Fünf Jahre Sanierung Neuer Glanz für den Beuys-Turm

1959 war die Großplastik von Joseph Beuys eingeweiht worden, jetzt wurde das Ensemble im Alten Kirchturm nach fünfjähriger Sanierung wiedereröffnet. Das Rezept für die Schlämmkreide hatte der Künstler hinterlegt.

 Der Alte Kirchturm: Das Dach wurde neu gedeckt, acht neue Glasfenster installiert, drinnen wurde die Innenwand neu geschlämmt.  ,

Der Alte Kirchturm: Das Dach wurde neu gedeckt, acht neue Glasfenster installiert, drinnen wurde die Innenwand neu geschlämmt. ,

Foto: Georg Salzburg(salz)

„Wunderbar.“ Eva Beuys, Witwe des 1986 verstorbenen Künstlers Joseph Beuys, klang begeistert, als sie den Alten Kirchturm in seiner neuen Pracht sah. Sie hatte in den vergangenen fünf Jahren viel Kontakt mit Architekten, Beuys-Experten und Restauratoren. Ziel von allen war: den jahrhundertealten Kirchturm, der nach einem Brand 1895 restauriert und Ende der 1950er Jahre von Beuys neu gestaltet wurde, im Sinne des Künstlers behutsam zu sanieren. Das passierte in mehreren Arbeitsschritten, die sich hinzogen – auch, weil es immer wieder Diskussionen über die Art der Arbeiten und der Wirkung des Turms gab.

Dieses Mahnmal für die Toten beider Weltkriege ist die größte Arbeit im öffentlichen Raum von Joseph Beuys. „Ich bin schon früher hierhin gepilgert“, gab Kunsthistoriker Guido de Werd, früherer Direktor des Museums Kurhaus Kleve, zu. Als Mitte der 50er Jahre feststand, dass der Turm, dessen Kirchenschiff 1891 beim Feuer zerstört worden war, saniert werden soll, beauftragte die Gemeinde Büderich vier Künstler, Entwürfe zu zeichnen: Ewald Mataré, Ivo Beucker, Wilhelm Hanebal und eben Joseph Beuys. Beuys war damals noch ein unbekannter Künstler, der sich dann später auch im Gemeinderat vorstellte. Die Politiker staunten schon damals über sein Outfit mit langem Mantel und Hut, gaben ihm aber letztlich den Zuschlag. Beuys arbeitete sich akribisch in das Thema ein, holte aus der Eifel ein ganz bestimmtes Eichenholz, gestaltete die Tür und das Auferstehungssymbol und ließ die Innenwände in einem speziellen Weiß-Ton aus einer bestimmten Schlämmkreide streichen. 1959 wurde das Ehrenmal dann eingeweiht – am 9. November, dem 20. Jahrestag der Reichskristallnacht. Guido de Werd: „Er hatte sich dieses Datum selbst gewünscht.“ In den folgenden Jahren litten vor allem die Innenwände immer mehr unter Staub und Dreck. Aber erst 2013 entschied sich die Kommune zu einer grundlegenden Sanierung des Turms. Das Auferstehungssymbol wurde abmontiert, war zunächst Teil einer Ausstellung im Kurhaus Kleve und wurde dann in den Restaurierungswerkstätten des Landschaftsverbands Rheinland überholt. Architekt Stephan Strauß, Spezialist für Bauen im Bestand vor allem in historischen Bauwerken, übernahm mit einem Experten-Team die Sanierung des Turms: acht neue mattierte Glasfenster, die die alten aus Makrolan ersetzten, ein neues Dach und ein neuer Anstrich der Innenwände. Und genau hier gab es viel Gesprächsbedarf. In welchem Ton sollte geschlämmt werden? Beuys hatte die Rezeptur für seine Schlämmkreide, bestehend aus Sumpfkalk und Rheinsand, und die Farbe hinterlegt, daran hielten sich die Sanierer dann und fanden eine Farblösung in Abstimmung mit Familie Beuys.

Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage erinnerte an die wechselhafte Geschichte des Kirchturms, der fast 700 Jahre den Standort der Büdericher Kirche markierte. Durch die Arbeit von Beuys sei er zu einem Symbol der Erinnerung und Mahnung geworden. Das künstlerische Ensemblebesteht aus drei Elementen: Der Künstler hatte in das grobe Eichentor Namen von 222 Büdericher Kriegstoten kerben lassen, das drei Meter hohe Auferstehungssymbol entworfen und den Turmschacht als drittes Element für das Ensemble angesehen. Guido de Werd beschied dem Büdericher Mahnmal, das beeindruckendste Ehrenmal des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu sein.

 Bei der Wiedereröffnung: Architekt Stephan Strauß, Bürgermeisterin Angelika Mielke-Wersterlage,Eva Beuys und der Beuys-Experte Guido de Werd (v.l.)

Bei der Wiedereröffnung: Architekt Stephan Strauß, Bürgermeisterin Angelika Mielke-Wersterlage,Eva Beuys und der Beuys-Experte Guido de Werd (v.l.)

Foto: Georg Salzburg(salz)
 Aus dem Jahr 1920 stammt diese Aufnahme, die das damalige Kriegerehrenmal, das an der Mauritiuskirche stand, zeigt.

Aus dem Jahr 1920 stammt diese Aufnahme, die das damalige Kriegerehrenmal, das an der Mauritiuskirche stand, zeigt.

Foto: RP/Stadtarchiv Meerbusch
 Beuys-Mahnmal saniert

Beuys-Mahnmal saniert

Foto: RP/Anke Kronemeyer
 Drei Meter hoch ist das Auferstehungssymbol im Innenraum.

Drei Meter hoch ist das Auferstehungssymbol im Innenraum.

Foto: RP/Anke Kronemeyer

Eva Beuys konzidierte der Politik in den 50er Jahren, dass sie eine mutige Entscheidung getroffen hätten, indem sie Joseph Beuys mit der Gestaltung beauftragten. Sie ist sich sicher, dass seine spätere Arbeiten in diesem Mahnmal ihren Anfang genommen haben.

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