Meerbusch: Ein Roman zwischen Paradies und Hölle

Meerbusch : Ein Roman zwischen Paradies und Hölle

Der Roman "Desirée — Zauber der Seychellen" von Alfons Schmitt ist kein Reisebericht – es geht um Vorurteile gegen fremde Kulturen

Damals, im Jahr 1992, war Alfons Schmitt noch ein gestresster und hart arbeitender Meerbuscher Grundschuldirektor, dem es schwerfiel, einfach mal abzuschalten. Eine Reise auf die Seychellen veränderte alles: Das tropische Flair, freundliche Menschen, die sich nicht scheuten, auf Fremde zuzugehen und die Schönheit der Landschaften machten die Reise für den heute 78-Jährigen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Diese Erfahrungen wollte er in einem Buch festhalten, jedoch nicht einfach in Form eines Reiseberichts. Schmitt wollte einen fiktiven Vergleich ziehen: Wie wäre es, wenn ein Bürger des Inselstaates, wenige Jahre nach dem Mauerfall, nach Deutschland gekommen wäre? Wäre er ebenso herzlich empfangen worden? Hätte er sich wohl gefühlt? "Nein!", sagt der Autor. "Es wäre ganz anders gewesen." Das Buch erklärt warum.

Bürgermeister Dieter Spindler liest Kindern des Familienzentrums Fronhof Geschichten vom "Guten Räuber Willibald" vor. Foto: Ulli Dackweiler

Doro und Wolfgang Wagner – sie Sportlehrerin, er Schulleiter – lernen auf den Seychellen die Reisehostess Desirée kennen. Zwischen dem Ehepaar und dem jungen Mädchen entsteht eine herzliche Freundschaft und die beiden Lehrer lernen die Schönheiten, aber auch die Schattenseiten der Insel kennen. Als Wolfgangs Frau jedoch von einem Schwimmausflug nicht zurückkehrt, wird dieser der fahrlässigen Tötung beschuldigt. Desirée ist jedoch von der Unschuld ihres Freundes überzeugt und setzt sich bei der Justiz für Wolfgang ein. Als freier Mann reist er zurück nach Deutschland. An diesem Punkt endet der erste Abschnitt des Buches. "Nach dieser spannenden und schönen Geschichte folgt nun die brutale Realität", so Schmitt.

Der zweite Teil des Romans beschreibt Desirées Reise nach Deutschland. Sie folgt Wolfgangs Einladung und nutzt die Gelegenheit, um ihre Sprachkenntnisse in einem Studium zu verbessern. Doch ihr Aufenthalt in einem Land, das nach dem Mauerfall immer noch stark von Intoleranz und Fremdenhass geprägt ist, entwickelt sich zur Leidensgeschichte. Desirée wird angepöbelt, bedroht und verachtet. Allein ihre Hautfarbe macht sie zur Ausgestoßenen. Tief enttäuscht reist sie überstürzt ab und hinterlässt ihren deutschen Freunden die Abschiedsworte: "Eine Eiche kann auf Dauer nicht im Vallée de Mai gedeihen, eine Coco-de-Mer-Palme nicht am Rhein."

Zugegeben: Bis auf die Tatsache, dass ein Lehrer 1992 auf die Seychellen gereist ist, ist die Geschichte frei erfunden. "Aber die Inhalte sind typisch für diese Zeit gewesen und absolut real", sagt Alfons Schmitt. "Ich habe es so oft beobachtet, im Klassenzimmer und auf den Straßen, dass Menschen wegen ihrer Sprache, Religion oder Hautfarbe diskriminiert werden. Das hat mir wehgetan."

Diese Erlebnisse schreibt er in den Augen seiner Protagonisten fort. Ebenso wie der Übergang vom ersten zum zweiten Teil – die Reise aus dem Paradies, hin zu dem ungeschönten Alltag im Deutschland der 90er Jahre – wird auch das Schicksal von Desirée von Schmitts persönlichen Erlebnissen ergänzt: von den Beleidigungen Andersfarbiger auf offener Straße, bis hin zu rechtsradikalen Parolen, die an Häuserwände geschmiert sind.

Alfons Schmitt möchte mit seinem Roman ein Zeichen gegen Fremdenhass und Vorurteile setzten. Der Leser soll nachdenken – über persönliche Erlebnisse mit diesem Thema und über seine eigene Denkweise. Deutschland sei heute auf einem guten Weg, meint der Autor. "Aber Intoleranz ist immer noch ein großes Problem in unserer Gesellschaft." Feststeht: Die Seychellen wird er niemals vergessen. Zu seinem 80. Geburtstag möchte er vielleicht noch einmal dort hin. "Wenn das Fliegen nicht so anstrengend wäre", lacht Schmitt.

(RP)
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