Meerbusch: Der doppelte Spindler

Meerbusch: Der doppelte Spindler

Wolfgang Spindler ist Präsident des Bundesfinanzhofs in München. Bürgermeister Dieter Spindler erzählt über seinen älteren Bruder, der jetzt mit einem großen Festakt in den Ruhestand verabschiedet wird.

Den 31. März hat sich Bürgermeister Dieter Spindler im Terminkalender ganz dick unterstrichen. An diesem Donnerstag lässt er die Amtsgeschäfte im Büdericher Rathaus ruhen und fährt mit seiner Frau Doris nach München, um am großen Festakt im Kaisersaal der Residenz teilzunehmen. Dort wird sein älterer Bruder Wolfgang Spindler mit Erreichen der Altersgrenze als Präsident des Bundesfinanzhofs verabschiedet.

Der Meerbuscher Bürgermeister wird genau hinhören, wenn die Laudatoren ihre Loblieder anstimmen. Denn Dieter Spindler ist unüberhörbar stolz auf seinen Bruder, der viele Jahre lang in Büderich gelebt hat. Im Anschluss an sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Bonn begann die berufliche Karriere Wolfgang Spindlers in Düsseldorf.

Nach der Referendarausbildung am Oberlandesgericht und seinem Eintritt in die nordrhein-westfälische Finanzverwaltung wurde er Anfang 1978 zum Richter am Finanzgericht der Landeshauptstadt berufen. Über die Zwischenstation Bundesverfassungsgericht landete Wolfgang Spindler 1991 als Richter am Bundesfinanzhof, wurde 2000 dessen Vizepräsident und im Juni 2005 dessen Präsident.

Der Bund der Steuerzahler würdigt den Noch-64-Jährigen als einen Mann, der "kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es darum ging, die Rechte der Steuerzahler zu stärken". Das habe in der Politik oft für Unmut gesorgt. Ob bei der Pendlerpauschale für Arbeitnehmer, bei der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers, der Erbschaftssteuer oder den Werbungskosten — nicht selten habe der Bundesfinanzhof in Wolfgang Spindlers Amtszeit den Steuerzahlern "aus dem Herzen gesprochen".

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Meerbuschs Bürgermeister Dieter Spindler betont dabei die Unabhängigkeit seines Bruders, "egal, welche Regierung die Geschäfte führte." Sein Bruder habe ein großes Gerechtigkeitsempfinden, enormen Sachverstand und — überspitzt formuliert — eine empfindliche Nase dafür, wann die Politik durch das Diktat der leeren Staatskassen ihre Steuergesetze maßgeblich habe beeinflussen lassen.

Doch nicht immer akzeptiert die Finanzverwaltung die Entscheidungen des Bundesfinanzhofs als "oberster Gerichtshof des Bundes in Steuer- und Zollsachen" für die Allgemeinheit. Dann kämen nur die Kläger in den Genuss ihrer erfolgreich beendeten Streitsache.

Was seine Arbeit in Meerbusch angehe, habe er seinen Bruder noch nicht um Rat fragen müssen, berichtet Bürgermeister Dieter Spindler. Allerdings habe er schon angeregte Diskussionen mit ihm und seinen Fachleuten darüber geführt, ob die Gewerbesteuer als wesentliche Einnahmequelle der Kommunen abgeschafft und durch eine verlässlichere Größe ersetzt werden sollte.

(RP)
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