Meerbusch : Der Rolli-Zwist

Brigitte Zellmer verlangt von Politik und Verwaltung mehr Einsatz für eine barrierefreie Stadt. Die Langst-Kiersterin bezeichnet darüber hinaus die Wahl des Behindertenbeauftragten Dr. Lothar Chaillié als Feigenblatt.

Brigitte Zellmer mangelt es weder an Selbstbewusstsein noch an Durchsetzungsvermögen. Die gehbehinderte Frau aus Langst-Kierst hat enormen Sachverstand in Behinderten-Fragen. Viele Jahre hat sie als selbstständige Reiseveranstalterin speziell für gehandicapte Menschen Erfahrungen rund um den Globus gesammelt. Dass ihre Hinweise Substanz haben, zeigen mehrere "sehr schnelle" Reaktionen der Stadt Düsseldorf. So wurde die neue Rampe für Rollstuhlfahrer an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20) umgestaltet, und den Mitarbeitern des Ständehauses (K21) auf ihre Drängen hin deutlich untersagt, die Behindertenparkplätze zu blockieren.

"Ich habe auch regelmäßig mit den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung zu tun", erklärt Zellmer. Nur in Meerbusch falle ihr Engagement offenbar auf keinen fruchtbaren Boden. Taube Ohren seien auch eine Art der Behinderung, sagt sie. "Ich habe die Absicht, jetzt richtig Wind zu machen. Das war erst der Anfang", kommentiert sie ihren Brief an Dr. Lothar Chaillié, den offiziellen Behindertenbeauftragten der Stadt Meerbusch. "Wenn die Politik glaubt, sich nach der Ernennung des Mediziners hinter einem solchen Feigenblatt verstecken zu können, dann irrt sie", urteilt Zellmer. Sie beklagt öffentlich, dass weder CDU, SPD, FDP noch Grüne auf ihr Schreiben mit ganz konkreten Hinweisen aus dem Januar geantwortet haben, und andererseits, dass Dr. Chaillié nach einer Einarbeitungszeit von rund 200 Tagen noch nichts bewirkt habe. Im Gegenteil: "Ich habe den Eindruck, dass Ihnen Behindertenarbeit und Behindertenpolitik ziemlich fremd sind", schreibt Zellmer an den auf den Rollstuhl angewiesenen Arzt.

Die Liste mit Mängeln und Verbesserungsvorschlägen der Langst-Kiersterin ist lang und reicht von "fehlenden öffentlichen und behindertengerechten Toiletten" bis hin zu zugeparkten oder fehlenden Behindertenparkplätzen, mangelnden Hinweisen auf der städtischen Homepage über barrierefreie Hotels und Verwaltungsgebäude. Und warum die Ausschreibung für einen Behindertenfahrdienst mehr als ein Jahr dauere, dafür fehle ihr ebenfalls das Verständnis.

Dr. Chaillié will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Er habe von Beginn an keinen Hehl daraus gemacht, das er nach seiner Wahl zum Meerbuscher Behindertenbeauftragten Neuland betrete. In seiner Tätigkeit lebe er natürlich auch davon, dass er Unterstützung aus der Zielgruppe bekomme. "Frau Zellmer hat jedoch in einem Gespräch in meiner Sprechstunde deutlich gemacht, dass sie sich ein Engagement nur gegen Bezahlung vorstellen kann", sagt Chaillié.

Sachverstand habe seinen Preis, meint Zellmer. Für Experten in Planungs- und Stadtentwicklungsfragen gebe die Kommune zum Beispiel nicht unerhebliche Summen aus.

(RP)