Die Lust am Angeln: Von Wobblern, Schwimmern und Ködern

Zeit fürs Angeln : Von Wobblern, Schwimmern und Ködern

Angeln ist für viele Menschen eine Abwechslung vom hektischen Alltag. Michael Draeger aus Kaarst entspannt frühmorgens am Rhein und stellt sich sogar vorm Angeln in die Küche – für die Fische, die er fangen will.

Fürs Angeln braucht es Geduld: Stundenlang kann man am Ufer sitzen, ohne dass etwas passiert. Michael Draeger (39), Disponent bei einer großen Spedition, genießt diese Zeit, sagt er. So oft es geht, oft sehr früh morgens, bevor die Familie daheim in Kaarst aufsteht, fährt er bei Meerbusch-Büderich an den Rhein und wirft seine Köder aus. „Ich könnte stundenlang auf den Schwimmer gucken. Das ist für mich die pure Entspannung“, sagt Draeger.

Damit er aber nicht nur guckt, sondern auch mal mehr Action erlebt und sich daheim die Pfanne füllt, bereitet er seinen Fischzug sozusagen kulinarisch vor. Aus Paniermehl, Mais und Wasser formt er dicke Klumpen. Am Rhein wirft er sie in das zwischen zwei Buhnen still stehende Wasser des Rheins. So will er kleine Fische anlocken – die stehen wohl auf Paniermehl. Sind sie da und wuseln reichlich herum, lockt die vermeintlich leichte Beute die großen Jäger wie Zander, Forelle oder Hecht. Und auf die hat Draeger es abgesehen. An der meterlangen Leine der Angel hängen Köder, auf die die Killer des Süßwassers abfahren. Sie zu locken, ist pure Wissenschaft – da muss der Köder im Wasser beweglich sein oder auf den Grund sinken, er muss schnell gezogen werden oder das Zappeln eines möglichen Beutetieres vortäuschen.

Der Wobbler taumelt

Dafür gibt es den so genannten Wobbler: Dieser Köder ist so konstruiert, dass er im Wasser herumtaumelt und das Verhalten eines verletzten oder kranken Fisches vortäuscht – für Raubfische wie Hecht oder Zander unwiderstehlich. Das ist übrigens das Grundprinzip jeden Köders: Sie tun so, als seien sie fressbar. Nur manche sind es wirklich, Maden oder Würmer beispielsweise. Schnappt der Fisch zu, kommt er nicht mehr in den Genuss dieser Mahlzeit – der im oder unter dem Köder versteckte Haken lässt normalerweise nicht mehr los. Auch das klingt simpler, als es ist: Es gibt verwirrend viele unterschiedliche Haken und Köder, Ruten und Schnüre. Jeder Fisch, egal ob Jäger- oder Friedfisch, verlangt seine eigene Strategie – und hält sich leider nicht immer dran. Manchmal hängt am Haken, was man gar nicht im Visier hatte.

Der Angel-Neuling muss feststellen: Angeln ist spannend. Wirklich! Weil es viel mehr Aufwand und Anspruch verlangt, als der Laie ahnt. Laut Deutschem Angelfischerverband gibt es hierzulande etwa 3,8 Millionen aktive Angler. Wer bei ihnen länger am Wasser sitzt, dem wird eines klar: Zander, Hecht, Karpfen, Schleie, Aal oder Brasse zu erwischen ist eine Kunst. Die Liste der Fisch-Namen ließe sich übrigens noch ziemlich verlängern, denn es gibt sie wieder reichlich in Rhein und Ruhr, Tümpel und Teich.

Der Aufwand, den Angler treiben, ist enorm. Spätestens wenn man das sieht und hört, fällt zwangsläufig eine Parallele auf – die zur Jagd. Auch das Waidwerk verlangt viel Wissen, Können und Erfahrung, Kenntnis von Waffen und Munition, von der Tierwelt und der Natur. Angeln ist so ähnlich, nur leiser. Am Ende fällt nämlich kein Schuss, sondern zu hören ist nur ein dumpfer Schlag. Der erfolgt mit einer handlichen Keule aus Holz, einem Mini-Baseballschläger ähnlich. Damit wird der Fisch mit einem kräftigen Hieb auf den Kopf betäubt, dann erfolgt der tödliche Stich ins Herz.

Warum angelt man eigentlich?

Warum angelt man? Die Antworten sind immer gleich: Nähe zur Natur, die totale Ruhe, das stundenlange Warten als entspannender Gegenpol zum hektischen Job. „Ich komme dabei total runter,“ sagt Angler Fabian Gombarek (27) aus Düsseldorf, der regelmäßig mit seinem Vater zur Ruhr bei Essen fährt und dort den Fischen auflauert.

Natürlich gibt es das Anglerlatein, in dem der gefangene Fisch immer größer wird. Apropos größer: Wer seine Rute auswirft, hat auf Größenvorgabe und Schonzeiten zu achten. Man braucht einen Angelschein (gibt es nach Lehrgang und Prüfung), und jeweilige Genehmigungen für die einzelnen Gewässer. Und dort gilt immer: „Ist der erste Fang ein Barsch, ist der Rest des Tages im Arsch.“ Ob sich das nur reimt oder ein Stück Wahrheit enthält, ist unter den Anglern umstritten. Einig sind sie sich allerdings in einer Beschreibung ihrer Leidenschaft: „Angeln ist nicht Fische fangen.“ Damit will man sich von Fischern abheben, die mit Netzen zu Werke gehen.

Dennoch: Klar ist, dass man die schuppigen Tiere so oder so erbeutet. Allerdings auf unterschiedlichen Wegen und mit höchst unterschiedlichen Ruten, Spulen, Schnüren, Schwimmern. Entweder man lauert ihnen mit leckerem Köder auf und hofft, dass sie zuschnappen, wenn sie vorbeikommen. Oder man lockt sie an und präsentiert ihnen vermeintliche Leckereien, die in Wahrheit eine Todesfalle für den Fisch sind.

Das geht nicht immer und überall. Zu beachten ist Wetter und Licht, Sonne und Schatten, Platz und Tageszeit, der mögliche Appetit der Fische und die Jahreszeit – alles Umstände, die den Erfolg beeinflussen. Denn Fische hören, riechen und sehen ihre Umgebung. Und sie haben ein Sinnesorgan, das besonders empfindlich reagiert: Sie spüren ungewöhnliche Bewegung im Wasser. Die kann sie, wie gewünscht, anlocken – aber auch abschrecken.

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