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Düsseldorf hat ein Problem beim Tourismus

Reisen nach Düsseldorf : Warum Düsseldorf ein Tourismus-Problem hat

Die Stadt profitierte vor der Pandemie wirtschaftlich in hohem Maße von Geschäftsreisenden und weniger von Freizeittouristen. Das könnte jetzt unangenehme Folgen haben.

Die Zeit der touristischen Rekorde ist vorerst vorbei. Die 2019 erstmals geknackte Marke von fünf Millionen Übernachtungen von Reisenden in Düsseldorf ist im Zuge der Corona-Pandemie in weite Ferne gerückt. Das hat enorme Folgen für die Wirtschaft. Die Düsseldorf Tourismus GmbH (DT) verweist gerne darauf, dass jede einzelne Übernachtung durchschnittlich einen Umsatz in Höhe von 207 Euro in der Stadt nach sich zieht, wie einst DWIF Consulting ermittelte. Tagestouristen sorgen sogar für eine fast doppelt so hohe Summe. Es geht demnach also um Milliarden.

Doch von diesen Einnahmen dürfte in Zukunft deutlich weniger in den Kassen der Restaurants, Hotels, Geschäfte, Kulturhäuser und auch den vielen anderen Adressen verbucht werden. Vor allem weniger Geschäftsreisen sind künftig zu erwarten, da digitale Kommunikationsmöglichkeiten besser gelernt wurden und Einspareffekte von den Unternehmen gerne mitgenommen werden. Das trifft die Landeshauptstadt besonders hart. Denn der Anteil von Geschäftstouristen liegt bei den Übernachtungszahlen deutlich über den Privatreisenden. Die DT schätzt das Verhältnis sogar auf 70 zu 30, wie die Stadttochter auf Nachfrage mitteilt.

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Genau analysiert hat die Ausgangsposition Düsseldorfs für ein geändertes Reiseverhalten Michael Meyer, gebürtiger Düsseldorfer, ehemaliges Vorstandsmitglied der Destination Düsseldorf und Dozent für Tourismus und Hospitality an der IST Hochschule für Management. Er verweist auf aktuelle Studien und Umfragen, die in Zukunft auf weniger Geschäftsreisen schließen lassen, auch zu Messen und vor allem Kongressen, die beide in Düsseldorf eine hohe Bedeutung haben.

Während beruflich künftig also weniger gereist werden wird, liegt der Fokus umso mehr auf Privatreisenden. Bei den Fluggesellschaften beispielsweise hat ein verschärfter Kampf um diese Zielgruppe längst begonnen. Auch Hotelchef Cyrus Heydarian richtet den Breidenbacher Hof gerade neu auf diese Klientel aus. Er fordert die Stadt zudem auf, Ähnliches zu tun und sich besser für Privatreisen aufzustellen. Michael Meyer ist überzeugt, dass Düsseldorf sogar erheblichen Nachholbedarf in diesem Bereich hat, vor allem in Bezug auf die Außenwahrnehmung. „So gut Düsseldorf in vielen Statistiken und Untersuchungen im Bereich Geschäftsreisen dasteht, so fällt die Bedeutung von Düsseldorf als Städtereiseziel für Privattouristen ab.“ In einem Ranking der attraktivsten Ziele für Städtereisen in Deutschland von Brandmeyer Markenberatung liegt Düsseldorf zum Beispiel nur auf Rang 16. Auch bei einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Westküste zu Städtereisen schafft es Düsseldorf nicht auf die vorderen Plätze. Solang es allerdings um die reine Zahl der Übernachtungen geht, landete Düsseldorf in den Vorjahren meistens auf Platz 6.

Über die Gründe der relativ schlechten Wahrnehmung Düsseldorfs könne laut Meyer nur spekuliert werden. Die guten Zahlen bei den Geschäftsreisenden hätten die Schwäche bei Privattouristen womöglich kaschiert. Vielleicht sei deshalb auch die Notwendigkeit nicht gesehen worden, mehr Geld für Marketing in die Hand zu nehmen. Auch wenn Meyer die heutige Arbeit von Düsseldorf Tourismus ausdrücklich lobt, sagt er auch. „Das reicht nicht.“ Er fordert mehr politischen Willen, verknüpft mit höheren Budgets, um eine großangelegte Werbekampagne vor allem in den klassischen Medien umzusetzen. Der Erfolg der Social-Media-Strategie stelle sich im Hinblick auf die Wahrnehmung nicht ein.

Meyer sieht zudem, dass mit dem Neubau der Oper ein Düsseldorf-Problem gelöst werden könnte. „Städtetourismus wird von Leuchttürmen bestimmt. Düsseldorf fehlt aber, was in Köln zum Beispiel der Dom ist.“ Er nennt das Opernhaus in Oslo und das Guggenheim-Museum in Bilbao als Beispiele dafür, wie Kulturbauten Anziehungspunkte für Touristen werden können.

Auch im kleineren Rahmen sieht Meyer Potenzial. Die Einkaufsstadt gelte es besser mit anderen Events zu verknüpfen und zu promoten, auch im Medizin-Tourismus liegen laut Meyer mehr Chancen. Den scheibt sich auch Heydarian groß auf die Fahne.

Neben diesen nicht neuen und auch in anderen Städten verfolgten Ansätzen sollten vor allem Düsseldorfs Spezialthemen bekannter gemacht oder neu entwickelt werden, sagt Meyer. Die „Schlösserstadt Düsseldorf“ könne etwa in die Region erweitert, Nachtwächter-Führungen über die einzigartigen Gaslaternen verkauft und die aus Meyers Sicht „baumstarke Idee“ Sound of Düsseldorf mit einer bundesweiten und weniger intellektuellen Kampagne erfolgreich vermarktet werden. Zudem bedauert Meyer, dass der Erbauer der Rosenmontagswagen, Jacques Tilly, nicht touristisch erfahrbar ist.

Ein Umsteuern ist aus Sicht von Düsseldorf Tourismus übrigens nicht nötig. „Wir arbeiten schon lange daran, Düsseldorf für Privatreisende noch attraktiver zu machen“, sagt Sprecherin Sibel Şen. Neben den auszuspielenden Stärken der Kompaktheit und Vielseitigkeit der Stadt, von Shopping bis Kultur, verweist sie auf Produkte, die es nur in der Landeshauptstadt gebe, wie die Kulinariktouren. Alleinstellungsmerkmale wie das japanische Viertel und die elektronische Musikszene würden zur Ansprache genutzt und erfahrbar gemacht. Und Şen betont die erfolgreiche Wirkung der Kampagnen in den sozialen Medien, über die „bestimmte Zielgruppen mit passenden Inhalten angesprochen werden – oft nur sichtbar für eben diese Personen. Vor allem digital arbeiten wir erfolgreich auf hohem Niveau.“

Zudem werde in Kürze eine „große offizielle Re-Start-Kampagne anlaufen, die in ausgewählten deutschen Städten mit passenden Motiven für die Reise an den Rhein wirbt“. Für den Sommer seien „weitere Maßnahmen und neue Ansätze“ geplant, die jetzt noch nicht kommuniziert werden sollen.