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Meerbusch: Der "Lungerpunkt" ist fertig

Meerbusch : Der "Lungerpunkt" ist fertig

Russlanddeutsche Jugendliche bauten zusammen mit Erziehern des Abenteuerspielplatzes und des Vereins "Akzeptanz, Vertrauen und Perspektive" einen wettergeschützten Treffpunkt.

In einer Ecke des Abenteuerspielplatzes steht ein von dicken Balken zusammengehaltenes Häuschen. Stabile Holzbänke säumen einen gut befestigten Tisch. Das Ganze wird von vier massiven Pfählen getragen. Der kleine Bau kommt gut an, Jugendliche sitzen am Tisch, spielen Karten und unterhalten sich, während jüngere Geschwister auf der Wiese davor spielen.

Das Besondere: Junge Russlanddeutsche haben den rustikalen Pavillon innerhalb von zwei Monaten selbst gebaut – und dabei auch Spaß an handwerklichen Arbeiten entwickelt.

Alles begann damit, dass einige Jugendliche mit russischen Wurzeln einen Treffpunkt haben wollten. Beim festen Angebot des Vereins Akzeptanz, Vertrauen und Perspektive (AVP) freitags und samstags auf dem Abenteuerspielplatz in Büderich sind sie sowieso dabei. Der im Auftrag der Stadt tätige Verein ist auf die Betreuung junger Einwanderer spezialisiert. Zur Jahreswende wurde die Idee geboren, einen Unterstand mit Sitzmöglichkeit auf dem Areal zu bauen.

Spielplatz-"Allrounder" Georg Vinzens erstellte die Entwürfe. Die Jugendlichen steuerten eigene Ideen bei. Vinzens Ablaufplan sah vor, dass es jeweils in kleinen Etappen vorwärtsging und die Jugendlichen so ein Gefühl für die einzelnen Arbeitsschritte bekommen. Das Material kaufte der Verein, das Werkzeug stellte der Abenteuerspielplatz. "Arbeiten mit Holz sind unsere Stärke", sagt Erzieher Peter Leuchtenberg.

Schließlich wurde wochenlang immer samstags an dem Häuschen gearbeitet, die Heranwachsenden um Andrej Baumung und Eduard Schimpf (beide 17) opferten auch diverse Tage ihrer Osterferien fürs Sägen, Schrauben, Hämmern und Schleifen. AVP-Erzieher Alexander Efimenko begleitete die Arbeiten. Als schwierigster Teil erwies sich das akkurate Verankern der Stützen.

Bei der Konstruktion des ordentlich mit Dachpappe gedeckten Regenschutzes achtete man auf zwei Dinge: dass das Wasser gut abfließen kann und dass ein Ersteigen des Dachs möglichst erschwert wird. "Die Arbeit hat gut geklappt, fast alle, die mitgemacht haben, können sich inzwischen vorstellen, später mal in einem handwerklichen Beruf zu arbeiten", sagt Leuchtenberg. Nach einem Berliner Vorbild heißt die kleine Hütte nun "Lungerpunkt". Als nächster Schritt könnten auswechselbare Platten mit Graffiti angebracht werden.

Die Jugendlichen sind stolz auf ihr Werk und freuen sich über den wetterfesten Treffpunkt: "Hier stören wir niemanden". Sie achten nun darauf, dass das Haus nicht beschädigt wird. Der Pavillon ist nämlich auch zugänglich, wenn der Spielplatz geschlossen ist: "Aber wir passen schon auf", sagt Andrej Baumung.

(RP/rl)