Inge Rose aus Nierst: Die neue Heimatshopperin liebt die kurzen Wege

Inge Rose aus Nierst: Die neue Heimatshopperin liebt die kurzen Wege

Inge Rose aus Nierst ist in diesem Jahr das Gesicht der Aktion.

„Ich bin Heimatshopper, weil meine kurzen Beine die kurzen Wege lieben.“ Mit diesem Spruch wurde Inge Rose aus Nierst zur neuen Heimatshopperin gekürt. Wie groß sie denn überhaupt sei, dass sie sich mit diesem Spruch beworben habe? Inge Rose (70), lacht: „Zurzeit bin ich 1,50 Meter groß, vor ein paar Jahren waren es noch 1,55 Meter, aber mit dem Alter schrumpft man irgendwie.“ Dass sie nun nicht unbedingt groß ist, hindert sie nicht an einem überaus aktiven Leben mit zahlreichen ehrenamtlichen Engagements. Ein Porträt.

Geboren in Naumburg an der Saale, aufgewachsen im Südharz auf ostdeutscher Seite, unternahm sie 1960 im Alter von zwölf Jahren mit ihren Eltern einen Urlaub zur Tante nach Nierst. Mit Ausreisegenehmigung und Freistellung von der Schule. „Meine Lehrerin musste unterschreiben, dass sie ganz sicher sei, dass ich wiederkomme.“ Doch Inge kam nicht wieder. Ihre Eltern entschieden sich – auch durch gutes Zureden der Verwandtschaft in Nierst – nicht mehr zurück in die spätere DDR zu fahren. Die Familie ließ sich ein paar Sachen schicken und blieb in Nierst. Und seitdem ist dieser kleine Ortsteil mit seinen mittlerweile 1400 Einwohnern zur Heimat von Inge Rose geworden, in der sie auch ihren Ehemann Gerd fand und in dem sie gemeinsam ihren Sohn Michael groß zogen.

Ihre Eltern fanden damals Arbeit, der Vater in der Steinfabrik Schmitz, die Mutter bei Bauern auf dem Feld, später als Hilfe im Haushalt. Sie selbst besuchte noch anderthalb Jahre die damalige Schule an der Stratumer Straße. Ihre erste Arbeit trat sie, wie es damals üblich war, mit 14 an. Sie lernte den Beruf der Verkäuferin, wechselte ab und zu mal den Arbeitgeber, arbeitete dann aber letztlich von 1979 bis 2007 bei Bäcker Bölte in Lank. 1968 lernte sie ihren späteren Ehemann Gerd kennen, ein Jahr später wurde geheiratet. Das Paar lebte erst in Uerdingen, zog dann wieder nach Nierst, von dort nach Lank – und vor 31 Jahren für immer nach Nierst. Genau in das Haus, in dem Inge als Mädchen zur Schule gegangen ist und das jetzt im vorderen Teil die Kita Mullewapp beherbergt.

Als sie dann wusste, dass Nierst ihre Heimat sein würde, entschied sich Inge Rose zum ehrenamtlichen Engagement. Sie engagiert sich in der Katholischen Frauengemeinschaft, war 20 Jahre lang Sitzungspräsidentin beim Frauen-Karneval, organisiert die Senioren- und Spielenachmittage mit anderen Helferinnen, kümmert sich um die jährlichen Ausflüge der älteren Nierster, ist einmal in der Woche Vorlesepatin in der Kita Mullewapp, geht durchs Dorf, um für die Sterbekasse zu sammeln und ist außerdem noch Mitglied im städtischen Seniorenbeirat. Dort hat sie sogar schon konkret etwas bewirkt: „Wir haben zwei Bänke in Nierst aufstellen können.“ Vor fünf Jahren wurde ihr in Anerkennung all ihrer Verdienste der Ehrenamtstaler der Stadt Meerbusch verliehen. Auch im Bürgerverein macht sie mit, will dort aber keinen großen Posten im Vorstand übernehmen. Gemeinsam mit ihrem Mann fährt sie im Auftrag einer Apotheke abends ab und zu und liefert Medikamente an Ärzte und Apotheken in der Region aus. „Ein kleiner Nebenverdienst“, so die Rentnerin, die sich mit ihrem Mann zurzeit am liebsten im großen Garten am Haus aufhält. „Unseren Campingplatz in der Eifel haben wir aufgegeben und alles verkauft. Sonst waren ja immer dort.“

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Also ist sie meistens in Nierst. Hier fühlt sie sich zu Hause, angekommen, einfach wohl. Hier hat sie ihre Kontakte, kennt jeden im Dorf. „Die Einheimischen sowieso, aber mittlerweile auch die Zugezogenen.“ Sie hat einen Kegelclub in Linn, „mittlerweile kegeln wir nicht mehr, sondern gehen nur noch zusammen essen“. Wenn sie von Ilverich oder Lank kommt, hat sie erst in Nierst das Gefühl von Heimat. „Hier funktioniert auch noch die Dorfgemeinschaft.“

Und wo geht die neue Heimatshopperin einkaufen? Schräg gegenüber im Hofladen von Familie Paas, aber ab und zu natürlich auch in den anderen Stadtteilen. Geschenke oder Tee kauft sie in Osterath, Lebensmittel in Lank oder Strümp, ihr Brot natürlich beim alten Arbeitgeber Bölte in Lank.

Was sagt ihr Mann Gerd nun zu ihrem neuen „Titel“ als Heimatshopperin? Er strahlt seine Frau an: „Sie hätten keine bessere finden können.“