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Meerbusch: Die Geschichte der Plätzchen auf Platt

Meerbusch : Die Geschichte der Plätzchen auf Platt

Zu Weihnachten gibt es jedes Jahr viele selbst gebackene Plätzchen: Spritzgebäck, Spekulatius, Zimtsterne oder Vanillekipferl. Zwei Freunde des Lanker Heimatkreises erzählen die Geschichte zu diesem Brauch.

Ein sonniger Tag im Dezember, etwas eisig der Wind und der Geschäftsführer des Lanker Heimatkreises, Franz-Josef Jürgens, fährt mit dem Rad die Langster Straße entlang. Bei seiner Tour zum Rhein kommt er am Haus von seinem Heimatfreund Johannes Toups vorbei, der in seinem Garten werkelt. "Koom e ren! Ech well dech jätt von Weihnachte vertälle", sagt Toups. Und zwar eine fromme Legende, die ihm sein alter Herr immer erzählte — natürlich in der rheinischen Mundart. "Dat alde Backes von die Schööper" heißt sie. Es geht um ein altes Hirten-Backhaus und die Tradition, warum vor allem zu Weihnachten Plätzchen selbst gebacken werden.

Die beiden Freunde machen es sich im Wohnzimmer von Toups gemütlich. Unter dem Christbaum steht eine Holzkrippe — mit "Schööp, Oos und Ääsel" — und auf dem Tisch eine Schüssel selbst gebackener Plätzchen. Die Wärme der brennenden Kerzen auf der Weihnachtspyramide bringt die Flugräder in Bewegung.

"Eja", beginnt Toups die Geschichte. Eine gute Fußstunde von Bethlehem entfernt war in einer sonst sandigen Gegend ein Fleckchen fruchtbares Weideland. "Dohin hadden die Schööper de Schööp jedreeve." Damit die Tiere dort grasen konnten. Die Schäfer bauten sich Hütten und ein Backhaus — als Nebengeschäft und zur Selbstversorgung. Auch die Familien aus der Gegend durften den Ofen nutzen. "Allerhand Sorte Brootdeesch wooten jebreiht on dann avvjebacke." Für den Brotteig verwendete man die unterschiedlichsten Zutaten und Gewürze.

An einem Tag — da hatten die Hirten den Ofen bereits so richtig auf Backtemperatur gebracht — da kam "enne Engel möt völl Jetöös", sagt Toups, dabei hebt er die Arme, um das Spektakel zu betonen. In Bethlehem sei in einem Stall das Christkind geboren, verkündete der Engel. "De Schööper souten noch schnell e paar Jeschenke". Und machten sich auf den Weg. Einige hatten sich kleine Schäfchen unter die Arme gepackt — als Geschenk für das Neugeborene. Sie fanden das "Chresskenke en enne Fuhrback", eingemummelt in Stroh lag es in der Futterkrippe und wurde von den Hirten verehrt, als wäre es ein König. Lange standen sie so um das Christkind herum.

Auf dem Rückweg zu ihren Schafen "koom dänne dat Broot en deer Senn." Sie befürchteten, es sei verbrannt und daher nicht mehr essbar. Um das Backhaus herum stand eine große Menschenmenge. Die Geburt des Christuskindes hatte sich rumgesprochen, aus Neugier waren viele gekommen. Die Hirten sollten von ihrem Besuch in Bethlehem berichten. Doch schauten sie erst mal nach dem Brot. "Wie se de Oove oope meeke, koom dänne enne läckere, söötlische Doft entjääjen." So was herrliches hatten die Schäfer noch nie gerochen. Das Brot wurde in kleine Stücke gebrochen und zum Probieren verteilt. Hierbei erzählten die Hirten von ihrem Erlebnis in Bethlehem. "Von de Uhrebleck ahn seihten se vörr die kleene Brootstöckskes ,Plätzkes'." Nach und nach wurden die Zutaten für den Brotteig variiert, die Stücke unterschiedlich geformt: So entstanden Spritzgebäck, Spekulatius, Zimtsterne oder Vanillekipferl.

Es waren die Aufregung und die Achtlosigkeit durch die verkündete Geburt Christi, die es zum Brauch machten, immer zu Weihnachten Plätzchen selbst zu backen. "Dat ess hüt noch so wie vörr jout 2000 Johr." Damals wie heute, beendet Toups die Geschichte. Die Schüssel mit dem Weihnachtsgebäck ist deutlich leerer geworden. "Eine schöne Legende", sagt Jürgens. Doch nun müsse er auch wieder los. Die beiden Freunde verabschieden sich und wünschen sich fröhliche Feiertage. Jürgens steigt auf sein Rad — nun geht es in Richtung Latum. Denn die Zeit ist fortgeschritten, es dämmert und der rötliche Abendhimmel gleicht der Glut in einem alten Steinbackofen. So als wäre das "Chresskenke amBacke".

(RP)