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Eheleute Hagen betreiben das Hotel Villa Meererbusch in Meerbusch

Serie Hausbesuch : Nachhaltig übernachten in Meerbusch

Michaela und Michael Hagen empfangen in ihrem Drei-Sterne Hotel Gäste aus aller Welt. Die Eheleute bieten aber auch der Kunst an den Hotelwänden eine Heimat auf Zeit.

Das „Hotel Villa Meererbusch“ an der Hindenburgstraße in Meerbusch ist bis auf eine kurze Ausnahme, als es als Geburtshaus nach dem Krieg umfunktioniert wurde, schon immer ein Hotel/Gästehaus gewesen. Als das Villenviertel in Meerbusch geplant wurde, legte Architekt Fritz August Breuhaus direkt auch Pläne für ein Gästehaus vor, in dem die Bewohner der neuen Villen, zumeist Industrielle, Anwälte oder Künstler, ihre Gäste aus der ganzen Welt standesgemäß unterbringen konnten.

Das eigentlich in den 1920er und 30er Jahren als Wohnhaus konzipierte Haus an der Hindenburgstaße 4 übernahm diese Aufgabe. Die Anlieger der im Stile einer Gartenstadt angelegten Villenkolonie unterhielten das Hotel mit einem regelmäßigen Obolus. Seit 2009 besitzen Michaela und Michael Hagen das schmucke Hotel mit den 17 Zimmern. „Bei uns sind nicht nur Gäste aus der ganzen Welt herzlich willkommen, sondern auch die Kunst“, sagt die früher erfolgreich in der Marketingbranche tätige Michaela Hagen. Sie holt zwei Mal im Jahr Künstler ins Haus, die den öffentlichen Raum der Villa für die Ausstellung ihrer Werke nutzen können. Dabei ist die „Kunst im Hotel“, die es während der Pandemie und des Lockdowns natürlich sehr schwer hatte, nicht nur für die Hotelgäste und die Künstler interessant. „Nach telefonischer Voranmeldung kann bei uns jeder einen Hausbesuch abstatten und sich die Kunst im bewohnten Raum, abseits cleaner Galeriewände, anschauen“, erklärt Hagen. Eingerahmt werden die Präsentationen von Vernissage und Finissage in Haus und Garten.

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Während Michaela das Hotel mit Kunst, Kunstschaffenden und Kunstinteressierten belebt, ist Michael Hagen als früherer Entwickler im technischen Bereich für das „Unsichtbare“ zuständig. Er hat sich nach dem Erwerb des Hauses um neue Strom- und Wasserleitungen gekümmert, eine Heizung mit besserer Energieleistung, Energiesparlampen und eine Wasserenthärtungsanlage wurden eingebaut. Während des Lockdowns, von dem die Hagens nicht ganz betroffen waren, da sie Geschäftsreisende empfangen durften – aber welche Firmen schickten während der pandemischen Hochzeit schon Mitarbeiter rund um die Welt? – konstruierte er den Salon zum multimedialen Konferenzzimmer um, das von Gästen und interessierten Firmen gebucht werden kann.

Die Eheleute werben für ihr Drei-Sterne-Haus mit dem Slogan „Nachhaltig übernachten bei Düsseldorf“, und die Gäste schätzen diesen Ansatz des familiengeführten Hauses. „Wir kochen unsere Marmeladen selbst, stellen die Nuss-Nougatcreme in unserer Küche her und verzichten auf dem Frühstücksbuffet auf Einwegverpackunen“, sagen die Eheleute. Die Bettwäsche der gemütlichen Hotelbetten ist mit kunststofffreier Bettwäsche bezogen, die Zahnputzbecher sind aus Glas, und auch die Möbel im Haus sind nachhaltig, da aus einem Nachlass stammend oder als gebrauchtes Geschenk von Freunden und Gästen übernommen. „Wir leben privat, hier im Haus, genauso“, sagt Michael Hagen. Sie müssen und wollen sich nicht verstellen, wenn es um Nachhaltigkeit und Wertschätzung geht.

So gestaltet sich auch der Umgang mit den Gästen, davon sind viele Stammgäste, freundlich, familiär und respektvoll. Auch die Kunst im Haus, die für sechs Monate gastiert, hat im Treppenhaus, im Frühstücksraum und im Entrée ihren respektierten Platz. Auf einem kleinen Kunsttisch werden Kunst und Künstler vorgestellt. „Natürlich können die Objekte und Bilder erworben werden. Dabei verstehen wir uns nur als Vermittler zwischen Käufer und Künstler“, erklärt Michaela Hagen das Prozedere.

Die beiden Hoteliers lieben es, „Menschen zu begegnen“, seien es nun Hotelgäste, die Feiernden einer Hochzeitsgesellschaft oder Lieferanten. „In Gesprächen mit Gästen und Geschäftspartnern ergibt sich so viel“, sagt Michael Hagen, der Kontakte zu den Hotel-Kosmetiklieferanten pflegt – sie produzieren von Berlin aus auch nachhaltiges Desinfektionsmittel, das im ganzen Haus zu finden ist – und regionalen Anbietern von Obst und Gemüse. „Im Moment spreche ich intensiv mit einem Kaffeeröster aus der Nachbarschaft“, sagt Hagen, und seine Frau hat schon die Vernissage im Herbst im Blick. „Hier soll ein deutsch-französischer Künstler eine zweite Chance bekommen. Denn während des Lockdowns fand seine Kunst hier im Haus ohne Betrachter statt.“ Nur wenige Geschäftsreisende kamen in den Genuss. Jetzt steht das Haus wieder für alle offen.