arbeit geht es erstmal ums Zuhören und ums Reden“, sagt Mielke. Viele ältere Menschen seien einsam und froh, wenn sie überhaupt jemanden hätten, der sie ab und zu besuche und mit ihnen spreche.

Die Krankenkommunion ist für Mielke etwas Besonderes. „Ich finde es schön, weil man viel aus dem Leben von den Menschen mitbekommt, und das sind auch diejenigen, wo man richtig spürt, dass denen der Glaube total wichtig ist“, so die 53-Jährige. Für die Kommunion hat Mielke an diesem Tag eine Bibel und die Hostie mitgebracht. „Lasset uns beten“, sagt Mielke nun, das ältere Ehepaar verschränkt die Hände. Mielke liest eine kurze Passage aus dem Lukas-Evangelium vor. „Lasset uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat“, sagt sie nun. Mielke und das Ehepaar Hoffmann sprechen das Vaterunser unisono. Auf dem Wohnzimmertisch, um den die drei sitzen, leuchtet eine Kerze. Nach der Ausgabe der Hostie, einem weiteren Gebet und der Segnung ist die Krankenkommunion beendet. Zehn Minuten hat das Ganze gedauert. „Schön, dass du da warst“, sagt Helene Hoffmann.

Neben dem sozialen Hilfsnetz für Senioren, kümmert sich Mielke jedoch auch um den Kontakt zu den katholischen Kindergärten und bereitet die Erstkommunion vor. Sie organisiert die Familienmessen der Gemeinde, führt Predigtgespräche mit Kindern und ist außerdem Chefredakteurin des Pfarrbriefs der Kirchengemeinde. „Das ist eben das Schöne an meinem Beruf, dass ich sowohl mit Älteren als auch mit Kommunion- und Kindergartenkindern zu tun habe“, sagt Ingrid Mielke über die Ausgewogenheit ihres Berufs.

*Name von Redaktion geändert

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