Meerbusch : Dreckige Drogen

Ein einschlägig vorbestrafter Meerbuscher Konsument warnt im Internet vor verunreinigtem Cannabis in Meerbusch, Neuss und Krefeld. Der Kreispolizeibehörde liegen keine Erkenntnisse vor.

"Ich habe in den letzten Wochen vermehrt regelrechte Schwitzanfälle, sowohl nachts als auch tagsüber bei Anstrengung. Der Schweiß ist übelriechend, wie mir meine Freundin mitteilte. Einige Bekannte haben dasselbe Problem", schreibt ein Meerbuscher im Internet über die Folgen seines Cannabis-Konsums und warnt damit vor dem mit Brix verunreinigten Rauschgift.

Dieses "Gras" sei auch in Krefeld und in Neuss im Umlauf, berichtet der nach eigenen Angaben erheblich vorbestrafte Mann. Da er sich und seine Bekannte, die Cannabis von einem privaten Dealer beziehe, nicht in Schwierigkeiten bringen wolle, könne er nicht zur Polizei gehen.

Hans-Willi Arnold, Sprecher der Kreispolizeibehörde Neuss, erklärte auf Anfrage, dass seiner Behörde von verunreinigtem Cannabis nichts bekannt sei. Der Konsument hingegen äußert einen klaren Verdacht: Eine Jugendbande aus Düsseldorf suche die einzelnen Dealer oftmals mit fünf bis acht Personen auf, um ihnen klar zu machen, dass sie ihr Haschisch und Marihuana nur noch bei ihnen zu kaufen hätten.

Um den gesundheitlichen Schäden zu entgehen, will der Meerbuscher seinen Stoff jetzt wieder in den Niederlanden beschaffen, obwohl das "Risiko die Justiz betreffend deutlich höher ist" als am Niederrhein. Er selbst konsumiere das gestreckte Rauschgift seit gut einem halben Jahr und leide unter anderem an Hals- und Bauchschmerzen, Kreislauf- und Schlafproblemen sowie Konzentrationsstörungen, Unwohlsein und Husten.

Brix ist ein synthetisches Streckmittel, dass in Australien und den USA ausschließlich zu dem Zweck hergestellt wird, Marihuana zu strecken, informiert der Hanfverband im Internet. Es sei eine Flüssigkeit, die aus Zucker, Hormonen und flüssigem Kunststoff bestehe. Zum Strecken würden die Marihuanablüten vor dem Trocknen in Brix getaucht oder mit ihm besprüht.

Arnold informierte, dass die Betäubungsmittelproblematik im Rhein-Kreis Neuss in großem Maße im Missbrauch von Cannabis und Amphetaminen bestehe. Im geringen Teil gebe es auch Konsum und Handel mit harten Drogen wie Kokain und Heroin. Die Zahlen in Meerbusch seien im laufenden Jahr im Vergleich zu 2010 rückläufig.

Für die jeweils ersten zehn Monateseien statt 94 Delikten bislang 77 aktenkundig. Die Aufklärungsquote liege bei mehr als 97 Prozent. "Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sind Kontrolldelikte", sagt Arnold. Das heißt, dass mit erfolgreicher Kontrolle meist auch die Aufklärung einhergehe. Für den gesamten Rhein-Kreis sei die Tendenz allerdings eine andere. Für ihn sei ein Anstieg von 975 auf 1183 Delikten zu verzeichnen.

Besonders auffällig sei in jüngster Zeit, dass Autofahrer am helllichten Tag unter dem Einfluss von Drogen im Straßenverkehr unterwegs seien. Der Konsum von Cannabis lasse sich ungleich länger feststellen als der von Alkohol, berichtet der Polizeibeamte.

Laut Kreisgesundheitsamt gab es in 2010 im Rhein-Kreis Neuss sechs Drogentote.

(RP)
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