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Meerbusch: Ein rheinischer Gartenkünstler

Meerbusch : Ein rheinischer Gartenkünstler

Die Kunsthistorikerin Dr. Rosemarie Vogelsang und Denkmalpfleger Reinhard Lutum haben ihr Buch über Joseph Clemens Weyhe, Gestalter des Parks Haus Meer, im Benrather Schloss vorgestellt.

Der Zeitpunkt ist gut getroffen. Die Zukunft des Parks Haus Meer steht erneut zur Diskussion. Geht es nach dem Planungsdezernenten, könnte dort bald ein kleines, aber sehr feines Hotel auf den Grundrissen des ehemaligen Schlosses entstehen. Kritiker einer kommerziellen Nutzung bleiben trotz aller Versicherungen, der Park bleibe öffentlich, skeptisch. Sie sehen den historischen Park, gestaltet nach den Plänen des Gartenkünstlers Joseph Clemens Weyhe, in Gefahr. In dieser Situation kommt die Veröffentlichung von Kunsthistorikerin Dr. Rosemarie Vogelsang und Architekt Reinhard Lutum (Denkmalpfleger der Stadt) gerade recht. Sie haben Joseph Clemens Weyhe (1807 bis 1871) ein gut 260 Seiten starkes Buch gewidmet, das seine Gärten und Parks im Rheinland ins rechte Licht rückt.

"Wir wollen zeigen, dass er nicht nur den Park von Haus Meer gestaltet hat, sondern dass die historische Anlage Teil seines umfangreichen Lebenswerks ist", sagt Lutum. Viele seiner Pläne seien lange Zeit seinem Vater Maximilian Friedrich zugeschrieben worden. Auch dieser Beziehung ist ein Kapitel gewidmet.

Zehn Jahre lang haben die beiden Meerbuscher für das Buch recherchiert, haben private und öffentliche Archive aufgesucht, sind Parks abgelaufen, haben Ausstellungen besucht, sich mit Kollegen ausgetauscht — immer auf der Suche nach der typischen Handschrift von Joseph Clemens Weyhe. "Er war ein Künstler", sagt Vogelsang, die ihren "Joseph" ins Herz geschlossen hat und für dessen Würdigung kämpft. "Er hat als einer der Ersten Gartenpläne in Aquarell gemalt", sagt sie. Lutum, ein versierter Fachmann, weist auf die luftigere, konsequentere Gestaltungsart hin, die Joseph Clemens von der Arbeitsweise seines Vaters abgrenzt. "Das war auch eine Frage des Zeitgeistes", erläutert er.

Mitte des 19. Jahrhunderts haben viele Industrielle rund um ihre repräsentativen Villen Privatgärten angelegt — einige hat Joseph Clemens gestaltet. 40 Anlagen werden ihm inzwischen zugeschrieben, lediglich fünf davon sind in ihrer Struktur noch erhalten. Von manchen steht nur ein Baum unter Überlandleitungen — traurige Beispiele, die die beiden Autoren auch in Text und Bild zeigen.

Grundlage für ihre Recherche war das "Manual über den Verkauf aus der Königlichen Baumschule zu Düsseldorf." Dort haben Lutum und Vogelsang wichtige Hinweise gefunden, welche Bäume, zu welchem Preis wohin geliefert wurden. "Waren es viele, war dort ein Park zu vermuten", so Vogelsang, die natürlich gleich den Hinweis auf das Von-der-Leyensche Anwesen in Meerbusch gefunden hat. Es wurde erst 1963 zum größten Teil verkauft.

Unterstützt wurden die Autoren vom Meerbuscher Geschichtsverein, vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege, finanziell vom Förderverein Haus Meer, von der Stiftung Schloss und Park Benrath sowie vom Landschaftsverband Rheinland.

(RP)