Ehepaar Rösler feiert Diamanthochzeit in Meerbusch

Diamanthochzeit in Meerbusch : „Wenn etwas ist, dann muss man reden“

Rosa Maria und Anton Rösler aus Osterath feiern am 15. Mai ihre Diamanthochzeit. Was mit einem Gespräch im Kino begann, entwickelte sich zu einer glücklichen Ehe, in der gestern wie heute über jedes Problem offen geredet wurde.

Über die Frage, warum Rosa Maria und Anton Rösler schon so lange verheiratet sind, muss das Ehepaar einen Moment lang nachdenken. Denn bis zur Diamanthochzeit nach 60 Jahren schafft es nicht jeder. Dass die beiden Osterather schon so lange miteinander verheiratet sind, liegt zum einen an einem anderen Werteverständnis, bei dem man nicht einfach die Koffer packte, wenn es mal Probleme gibt. Aber auch an Kommunikation, wie Rosa Maria Rösler schließlich auf die eingangs gestellte Frage antwortet. „Wenn etwas ist, dann muss man miteinander reden“, sagt sie. Und das tun die beiden heute noch wie vor 60 Jahren.

Anton und Rosa Maria Rösler in ihrem Zuhause in Osterath. Ernsthafte Konflikte hatten die beiden in 60 Jahren nicht. Foto: Daniel Schrader

Das Paar hatte sich 1956 im damaligen Osterather Kino kennengelernt. Anton saß hinter Rosa Maria. „Da sind wir ins Gespräch gekommen“, erzählt der 82-Jährige. Und am Ende brachte er das junge Mädchen nach Hause, „wie es sich damals gehörte.“ Drei Jahre später folgte schon der Antrag, Anton war damals 22, seine zukünftige Ehefrau gerade einmal 18 Jahre jung. „Deshalb war mein Vater am Anfang auch nicht so begeistert“, erinnert sich Rosa Maria. Aber am Ende willigte der Vater dann doch ein.

Der obligatorische Kuss nach der Trauung. Foto: Daniel Schrader/Rösler

Die Trauung fand in Strümp statt, gefeiert wurde im kleinen familiären Rahmen, der Kuchen wurde von den Verwandten selbst gebacken. Anton Röslers Eltern konnten jedoch nicht an der Zeremonie teilnehmen. Das lag an der bewegten Geschichte des Mannes. Aufgewachsen im Sudetenland, wurde er als Kind mit seiner Familie vertrieben, bis 1955 lebte er in DDR. Doch dort hielt es der junge Mann nicht mehr aus und flüchtete auf eigene Faust schließlich über Berlin in den Westen, wo er nach ein paar Zwischenstationen in Osterath landete. So fuhr Rosa Maria schließlich allein in die DDR, um ihre Schwiegereltern kennenzulernen, denn Anton Rösler war durch seine Flucht in dem Staat zur „persona non grata“ geworden.

Das Eheleben der Röslers war durch viele Reisen geprägt, vor allem der Mittelmeerraum, egal ob Marokko, Griechenland oder die Türkei, hatte es den beiden angetan. Nachdem der gemeinsame Sohn zur Welt gekommen war, ging es häufig zum Campen. „Das ist freies Leben und viel besser als Hotels“, schwärmt Anton Rösler.

Abseits der Reisen war es die Kommunikation der beiden, die deren Ehe bis heute ausmacht. Wenn es Probleme gibt, sprechen die beiden miteinander und lassen sich – wenn notwendig – auch Freiräume. Dann zieht sich Anton Rösler beispielsweise zum Modellbauen zurück, seine große Leidenschaft. Aber wirklich ernsthafte Konflikte habe es zwischen den beiden sowieso nie gegeben, sagen die Eheleute.

Und auch wenn Anton Röslers Herz noch immer an seiner Heimat im Sudetenland hängt, ist er im Verlauf der Jahre in Osterath heimisch geworden, engagiert sich bei den Schützen und im Handballverein. Letzteres wurde quasi zur Familienaufgabe: Vater und Sohn standen auf dem Feld, Rosa Maria half bei der Organisation.

Am 15. Mai wird nun das große Ehejubiläum begangen, zusammen mit dem Sohn und einem befreundeten Ehepaar. Ganz im kleinen Kreis, wie schon damals bei der Hochzeit. „Es ist schwer, zu fassen, dass die bereits 60 Jahre zurückliegt“, sagt Rosa Maria Rösler.

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