Konzert für junge Zuhörer: Die Geschichte einer Freundschaft

Konzert für junge Zuhörer : Die Geschichte einer Freundschaft

Die 16-jährige Angelina aus St. Petersburg ist morgen bei einem Konzert für junge Zuhörer als Geigen-Solistin zu hören. Gleichzeitig besucht sie ihre Freundin Ekaterina Porizko.

Als sie sich zum ersten Mal begegneten, war Angelina Saifutdinova drei Jahre jung, spielte Klavier und begeisterte Ekaterina Porizko. „Ich wusste sofort, das ist ein großes Talent, ein von Gott geküsstes Kind“, erinnert sich die Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Büderich.

Sie war bei der ersten Begegnung in Sankt Petersburg 15 Jahre alt und beste Studentin der Musikhochschule Modest Musorgskij. Angelina, die im sechsten Lebensjahr auf Geige umstieg, wurde von ihr unterrichtet: „Sie war meine erste Schülerin und ich ihre erste Lehrerin.“ Schnell wurde daraus eine besonders freundschaftliche Verbindung: „Ich habe immer versucht, sie zu schützen. Sie ist für mich Freundin und Tochter zugleich.“

Dieses Gefühl ist bis heute so geblieben und wird jetzt in Büderich aufgefrischt. Denn Angelina, inzwischen 16 Jahre alt, ist mit ihrer Mutter Olga aus Sankt Petersburg gekommen. „Wir sehen uns etwa einmal im Jahr, halten sonst den Kontakt über Kurznachrichten“, erzählt Ekaterina Porizko. Sie war es auch, die das aktuelle Wiedersehen in die Wege leitete: „Es war mein Traum, ein gemeinsames Mendelssohn-Konzert zu spielen, und ich habe alles getan, um diese Vision wahr werden zu lassen. Jetzt hat irgendwie alles gepasst.“ Damit spricht die Kantorin den Grund für Angelinas Besuch in Büderich und das Konzert „Musik für Kinder, Kinder für Musik“ in der Bethlehemkirche an.

Mit Unterstützung der Gemeinde, Sponsoring und privaten Spenden war es möglich, auch das Symphonische Orchester Camerata zu verpflichten. Ihm gehören Studierende der Kölner und Düsseldorfer Musikhochschule an. „Es sind die besten Studierenden, ich kenne viele persönlich“, erklärt Ekaterina Porizko. Sie hält es für sehr wichtig, Kinder durch Jugendliche für die Musik zu begeistern: „Sie sehen und hören ganz junge, noch brennende und funkelnde Musiker auf Top-Niveau und sagen sich, das kann ich auch, wenn ich übe.“ Und Sigrid Müller-Emsters von der evangelischen Gemeinde meint: „Ein von der älteren Generation gespieltes Konzert kann eine Hemmschwelle sein, schafft oft Distanz.“ Deshalb ist am Samstag die 16-jährige Angelina gefordert, Kinder für klassische Musik zu begeistern. Für sie sind Auftritte vor großem Publikum nichts Neues. Als Studentin am Konservatorium in Sankt Petersburg und als Preisträgerin internationaler Wettbewerbe ist sie auch in der Sankt Petersburger Philharmonie und am Mariinsky-Theater, im Moskauer Konservatorium - „musikalischer Olymp“ - in Belgien, Deutschland, Estland und Frankreich aufgetreten.

Ohne Fleiß sind diese Erfolge aber nicht zu erzielen. „Ich übe jeden Tag sechs Stunden - neben den anderen Fächern wie Harmonielehre, Klavier und auch Mathematik, Sprachen oder ähnliches. Am Wochenende spiele ich den ganzen Tag Geige“, berichtet Angelina. Kino-Besuche mit dem Vater sind sehr selten, und Freundinnen hat sie nicht: „Meine Eltern und Ekaterina sind meine Freunde.“ Aber das Üben wurde ihr noch nie zu viel. Sie weiß, „die Konkurrenz am Konservatorium ist sehr groß.“ Trotzdem spielt jetzt auch die WM eine Rolle: „Ich liebe Fußball. In Petersburg sind viele Menschen aus der ganzen Welt. Unsere Mannschaft spielt gut, aber ich glaube, die Brasilianer sind besser.“ In Büderich wohnt sie bei Freundin Ekaterina, fliegt mit ihrer Mutter am Montag nach Berlin, um die 24-jährige Schwester, eine Architektin, zu besuchen. Ekaterina Porizko aber, deren vielseitiges Engagement von der Büdericher Kirchengemeinde hochgeschätzt wird, versucht, das von ihr dirigierte und moderierte 45-minütige Konzert für Kinder per Internet live durch die Welt zu schicken: „Beim letzten Mal hatte ich ganz viele Follower.“

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