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Meerbusch: Das Leben ist nicht digital

Meerbusch : Das Leben ist nicht digital

Mechtild Bommers-Schulten lebt mit dem Tod. Er ist ihr ein weiser Lehrmeister. Sie hat 1989 begonnen, für den Malteserorden die Hospizarbeit aufzubauen. Heute hat sie Gesamtleitung des Malteser-Hospizes in Duisburg.

Mechthild Schulten (52) stammt aus einer alteingesessenen Strümper Familie. Offiziell gehört ein "Bommers" vor ihren Namen, doch das hört sie nicht so gern. "Die Wurzeln unsere Familie lassen sich mehr als 400 Jahre zurückverfolgen", sagt sie. "Der Bommershof in Osterath ist unser Stammhof." Doch so sehr sie in dieser Tradition verwurzelt ist, so sehr hat es sie auch immer wieder zu neuen Ufern gezogen. "Ich bin sehr neugierig", erklärt die 52-Jährige. Nachdem sie, wie ihre Mutter und zuvor ihre Großmutter auch, das Ursulinen-Gymnasium in Düsseldorf erfolgreich absolviert hat, ist sie zum betriebswirtschaftlichen Grundstudium nach München gegangen, wo sie dann auf Romanistik und Germanistik umsattelte und einen Magisterabschluss machte.

Über gute persönliche Kontakte zu den Maltesern startet sie dort zunächst als PR-Frau. "Doch ich wollte mehr arbeiten", sagt sie. Da sie schon früh ihre Affinität zu sozialen und medizinischen Themen entdeckt hat, kam das Angebot, die Hospizarbeit für den Orden aufzubauen, wie gerufen. "Das war damals noch Neuland", erinnert sie sich. "Aber es war für mich kein Tabu-Thema."

Schulten beschäftigte sich mit Betreuungsfragen, entwickelte Schulungskonzepte für Hospiz-Mitarbeiter, bildete sich selbst weiter in Fragen der Heimleitung, der Psychotherapie und der Trauerberatung und -begleitung.

"Die ersten Hospizeinrichtungen der Malteser waren ambulant", beschreibt sie den langen Weg dieser Bewegung. Erst 1994 gab es die erste stationäre Einrichtung der Malteser. Bis heute erfüllt sie die Arbeit im Hospiz mit Dankbarkeit. "Die Arbeit in Situationen, die schwierig und existenziell sind, ist spannend. Die Wertschätzung, die Menschen in einem Hospiz erfahren, spiegeln sie zurück", berichtet sie.

Die Hospizleiterin ist davon überzeugt, dass man von der Hospizkultur lernen kann. "Diese Wertschätzung kann man in alle Bereiche tragen", sagt die gläubige Katholikin. Deshalb findet sie auch Tage wie den Totensonntag für eine Gesellschaft wichtig. "So wie die Gesellschaft mit ihren Toten umgeht, so geht sie auch mit ihren Lebenden um", findet sie. "Es geht dabei um elementare Dinge. Besonders heute sei es leicht, die Wertschätzung für das Leben zu verlieren. "Das Leben ist nicht digital", sagt sie. "Es ist endlich."

Diese – wenn auch selbstverständlich scheinende Erkenntnis – hat die 52-Jährige verinnerlicht. "Es gibt einem Gelassenheit und Tatkraft", sagt sie. Eigenschaften die auch ihr Mann an ihr schätzt – ebenso wie die Schwestern des Soroptimist-Clubs Meerbusch, dem sie angehört.

(RP)