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Meerbusch: Die Alten kommen

Meerbusch : Die Alten kommen

Die demografische Entwicklung wird Meerbusch bis 2030 tiefgreifend verändern. Die Zahl der über 80-Jährigen soll um 60 Prozent zunehmen. Ein Experte gibt einen alarmierenden Ausblick – und rät zu eisernem Sparen.

Wie wird Meerbusch in 20 bis 30 Jahren aussehen? Eine Frage, auf die Christoph Gusovius, Vizepräsident der Gemeindeprüfungsanstalt NRW, im Planungsausschuss einige alarmierende Antworten gab – verknüpft mit unbequemen Ratschlägen.

Meerbusch ist eine widersprüchliche Stadt: Bevorzugte Wohngegend der Wirtschaftselite, aber trotzdem mit hohen Schulden. Viele wohlhabende Paare mit Platz für den Nachwuchs sind da, aber die Zahl der Kinder geht zurück. Und die Senioren werden immer mehr.

Gusovius sagt nach Auswertung diverser Daten des Statistischen Landesamts und der Bertelsmann-Stiftung voraus, dass die Zahl der über 80-jährigen Meerbuscher bis 2030 um 60 Prozent steigen wird (zurzeit sind etwa 3120 Meerbuscher älter als 80). Im Klartext: "Ihnen brechen die jungen Jahrgänge weg. Und die älteren Jahrgänge werden explodieren."

Noch werde die Entwicklung durch den Zuzug junger Familien mit Kindern aus dem Ballungsraum Düsseldorf gemildert. Davon sollte sich die Politik aber nicht in Sicherheit wiegen lassen. Gusovius: "In den nächsten Jahren wird sich das deutlich ändern." Denn inzwischen sei Meerbusch für Familien mit Kindern, die Haus oder eine große Wohnung suchen, schon (im Vergleich mit anderen ländlichen Gegenden) relativ teuer. Zudem gebe es in der Stadt nicht mehr viele Flächen für den Wohnungsbau.

Attraktiv sei Meerbusch vor allem für "Dinkys" (siehe Kasten): Doppelverdiener Ende Dreißig aus der oberen Mittelschicht – ohne Kinder. "Die Zahl der schulpflichtigen Kinder wird zurückgehen. Da müssen Sie sich etwas überlegen", gab Gusovius der Politik auf den Weg – Die diskutiert gerade über die Zukunft mehrerer Schulen.

Ratschläge hat der Experte vor allem zum Haushalt: "Ihre Stadt ist finanziell ziemlich gut aufgestellt. Seit mehreren Jahren sind Sie allerdings in einer Eigenkapitalverzehrsituation und rechnen erst ab 2015 wieder mit einem ausgeglichenen Haushalt. So etwas macht eine Stadt auf Dauer unbeweglich", mahnt Gusovius und folgert: "Konsolidierung funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen". Gusovius plädiert für "antizyklisches Sparen", also Ausgabenkürzungen in "guten Jahren". Gusovius: "Wenn der konjunkturelle Einbruch kommt, werden Sie es nämlich nicht können".

Eine Reduzierung der gesamten freiwilligen Ausgaben um einen Betrag X ("Rasenmähermethode") ist für ihn kein Tabu. Das sei schließlich erfolgversprechender als Versuche von Politik und Verwaltung, in langen Diskussionen größere Sparpotenziale im Haushalt zu finden – und anschließend auch tatsächlich zu realisieren. "Politiker sind aber von ihrem Selbstverständnis her nicht dafür da, um zu sparen, sondern, um Gutes zu tun", sagte Gusovius – und fuhr an den Ausschuss gewandt fort: "Sie tun Gutes, wenn Sie nicht mehr ausgeben als Sie einnehmen."

(RP)