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Das städtische Meerbusch-Gymnasium: Geschichte einer Institution

Geschichte: Das städtische Gymnasium Meerbusch : Ein Schulname als Kampfansage

Das Meerbusch-Gymnasium hatte seine ersten Schüler noch vor Gründung der Stadt. Die Geschichte einer Institution.

Als das Meerbusch-Gymnasium (SMG) am 28. November 1974 per Ratsbeschluss auf Anregung von Dezernent Stephan Grüter und Antrag der Künstlerin Editha Hackspiel seinen Namen erhielt, war dies für die Optimisten eine Kampfansage an die Städte Düsseldorf und Krefeld, welche die junge Stadt Meerbusch zum Jahreswechsel unter sich aufteilen wollten. Die Pessimisten wollten so noch schnell etwas schaffen, was den Namen Meerbusch auch über das Ende hinaus bewahren und an den kommunalen Selbstversuch erinnern sollte. Das heutige Gebäude wurde allerdings erst kurz vor Weihnachten 1974 an die Schulgemeinschaft offiziell übergeben.

Zu diesem Zeitpunkt war die Schule noch in der Entstehung. 1968 als Gymnasium der Gemeinde Osterath gegründet, wurde noch vor der Stadtgründung und nicht ohne Streit in den politischen Gremien Strümp zum Standort erkoren, um den ganzen Norden mit seinen sieben Stadtteilen zu versorgen. Erster Standort war allerdings das Gebäude der Kreisrealschule an der Görresstraße in Osterath. Büderich hatte zeitgleich das damalige Kreisgymnasium (heute Matare-Gymnasium) bekommen. Die ersten 127 Schüler des SMG kamen am 9. August 1968 zur Einschulung in drei Klassen.

1970 zunächst in der ehemaligen Strümper Volksschule, der benachbarten Sonderschule und einigen Behelfsbauten untergebracht, gab es am 28. August 1971 auch nur einen „mobilen Grundstein“, der Bürgermeister Handschumacher an Schulleiter Dr. Franz Josef Nicola überreichte. Heute ist dieser Grundstein im zentralen Treppenhaus der Schule angebracht. Bald konnten die ersten Schülerjahrgänge dann den wachsenden Neubau beobachten. Der erste Spatenstich durch Bürgermeister Dr. Ernst Handschumacher erfolgte am 4. August 1973. Die Planung des bis heute – zumindest aus einiger Entfernung – futuristischen Gebäudes hatte das damals in Gründung befindliche Kölner Architekturbüro Vossbeck und Erlen (zuvor Vossbeck-Krahwinckel) erstellt.

1976 war der Neubau endlich komplett nutzbar, er hatte 21,5 Millionen D-Mark gekostet. So sieht das Gebäude des SMG heute aus. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Doch bei aller Euphorie und kreativer Problemlösungen wurde schon 1972 ein Numerus Clausus oder gar ein Aufnahmestopp diskutiert und zwei Jahre später fehlten gar zwölf Klassenräume und immer wieder Lehrer. Die Situation verbesserte sich erst, als Ende 1974 der Neubau zumindest teilweise zur Verfügung stand. Zuerst wurden die ersten beiden Ebenen bezogen und noch während der laufenden Bauarbeiten unterrichteten die Lehrer schon im Obergeschoss. Die letzten Räume waren allerdings erst im Februar 1976 nutzbar. Der Bau hat zum Entsetzen der Stadtverwaltung insgesamt 21,5 Millionen D-Mark verschlungen.

Mit dem „Ja zu Meerbusch“ vor dem Verfassungsricht des Landes NRW 1975 schien der Bestand der Stadt gerettet. Allerdings drohte schon im Frühjahr neue Gefahr. Am 3. März 1976 wird ausgerechnet das Meerbusch-Gymnasium zum Ort der berühmten Anhörung mit Innenminister Dr. Burkhard Hirsch, in dem wieder die Auflösung der Stadt zur Sprache kommt. Der Eklat, als Hirsch dem WDR verbietet, die engagierte Rede Handschumachers weiter zu filmen, eskaliert in der Folge und begräbt die Aufteilungswünsche bis auf weiteres. Der Landtag beschließt mit zwei Stimmen Mehrheit den Erhalt Meerbuschs – nicht zuletzt wegen des Auftritts im Meerbusch-Gymnasium. Heute wissen die Schüler nicht, dass in ihrem Werkraum Stadtgeschichte geschrieben wurde – nichts weist darauf hin.

Seine „Volljährigkeit“ konnte das Meerbusch-Gymnasium 1977 feiern, endlich war man keine „Schule im Entstehen“ mehr, zugleich legten die ersten 160 Schüler ihre Abiturprüfungen unter dem wachsamen Auge des zuständigen Dezernenten von der Bezirksregierung ab. Es war eine bewegte Zeit, als nicht nur die differenzierte Oberstufe eingeführt und umgesetzt wurde, sondern mit viel Engagement auf allen Seiten für und wider Gruppenarbeit im weitesten und Gruppenklausuren in Leistungskursen im speziellen Sinne gestritten wurde.

Der mobile Grundstein wurde 1971 erschaffen, als das Gymnasium noch provisorisch in der Strümper Volksschule untergebracht war. Foto: Mike Kunze

Das Sportangebot hing zunächst vor allem an den Außenplätzen, bevor Ende 1976 die bis heute größte Meerbuscher Sporthalle direkt am Schulgebäude ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Am 3. Dezember 1980 folgte endlich auch die Zweifach-Sporthalle, womit der heutige Baubestand erreicht war. Die Turnhallen dienten 2015/16 als Notunterkünfte für Flüchtlinge und wurden anschließend saniert. Zahlreiche Sportvereine sind Mitnutzer und auch Sportevents und Meisterschaften werden in den zwei großen Hallen ausgetragen.

In den letzten Jahren machte das Meerbusch-Gymnasium alle Trends der deutschen Schullandschaft durch. Es erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Mit der Feier zum 50-jährigen Jubiläum vor zwei Jahren kam auch die Idee auf, einen Ehemaligen-Verein zu gründen – ein Projekt, das noch nicht abgeschlossen ist, aber immerhin zu einer Facebook-Gruppe geführt hat. Viele Alumni fühlen sich ihrer alten Schule bis heute verbunden.