Meerbusch: Dat Wasser vun Lank is jot

Meerbusch: Dat Wasser vun Lank is jot

Mehr als 30 Meerbuscher kamen zum Tag des Wassers ins Lanker Wasserwerk, um hinter die Kulissen zu schauen. Woher kommt das Trinkwasser und welche Schritte sind notwendig, bis es aus dem heimischen Hahn fließt?

Immer das Gleiche: Es ist Sonntag, 21.45 Uhr. Der Wasserspiegel im Lanker Wasserwerk steigt. Für Wassermeister Hartmut Reuter bedeutet das, dass der Mörder im "Tatort" gefasst ist, die Meerbuscher zur Toilette gehen und die Klospülung auf Hochtouren läuft. Der Wasser-Experte weiß noch mehr rund ums Wasser: Jeder Meerbuscher verbraucht am Tag etwa 120 Liter Wasser. "Im Winter haben wir hier im Werk einen Tagesbedarf von etwa 3000 Kubikmetern Wasser und im Sommer sogar mehr als 5000", erklärt Reuter. Das Wasserwerk läuft also ständig auf Hochtouren und ist auf einen durchgängigen Bereitschaftsdienst angewiesen, der bei Notfällen eingreifen kann.

Im hauseigenen Labor werden Proben entnommen und kontrolliert. Foto: sandra jansen

Wassermeister Hartmut Reuter hat eine große Leidenschaft für Wasser: "Das Wasserwerk ist mein Herzstück, denn ich bin schon seit 1992 in dem Lanker Werk", erzählt Reuter in der Leitzentrale des Wasserwerks. Den Wassermeister, der ursprünglich aus dem Kfz-Bereich kommt, hat es zunächst in das Rohrnetz Meerbusch verschlagen. Erst danach begann er seine Ausbildung zum Wassermeister und war dabei, als das Wasserwerk im Dezember 1992 in Betrieb ging.

An den Tabellen im Wasserwerk kann man genau ablesen, wann zum Beispiel bei einem Fußballspiel Halbzeit ist: Dann steigt der Wasserverbrauch an. Foto: sandra jansen

Reuter steht vor einer großen länglichen Wart-Tafel und gibt einen kurzen theoretischen Einblick in die Trinkwassergewinnung, der viele Fachwörter wie "Nitrat", "Entcarbonisierung", "Winterstufe" und "Sommerstufe" enthält. Mehr als 30 Interessierte haben sich für den Rundgang im Wasserwerk angemeldet und hören aufmerksam zu.

In Anschluss an die Führung wurde das Meerbuscher Wasser probiert. Foto: sandra jansen
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Der Wassermeister erklärt, wie das Grundwasser aufbearbeitet und gespeichert wird: "Das Grundwasser wird aus Niederschlag wiedergebildet. Pro Jahr fallen etwa 800 bis 1000 Liter Regen pro Quadratmeter."

Nach dem theoretischen Einstieg gehen die Besucher und Reuter in die Filterhallen. Das Wasserwerk, das das einzige in Meerbusch ist, hat vier Flachbrunnen mit einer Tiefe von jeweils 25 bis 30 Metern und zwei Tiefbrunnen mit etwa 130 Metern Tiefe. Wegen der lauten Pumpen versucht Reuter, besonders laut zu reden, und die Teilnehmer rücken zusammen, damit sie auch alles verstehen.

Dann wird es technisch: Das Flachbodenwasser wird im ersten Schritt über Aktivkohle gefiltert, erklärt der Wassermeister. Danach folgt die so genannte Teilstromschnell-Entcarbonisierung, die das Wasser enthärtet und entkalkt. Für diesen Prozess gehen alle eine Wendeltreppe zum Reaktor hinunter. Das Rohrwasser habe zunächst einen Härtegrad von 22 bis 26 °dH (Grad deutsche Härte) und entspreche einem sehr harten Härtebereich, so Reuter. "Der Reaktor reduziert die Härte auf 11 °dH, einen mittleren Härtegrad." Damit sich der Kalk absetzen kann, wird Sand zum Wasser gegeben. Reuter reicht kleine Dosen mit Sand an die Besucher, die zeigen, wie sich der Kalk am Sand absetzt. Die Besucher nehmen den Sand unter die Lupe und reichen ihn weiter. Über Trübungs- und Enteisungsfilter wird das Wasser dann erneut gefiltert und landet schließlich in Trinkwasserbehältern. "Und damit das Wasser auch bei uns ankommt, läuft das Wasser durch Pumpen und wird dann im Versorgungsnetz verteilt." Zum Abschluss der Führung finden sich alle Teilnehmer mit Wassermeister Reuter und Veranstaltungs- und Projektmanagerin Ulrike Kretschmann zu Kaffee (aus Meerbuscher Wasser) und Kuchen zusammen. Jeder nimmt eine Kostprobe des Meerbuscher Wassers. Manche Teilnehmer schnuppern an dem kleinen Gläschen und probieren vorsichtig. Es schmeckt gut - eben nach frischem Wasser. Die Teilnehmer des Rundgangs unterhalten sich angeregt und sind begeistert. "Es ist interessant zu sehen, wo unser Wasser herkommt. Sonst kann man sich ja gar nicht vorstellen, wie das überhaupt funktioniert", sagt ein Teilnehmer.

(RP)
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