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Bio-Gemüse vom eigenen Feld: Das sind die Ackerhelden vom Apelter Weg

Bio-Gemüse vom eigenen Feld : Das sind die Ackerhelden vom Apelter Weg

Die beiden Lehrer Leonie Armbrüster und Gerrit Hinnen ziehen in Büderich ihr eigenes Bio-Gemüse groß.

Ein Gewitter droht. Doch unverdrossen hacken Leonie Armbrüster und Gerrit Hinnen die Erde zwischen den kleinen Pflänzchen locker. Die beiden Lehrer gehören zu den „Ackerhelden“, die neben dem Modellflugplatz am Apelter Weg ihr eigenes Bio-Gemüse groß ziehen.  Töchterchen Elsa ist mit dabei und guckt genau, welche Früchte reif sind und probiert werden können. !

Im fünften Jahren gibt es in Büderich das Projekt Ackerhelden, das es Stadtbewohnern erlaubt, ihr Gemüse nicht im Supermarkt zu kaufen, sondern selbst anzubauen. „Mit unserem Konzept wollen wir zeigen, wo das Essen herkommt und das Bewusstsein für nachhaltiges Wirtschaften stärken“, sagt Tobias Paulert, der zusammen mit Birger Brock Ende 2012 das Unternehmen „Ackerhelden“ gegründet hat. Der Wert von Lebensmitteln werde für viele Menschen wichtiger, aber das Wissen darüber sei verloren gegangen, bedauert er. Das wolle er ändern.

Inzwischen gibt es in 16 Städten Felder, aufgeteilt in einzelne Parzellen, wo „Ackerhelden“ ökologisches Gemüse anbauen können. „Es ist superschön hier direkt am Rhein“, unterstreicht Armbrüster, die sich zweimal pro Woche um ihr Gemüse kümmert, hackt, wässert und Unkraut zupft.

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Das gesamte Feld wurde mit Jungpflanzen in Reih und Glied vorgepflanzt und dann an die Pächter übergeben, die jeweils 40 Quadratmeter beackern. Da wachsen bereits Kartoffeln, Kürbis und Rote Beete, blauer Kohlrabi, Fenchel und Sellerie sowie Salat, Mangold und Spinat. „Eine bunte Vielfalt, sodass wir das ganze Jahr ernten können“, freut sich die junge Mutter, die bereits im dritten Jahr dabei ist. „Sogar der Rotkohl und die Kartoffeln  für das letzte Weihnachtsessen waren schon von meinem Feld.“

Ihr macht vor allem die Arbeit in der freien Natur viel Spaß, sie möchte aber auch ihrer Tochter zeigen, wo das Essen herkommt - nämlich nicht aus dem Supermarkt. „Es ist spannend zu sehen, wie schnell die Pflänzchen wachsen und dass man von einem kleinen Stück Land satt wird“, sagt sie. Außerdem entwickele man ein ganz anderes Verständnis für die Natur und freue sich sogar darüber, wenn es regnet. „Es sind viele junge Familien  bei den Ackerhelden dabei, aber auch junge Leute, die sich Gedanken um gesunde Ernährung machen“, so Paulert.

Wie die 23-jährige Musikerin Yvonne aus Düsseldorf, die einfach nicht mehr das blank geputzte Gemüse kaufen wollte. Sie ist zum ersten Mal dabei, genauso wie Eva und Markus Wolf, die ganz unbedarft an ihre Parzelle herangegangen sind und für jeden Tipp dankbar waren. Derzeit sind sie auf der Jagd nach dem Kartoffelkäfer, der droht, ihre Ernte zu dezimieren.  „Es  gab eine Gebrauchsanweisung für den Gemüsegarten zu Beginn, und auch heute können wir uns jederzeit melden, wenn wir Fragen haben“, loben die beiden.

Außerdem geben Paulert und Brock ihren Kunden, die meist aus Meerbusch und Düsseldorf kommen, Lagerungstipps für den Herbst und haben ein Kochbuch herausgebracht, in dem leckere Rezepte für die geernteten Gemüse zu finden sind. Die überzeugten Biogärtner möchten ihre Kunden auch an Gemüsesorten heranführen, die fast aus dem Repertoire der deutschen Hausfrau verschwunden waren wie Mangold, und sie experimentieren mit alten Sorten, die besonders widerstandsfähig sind, auch ohne Chemie. Diese ist auf den Feldern der Ackerhelden strikt verboten.

Mitstreiter für das Apelter Feld zu finden, sei nicht schwierig gewesen, erzählt Paulert. „Seit dem zweiten Jahr sind wir ausverkauft.“ Es gäbe jedoch eine gewisse Fluktuation  wegen beruflicher Veränderung oder Erwerb eines eigenen Gartens oder Hauses. Wer nicht erst auf seine Chance in 2019 warten will, hat die Möglichkeit, ein vorgefertigtes Hochbeet für die Terrasse oder den Balkon zu erwerben.