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Dokumente über den Plöneshof in Osterath lagern im Meerbuscher Archiv

Serie Schätze aus dem Stadtarchiv : Plöneshof: ein echtes Familienmuseum

Marie-Sophie Aust sicherte viele Dokumente über das Osterather Bauernhaus, die dessen Vergangenheit beleuchten.

Als Marie-Sophie Aust als Hausherrin auf dem malerischen Plöneshof im Herzen Osteraths lebte, war das Bauernhaus aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ein echtes Familienmuseum. Heute sind zumindest die wichtigsten Archivalien im Stadtarchiv Meerbusch deponiert – der umfangreiche Bestand muss allerdings noch sorgfältig erschlossen werden: „Eine anspruchsvolle Arbeit, die eine Menge Zeit in Anspruch nehmen wird”, erzählt Stadtarchivar Michael Regenbrecht.

 Mit großformatigen Gedenkblättern wurde an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert  – hier an den Reserveleutnant Josef-Hermann Thomassen vom Plöneshof.
Mit großformatigen Gedenkblättern wurde an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert  – hier an den Reserveleutnant Josef-Hermann Thomassen vom Plöneshof. Foto: RP/Repro Mike Kunze

Die ältesten Angaben zur Geschichte des denkmalgeschützten Hofes stammen aus dem Jahr 1364 und wurden zuerst vom Kaplan Joseph Conrads und später von Marie-Sophie Aust selbst zu umfangreichen Aufsätzen verarbeitet. Zahlreiche Informationen dazu sind nach aufwendiger Suche auch aus etlichen anderen Archiven zusammengetragen worden und finden sich nun im Meerbuscher Bestand als zum Teil großformatige Reproduktionen – einige haben sogar den Einsturz des Kölner Stadtarchivs überlebt. Dass dessen Bestände auf Jahrzehnte unbenutzbar oder gar verloren sind, hat die Meerbuscher Kopien erheblich aufgewertet. Eine besonders spannende Episode ist die Rettung des Plöneshofs für die Familie in der Franzosenzeit um 1800 – die Notariatsurkunden sind auf Französisch verfasst.

 Der Totenzettel von Michael Plönes.
Der Totenzettel von Michael Plönes. Foto: RP/Repro Mike Kunze
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Vor mehr als 500 Jahren hatte die Familie den Hof dem Neusser Konvent St. Michaelsberg geschenkt, der 1802 wie Kloster Meer aufgelöst wurde. Nachdem ein Spekulant den Hof erworben hatte, veräußerte er ihn zumindest teilweise an das Pächterpaar Matthias Ipsch und Anna Catharina Münker, das dafür beim neuen Besitzer Meers, dem Freiherren von der Leyen, einen großzügigen Kredit aufnehmen musste. Ipsch handelte dabei für seinen Stiefsohn Michael Plönes.

 Im Depot des Plöneshofs sind zahlreiche Dokumente, Bücher, Urkunden.
Im Depot des Plöneshofs sind zahlreiche Dokumente, Bücher, Urkunden. Foto: RP/Repro: Kunze

Die Rückzahlung ist ebenso dokumentiert wie verschiedene Prozesse, Ehe- oder Erbverträge, die damals im Leben vermögender Bauernfamilien normal waren. Schließlich galt es, die Erben auf der einen Seite möglichst gleich zu behandeln, und auf der anderen Seite den Hof im Kernbestand als solchen zu erhalten.

 1917 beantragte Josefine Thomassen vom Plöneshof ihren Reisepass.
1917 beantragte Josefine Thomassen vom Plöneshof ihren Reisepass. Foto: RP/Repro Mike Kunze

In diesem Zusammenhang entstand 1853 das Inventar nach dem Tod der Anna Catharina Münks, das einen guten Einblick in die damaligen Lebensumstände erlaubt. Auch die vielen Totenzettel zeigen, wie verzweigt die familiären und freundschaftlichen Beziehungen vom Plöneshof ausgehend waren. Zwei „Hausbücher“ und ein handschriftliches Kochbuch verraten sogar Färberrezepte und Festtagsspeisen und auch das „Ortsstatut über das Verhältnis von Herrschaften und Dienstboten“. Hinzu kommt eine Fülle an Informationen über Politik und Gesellschaft im alten Osterath.

Auch die Besitzgeschichte ist umfangreich abgebildet. So verkaufte Michael Plönes 1855 und 1857 Ackerstücke zum Bau der heute noch bestehenden Eisenbahnlinie. Auch weite Teile Osteraths entstanden seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach und nach auf Parzellen des alten Hofes. Selbst die Post fand 1930 Platz in der umgebauten Scheune und die Theodor-Heuss-Straße führt heute quer über den alten Innenhof. Das als Gaststätte beliebte „Kanapee“ an der Hochstraße ist dort ebenfalls dokumentiert, denn zu Beginn der 1980er Jahre hat Marie-Sophie Aust das Fachwerkhaus restaurieren und untersuchen lassen. Mit dem Heimatkundlichen Arbeitskreis Osterath, einem Vorläufer des Geschichtsvereins Meerbusch, hat die resolute Dame schon in den 1970er Jahren Ausgrabungen ermöglicht sowie Ortsgeschichte erforscht und dokumentiert.

Noch vor ihrem Tod am 24. Juli 2017 regelte Marie-Sophie Aust die Übergabe ihrer Schätze an das Stadtarchiv Meerbusch mit dem Willen, es vor Ort der Erinnerung an den Plöneshof und seine Bewohner sowie der lokalgeschichtlichen Forschung dauerhaft zugänglich zu machen.