Der Barbier aus Büderich

Selbstversuch: Haare schneiden, Bart stutzen: „Männerfrisuren sind Feinarbeit“

Barbier André Vieten schneidet in Büderich Haare und stutzt Bärte. Dabei greift er auch zum Messer. Ein Selbstversuch eines Vollbärtigen.

Der Rasierapparat surrt, André Vieten fährt mit dem Gerät über meinen Hinterkopf, von unten nach oben, einige Male. Dabei sagt der Friseurmeister: „Männerfrisuren sind Feinarbeit.“ Er schneidet mir heute nicht nur die Haare, sondern bringt auch meinen Bart in Form. Darauf ist er spezialisiert, denn das hier ist kein normaler Friseursalon, sondern ein Barbershop – mitten in Büderich. 2013 hat Vieten „Bangs & Friends“ mit seiner Kollegin Guki Taskiran am Laacher Weg eröffnet.

Damit liegen die beiden im Trend: Zuletzt sind immer mehr Barbershops in Deutschland aufgetaucht und werden immer beliebter. Der Unterschied: Der Barbier ist hauptsächlich auf Männerbehaarung spezialisiert, das steckt schon im Wort, es kommt aus dem Lateinischen barba, auf Deutsch: Bart.

Dass dies kein „normaler“ Friseursalon ist, wird direkt beim Betreten deutlich. Viele Schwarzweiß-Bilder, die wie aus einer anderen Zeit wirken, hängen an der Wand, zeigen tätowierte Männer oder alte Friseursalons. Auf dem Sideboard  steht die Miniatur einer alten Zapfsäule mit Aufschrift „Route 66“. Im Hintergrund läuft HipHop-Musik.

Vieten möchte, dass man sich hier fühlt wie in einem Wohnzimmer. Er hat Stunden auf Trödelmärkten verbracht, um Möbel und Deko für seinen Laden zu finden. Die Kommode, die als Ablage für Kosmetikartikel genutzt wird, ist ebenfalls ein Flohmarktfund.

Die meisten Kunden bei „Bangs&Friends“ sind vollbärtig und zwischen 20 und 40 Jahre alt. Aber auch Frauen und Kinder kommen vorbei. Für Kinder gibt es im Sommer ein Eis, für die älteren Herrschaften nicht nur Wasser und Kaffee, sondern auch Bier.

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Während des Schneidens wechselt André Vieten mehrmals den Aufsatz des Trimmers, dadurch kann er die Schattierungen besser ausarbeiten, erklärt er. „Der Kopf ist nicht überall gleich hoch, deshalb muss man viele unterschiedliche Aufsätze verwenden.“

 Als Barbier muss er genauso gut mit dem Messer umgehen können. Das nutzt Vieten für den Feinschliff bei der Rasur, geschickt zieht er die Rasierklinge über die Wange. „Das lernt man während der Friseur-Lehre in Deutschland nicht mehr“, so der 36-Jährige. Aus diesem Grund könne das auch nicht jeder Kollege. Während das Handwerk aus deutschen Friseurläden verschwand, wurde es in türkischen Salons weitergeführt. Von südländischen Freunden, die von ihm die Haare geschnitten haben wollten, hat auch Vieten es langsam gelernt.Anfang des Jahrzehnts wurde diese Art zu Schneiden in den Niederlanden durch den Barbershop „Schorem“ wieder bekannter. Vieten war in Rotterdam, bevor er den Shop in Büderich eröffnet hat.

Der selbstständige Barbier wäscht mir mittlerweile die Haare, um das Haupthaar mit der Schere zu kürzen. Das Wasser hat eine angenehme Temperatur, das Shampoo riecht nach Pfefferminz. Danach geht es zurück auf den Stuhl. Zum Schluss kommt noch Pomade ins Haar. Fertig. Vieten gibt einen Tipp: „Das Tolle an Pomade ist, dass die Haare auch im Sommer nach dem Schwimmen noch sitzen. Denn die ist ja fetthaltig und somit sitzt alles wieder, sobald die Haare trocken sind.“

Dann geht es zur Kasse. 28 Euro für Haare und Bart schneiden. Beim Türken um die Ecke zahlt man acht Euro, bei manchen Barbieren in Düsseldorf zwischen 60 und 70 Euro, so Vieten. Ich bin zufrieden. Frisur und Bart sitzen wieder. Heute warten auf die drei Barbiere noch bis zu 38 weitere Bärte darauf, gestutzt zu werden.

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