Meerbusch: Denkmäler zu verkaufen

Meerbusch : Denkmäler zu verkaufen

Drei Meerbuscher Denkmäler stehen für insgesamt 4,4 Millionen Euro zum Verkauf: eine Industriellenvilla von 1914 in Meererbusch, die Alte Weinschenke am Lank-Latumer Marktplatz und das Büdericher Zollhaus.

Denkmäler sind in der 41 Jahre jungen Stadt Meerbusch ein großes Thema: Etwa 130 historische Gebäude sind unter Schutz gestellt (erkennbar an der NRW-Plakette an der Fassade). Drei davon stehen zurzeit zum Verkauf — ein Millionen-Geschäft.

Das alte Zollhaus in Büderich nach dem Umbau. Foto: Ulli Dackweiler

Forsthausweg Ein Hauch von Villa Hügel: Der herrschaftliche Salon mit seiner dunklen Holzvertäfelung erzählt von rheinischer Industriegeschichte. Der Raum wirkt, als ob er nur auf darauf wartet, dass sich gewichtige Wirtschaftskapitäne der Fünfziger Jahre zu einer Konferenz an den schweren Holztisch setzen und Zigarrenrauch in Richtung der mit Stuck verzierten hohen Decke blasen.

Anschließend könnten die Herren übers Parkett zur Terrasse schreiten und dort mit Parkblick einen Cognac zu sich nehmen. Der Salon ist zentraler Raum einer denkmalgeschützten Industriellenvilla in Alt-Meererbusch aus dem Jahr 1914, die für 2,79 Millionen Euro zum Verkauf steht. Im Gegensatz zu den meisten, häufig umgebauten Immobilien im noblen Villenvorort hat sich in dem Objekt noch einiges vom Ursprungs-Zustand erhalten.

Daher auch der Denkmalschutz. Das Haus und sein Nebengebäude mit 950 Quadratmeter Wohnfläche stehen auf einem mehr als 4000 Quadratmeter großen Grundstück. Im Untergeschoss befindet sich neben der Wohnung fürs Personal eine Schwimmhalle — beides Standard in Meererbusch.

Lanker Marktplatz Die geschichts-trächtige "Alte Weinschenke van Dawen" steht (samt 1321 Quadratmeter-Grundstück) für 890 000 Euro zum Verkauf. Makler Michael Fohrer bestätigt auf RP-Anfrage, dass es bereits einen "ernsthaften Interessenten" für das zweigeschossige Haus von 1850 gebe, der auch den Vertrag des Restaurant-Pächters verlängern wolle. Auf dem rückwärtigen Grundstück könnte ein neues Gebäude entstehen — ein solcher Bau müsste sich mit dem Denkmalschutz der Weinschenke vertragen.

Moerser Straße Das alte Büdericher Zollhaus wurde aufwendig zu einem "Atelier zum Wohnen und Arbeiten" umgebaut. Das Ziegelhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, das sich daran anschließende Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert. Eine offene Stahltreppe verbindet im Inneren Erd-, Ober und Dachgeschoss.

Alte und neue Elemente, etwa moderne Stahlträger und Fachwerk, wurden kombiniert. 385 Quadratmeter Wohnfläche stehen zur Verfügung. Darunter liegt eine Tiefgarage mit sieben Stellplätzen. Nun steht das Objekt für 695 000 Euro zum Verkauf.

Verkäufe von Denkmälern müssen der Stadt gemeldet werden. Geplante Aus- und Umbauten müssen genehmigt werden: "Das beste für eine Denkmalimmobilie ist, wenn sie ihrem Zweck entsprechend genutzt wird und sich der Eigentümer mit dem Denkmal identifiziert", sagt der städtische Denkmalpfleger Reinhard Lutum.

(RP)
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