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Der Meerbuscher Stefan Grzesik unterstützt Benachteiligte

Unterstützung für Benachteiligte : Stefan Grzesik kennt keine Niederlagen

Als 13-Jähriger hatte Stefan Grzesik einen schweren Unfall. An den Folgen leidet er noch immer. Dennoch hat er studiert und sich selbstständig gemacht. Der Wahl-Büdericher möchte anderen Betroffenen Mut machen und sie unterstützen.

An seiner Einstellung hat sich nichts geändert. Bereits im Frühjahr 2017 betonte Stefan Grzesik im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich möchte anderen Behinderten mögliche Wege aufzeigen und sie ermutigen, in die Arbeitswelt zu gehen.“ Und dabei geht der 36-Jährige mit gutem Beispiel voran: Nach einem Studium Internationales Management mit dem Schwerpunkt Personal-Psychologie ist er einerseits mit seiner Firma SG-International/Partner für Personaldienstleistungen in Unternehmen unterwegs, die beispielsweise zu Spitzenzeiten in Bereichen wie Vertrieb, Verwaltung oder Personalmanagement seine Kompetenzen brauchen, und andererseits vermittelt er Schwerbehinderte und auch Flüchtlinge für handwerkliche Aufgaben.

„Learning by Doing“ ist das Motto des Mannes, der als 13-Jähriger bei einem schweren Unfall auf einer Kaarster Landstraße mit komplizierten Hirnverletzungen und Bein-Quetschungen im Koma lag. Die Ärzte gaben Stefan Grzesik keine Chance und sehen es als außergewöhnlich an, dass er sein Leben selbst in die Hand genommen hat: „Ich kenne keine Niederlagen, fange immer wieder von vorne an.“

Trotzdem gibt es bei allen Aktivitäten Einschränkungen: „Ich habe Probleme, Empathie zu zeigen und leide unter Konzentrationsschwäche. Dadurch ist die Leistungskurve schwach.“ Aber das hält den Wahl-Meerbuscher nicht ab, weiter nach vorn zu blicken. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) – für ihn als selbstständiger Schwerbehinderter zuständig – ermöglicht ihm die Teilnahme an einem einwöchigen Intensivkursus, um bei der IHK in Krefeld einen Ausbildungsschein zu machen: „Entsprechende Ausgleichsmöglichkeiten als Unterstützung habe ich vorab mit dem LVR geklärt.“ Mit diesem Schein ist es Stefan Grzesik möglich, benachteiligte Menschen auszubilden und ihnen so eine Chance zu geben, ihr Leben selbst in den Griff zu bekommen. Die Ausbildung findet am Sitz seiner Firma in Kaarst statt.

Grzesik selbst lebt seit zehn Jahren in Meerbusch und schwärmt: „Die Nachbarschaft ist super und egal, wo ich hingehe, alle sind sehr freundlich, haben Verständnis und bieten Unterstützung an.“ Die Besuche in der Gastro-Szene Büderichs nutzt er aber auch, um Kontakte herzustellen. Hier lernt Stefan Grzesik Menschen kennen, die entweder Arbeit für ihn haben oder an handwerklicher Hilfe, beispielsweise durch ausländische Bürger, interessiert sind. Er selbst ist darauf bedacht, „immer Umsatz zu machen, um das Leben zu finanzieren“. Trotzdem weiß er zu schätzen, „in einem derart sozialen Staat zu leben, der entsprechend unter die Arme greift“.

Stefan Grzesik will seine Personalvermittlungs-Firma in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels deutschlandweit stetig ausbauen, „aber ich will langsam wachsen“. Die Philosophie des Mannes, der nach dem Unfall lange im Rollstuhl saß und heute mobil ist, lautet: „Jeder kann alles. Manchmal dauert’s ein bisschen länger.“ Er möchte Menschen mit Behinderung weiter Mut machen, auch wenn es oft über seine Kräfte zugehen scheint: „Das Leben ist nach einem Unfall nicht vorbei – man muss nur selbst etwas daraus machen.“