Düsseldorf-Meerbusch: Zwischen Modegrafik und Malerei

Künstler in Meerbusch : Zwischen Modegrafik und Malerei

Helga Finke-Schiermeyer experimentiert gerne und legt per Spachtelmesser Farbschichten übereinander.

„Die unterschiedlichen Malweisen und -konzepte haben ihre Berechtigung“, sagt Helga Finke-Schiermeyer. Sie setzt sich mit allen Techniken auseinander, meint aber: „Gegenstandslose Bilder zu malen, fällt mir schwer.“ In ihrer Geburtsstadt Berlin hat sie Modegrafik studiert und sieht sich heute – nach einem später absolvierten Studium in Philosophie und Geschichte – als freischaffende Künstlerin, als Malerin auf dem Fundament des Zeichnens.

Umgeben von Arbeitsmaterialien wie Farbtöpfen, Pinseln und Mischbehältern in ihrem hellen Atelier in Bösinghoven erklärt sie, wie sie bei der Erstellung eines Bildes von einer Segelregatta vorgegangen ist: „Basis ist das vor Ort aufgenommene Foto.“ Es folgen eine Skizze, das Festlegen der Farben und ein Rohentwurf: „Dann bringe ich das alles auf die Leinwand.“ Der Prozess kann sich über einen längeren Zeitraum ziehen, er kann Tage oder auch bis zu acht Wochen dauern: „Ich schaue immer wieder drauf und verändere so lange, bis ich weiß, jetzt ist es richtig.“ Helga Finke-Schiermeyer betont, dass sie das Leben liebt, sich mit dem Erlebten auseinandersetzt und Empfindungen in ihre Arbeiten einbringt: „Ich fertige keine Bilder an – ich male sie und finde mich in jedem meiner Bilder wieder.“ Sie verwendet neben Öl vor allem Acryl, arbeitet mit vielen Schichten übereinander, die sie mit einem Spachtelmesser aufträgt. Bei der Segelregatta-Darstellung hat sie dafür gesorgt, dass die verschiedenen Farbschichten durchleuchten: „Das ergibt mehr Tiefe.“

Sie lebt seit mehreren Jahrzehnten am Rhein, seit 20 Jahren in Bösinghoven und nimmt seit 15 Jahren Malunterricht. An der Volkshochschule Meerbusch hat sie sich bei Viorel Chirea die Technik angeeignet und nimmt seit fünf Jahren Zeichenunterricht bei Heike Kleffmann: „Malen ist ein Prozess, ich entwickle mich immer weiter, experimentiere gern und muss die Entstehung eines Bildes regelrecht erleiden. Gleichzeitig aber möchte ich auch die Freude an diesem Tun ausdrücken.“

In der Zeit, als sie in der Modebranche mit einer eigenen kleinen Agentur tätig war, hat Helga Finke-Schiermeyer nicht nur Modenschauen moderiert, sondern „wirklich reiche Damen in ganz Deutschland angezogen“. Die Erfahrungen, die sie dort gemacht hat, und ihre Entwicklung sind in einem Buch zusammengefasst. Es ist bisher nicht erschienen. Sie möchte einiges ändern: „Ich bin nicht mehr die Frau, die ich damals war – heute bin ich Malerin.“

In den großzügigen Atelierräumen hängen unterschiedliche Motive an den Wänden, strahlendweiße Birkenstämme gehören dazu, farbige Tierdarstellungen und Bilder, die Etrusker in ihrer Tracht zeigen: „Ich bin fasziniert von diesen Menschen.“ Aber die Malerin hat schon neue Pläne. Sie will mit Farben spielen, auf mittlere Formate per Spachtel einen intensiven Farbton aufbringen und mit Weiß mischen. Als Beispiel zeigt Helga Finke-Schiermeyer eine Fläche in strahlendem Indigo-Blau mit weißen Farbeinschlüssen: „Ich sehe immer wieder etwas Neues darin und hoffe, dass alle Betrachter ebenfalls diese Erfahrung machen.“