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Meerbusch: Die Geheimnisse des Schularchivs

Meerbusch : Die Geheimnisse des Schularchivs

Jörg Winterwerb, Schulleiter des Mataré-Gymnasiums, gibt Einblick ins Schularchiv. Im Keller ruhen nicht nur die Abiturklausuren von mehr als zehn Jahren, sondern auch Zeugniskopien. Hier lagert ein Stück Schulgeschichte

Auf den Fluren des Mataré-Gymnasiums herrscht reger Betrieb. Schüler marschieren von ihren Klassenräumen auf den Schulhof um ihre Pause zu genießen. Doch wer die Treppe ins Kellergeschoss nimmt, der hat es etwas ruhiger und drei schwere, blaue Türen später, steht man von Stille umgeben an einem wichtigen, wenn auch selten besuchten Ort der Schule: das Archiv.

Mit diesem Plakat verbietet die Schule den Zutritt zum Raum. Die Area 51 ist ein militärisches Sperrgebiet im US-Bundesstaat Nevada, auf dem angeblich an Außerirdischen geforscht wird. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

In beigefarbene Papiereinbände gehüllt und in Stapeln aufgetürmt, lagern hier die Abiturklausuren. "Es gibt eine Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren, aber wir haben sogar noch Klausuren von 1994 hier", sagt Schulleiter Jörg Winterwerb bei einem Blick auf die ältesten Exemplare. Sortiert sind die fleißig beschrifteten Klausurbögen nach Jahrgängen. Hin und wieder kommt die Sekretärin hierher, um das Archiv wieder aufzuräumen.

Einmal im Jahr werden dann die zu alten Unterlagen vernichtet. "Nach zehn Jahren kommen die Klausuren entweder in den Schredderer oder werden vom Schreiber abgeholt. Letzteres kommt aber sehr selten vor", sagt Winterwerb, der seit 1997 Schulleiter des Mataré-Gymnasiums ist. Manchmal kämen vermehrte Anfragen nach einem Klassentreffen. "Dann ist dabei die Idee aufgekommen, sich alte Klausuren noch mal anzuschauen." Wenn die Frist verstreicht, kommt ein Container eines Abfallunternehmens, dass die Stadt beauftragt. "Dabei werden die Klausuren vernichtet. Die Geheimhaltung der Daten besteht, bis die Klausuren nur noch kleine Schnipsel sind."

Während die alten Klausuren, die die Zehn-Jahres-Frist überschritten haben, vernichtet werden, kommen neue Abiturklausuren nach. Aber nicht, wie man vielleicht glauben mag, die aus diesem Jahr. Denn nach dem Schreiben und Korrigieren kommen sie erst mal zum Schulleiter. "Wenn Schüler ihre Note gar nicht nachvollziehen können, dann ist es möglich, mit dem Beratungslehrer zusammen noch mal reinzuschauen", erklärt Winterwerb, warum die Klausuren griffbereit sein müssen. Die erste Zeit besteht zudem ein Einspruchsrecht gegen die Benotung. Erst nach einem Jahr kommt die Klausur daher ins Archiv, also sind bald die Abiturklausuren von 2012 an der Reihe.

Die Regale voller Abiturklausuren zeugen auch von der Entwicklung des Bildungssystems. "Früher musste man noch Besinnungsaufsätze schreiben. Inzwischen sind die Abiaufgaben in den meisten Fächer analytisch angelegt", sagt Winterwerb. Auch das Zentralabitur hat eine Veränderung mit sich gebracht. "Früher konnten die Vorlieben der Schüler und Lehrer stärker berücksichtigt werden. Der Bezug zum Unterrichtsstoff war oft noch stärker. Beim Zentralabitur halten sich die Lehrer meist sehr stark an die Vorgaben, auch wenn sie etwas mehr Spielraum hätten", sagt der Schulleiter, der gar nicht mehr zählen kann, wie viel Abiklausuren er schon zur Korrektur vor sich liegen hatte.

Im Keller des Städtischen Mataré-Gymnasiums lagern aber noch mehr spannende Dinge: "Wir müssen Zeugniskopien aller Schüler für 30 bis 35 Jahre aufbewahren", sagt der Schulleiter und zeigt auf eine lange Reihe von Ordnern, die auf der anderen Seite des Archivs stehen. Hierbei melden sich des Öfteren Ehemalige, die ihr Zeugnis noch mal brauchen, da es verloren gegangen ist. "Es kommen auch einige, die ihre Schulzeiten für den Rentenanspruch nachweisen müssen", erklärt Winterwerb.

(RP)