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Denkmal-Streit um eine Meerbuscher Villa

Tag des offenen Denkmals : Villa Jansen – Denkmal oder Abriss?

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag konnte die Villa Jansen an der Claudiusstraße in Lank besichtigt werden. Ein Investor will dort Neubauwohnungen errichten und klagt gegen das Denkmalgutachten.

Seit 1998 macht sich der Heimatkreis am Tag des offenen Denkmals für das Anliegen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stark, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren. 2019 lautet das Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Dass Umbrüche und die Moderne nicht immer willkommen sind, zeigt sich am Beispiel der Lank-Latumer Villa Jansen, zu deren Besichtigung der Heimatkreis am Sonntag eingeladen hatte.

Die Villa war 1919 im Auftrag der Westdeutschen Celluloidwerke erbaut worden und war bis 2018 bewohnt. Investor Carsten Beine kaufte dann Villa und 3500 Quadratmeter großes Grundstück für 1,5 Millionen Euro, plant dort Neubauwohnungen. Erst nach Darlegung der Bebauungspläne wurde die Villa Jansen auf Basis eines Gutachtens des Landschaftsverbandes Rheinland zu einem Denkmal erklärt. Damit waren die Abriss- und Neubaupläne des Investors erst einmal vom Tisch. Jetzt klagt er gegen das Denkmalgutachten. Heimatkreis-Vorsitzender Franz-Josef Jürgens hat in Absprache mit dem Investor erreicht, dass die Villa an der Claudiusstraße am Denkmaltag besichtigt werden kann. Michael Sievers, Investor-Beauftragter: „Ausschließlich unter Aufrechterhaltung unserer Rechtsauffassung, dass es sich bei dem Objekt nicht um ein Baudenkmal handelt.“

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Wie hoch das Interesse an dem Gebäude und an der neu geschriebenen Geschichte ist, zeigen gut 100 Teilnehmer an der ersten der zwei Führungen mit Waldemar Moritz, dem Architekten des neuen Grundstückseigentümers. Unter den Besuchern waren Anwohner, Heimatkreis-Mitglieder und Interessierte aus Nierst. „Ich fühle mich von Kultur und Architektur angesprochen und hoffe, dass für dieses Objekt ein passendes Konzept gefunden wird“, sagt Architektin Andrea Timmermanns, die sich mit ihrer Mutter Erika in der Villa umsah. Sie und alle anderen Besucher waren von Jürgens vorbereitet worden, dass das teils von Schimmel befallene Innere des Hauses „enttäuschend“ ist. Architekt Moritz: „Sie werden sich wahrscheinlich fragen, was daran Denkmal ist.“ Zu den schutzwürdigen „historischen Ausstattungselementen“ gehören unter anderem Wandfliesen, Türrahmen und -blätter, Stuckierungen, Parkett im Fischgrätmuster, Heizungsverkleidungen sowie Wasserpumpe und Waschzuber im Keller. Der größte Teil der Besucher war der Meinung, dass das Ganze nicht erhaltenswert sei, „da kommt nur ein Abriss infrage“.  Medizinerin Helena Stell, die in der Nachbarschaft wohnt,  bedauert vor allem, dass alte Bäume gefällt werden. „Meerbusch braucht eine Baumschutzsatzung.“ Wie sie wünscht sich auch Nachbar Hans-Joachim Langner eine Einigung: „Wir haben nichts gegen den Neubau, möchten aber mehr Natur schützen und nicht gegen Steinmauern sehen.“

Auch das Verhalten des Heimatkreises gegenüber dem Investor stand in der Kritik. Es war von einem Schildbürgerstreich die Rede und von einem Skandal. Vorteilhaft wird beurteilt, dass die Beteiligten miteinander im Gespräch sind. „Wir suchen einen Kompromiss, der möglichst beiden Seiten gerecht wird“, so Franz-Josef Jürgens.