Das Lebenswerk eines Meerbuscher Künstlers

Ausstellung im Alten Güterbahnhof in Osterath : Kunst zum Nachdenken

Die Kinder von Helmut Martin-Myren erinnern im Alten Güterbahnhof an das Engagement ihres Vaters.

Helmut Martin-Myren hat es verstanden, seine künstlerische Kreativität mit Denkanstößen und Aktivitäten rund um Ausländerfeindlichkeit oder Umweltzerstörung miteinander zu verbinden. Einen kleinen Einblick in das umfangreiche Lebenswerk des im Februar 2001 mit nur 66 Jahren verstorbenen Meerbuschers gewährt am Wochenende eine Ausstellung im Alten Güterbahnhof, die seine Kinder Cora, Donate, Elke und Tycho initiiert haben.

Selbst die Handschrift des Vaters als einen der bekanntesten Vertreter der Meerbuscher Kulturszene ist in die Kunstpräsentation einbezogen. „Dieser Namenszug ist auch auf seinem Grabstein zu lesen“, erklärt Cora Martin von der Weyden. Die Familie lebt seit 1972 in Osterath, dort ist der Vater auch begraben.

Beim Betreten des Ausstellungsraums Alter Güterbahnhof fallen die 3,50x2,45 Meter große „Friedensarbeit“ sowie die sieben Stationen „Kreuzweg heute“ ins Auge. Als Relief-Intarsien aus gespaltenem, teils geflammten Holz werden Stationen wie „Nordirland“, „Politische Gefangene“ oder „Die Kirche schweigt“ dargestellt. „Wir würden die Kreuzweg-Arbeit gern als Leihgabe in einer Meerbuscher Kirche sehen“, erklärt Cora Martin von der Weyden stellvertretend für ihre Geschwister.

Die zu Kunst verarbeiteten Themen waren bereits Anfang der 1970er Jahre aktuell: „Mein Vater hat immer nach Antworten, nach Wahrheiten und Endgültigkeiten gesucht.“ Helmut Martin-Myren und Winfried Schmitz-Linkweiler waren es auch, die 1993 die „Plakatwand gegen Ausländerfeindlichkeit“ am Dr.-Franz-Schütz-Platz ins Leben riefen. Für Martin-Myren war es in vielen Belangen „Fünf vor Zwölf“. Das war allgemein gegen die Naturzerstörung, die geplante oberirdische Rheinquerung A44 oder die drohende Zerstörung des Klostergeländes Haus Meer gerichtet. Dass der Künstler 1997/98 in Meerbusch zum „Mann des Jahres“ gewählt wurde, ist eine der Anerkennungen, die ihm zuteil wurden.

Weltweit bekannt wurde er durch den Eintrag seiner beiden größten Werke ins „Guinnessbuch der Rekorde“. Dabei geht es um die 1997 entstandene 5,50 Meter hohe „Größte Holzpatrone“, aus der weiße Tauben als Mahnung für den Frieden steigen sowie die mit 4,50 Metern größte Intarsien-Wand der Welt, die im Monheimer Rathaus hängt. Mit all seinen Werken wollte der Künstler immer zum Nachdenken anregen.

Die aktuelle Ausstellung – insgesamt war er an mehr als 300 Kunstpräsentationen im In- und Ausland beteiligt – zeigt auch Holzdruck-Varianten und aus gefundenem Holz in verschiedenen Maserungen entstandene Aktionskunst.

Sämtliche Werke sind mit dem politischen Engagement des Helmut Martin-Myren verbunden. Dabei stand er häufig an der Seite von Oliver Keymis. Der Meerbuscher Grünen-Politiker und Vizepräsident des NRW-Landtags erinnert sich: „Er war einer der aufrechtesten Menschen in unserer Stadt, immer politisch aktiv und ungern kompromissbereit.“

Die Ausstellung wird am Freitag, 17-19 Uhr, eröffnet und ist Samstag sowie Sonntag jeweils von 11-17 Uhr zu sehen. Alter Güterbahnhof, Ladestraße 3.

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