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Das Fundbüro der Stadt Meerbusch hat rund hundert Fahrräder versteigert

Versteigerung in Osterath : Fundsachen-Auktion mit Abstand und Maske

Ein Euro, zwei Euro, wer bietet mehr? Bei der Versteigerung der Stadt fanden rund 85 Fahrräder einen neuen Besitzer. Die Interessenten bezahlten einen Preis von einem bis 270 Euro. Auf einem abgesteckten Rundweg konnten die Räder vorab begutachtet werden.

Die Fundsachenversteigerung der Stadt Meerbusch ist immer ein beliebtes Event. Wer macht nicht gerne ein Schnäppchen und kommt für wenig Geld zu einem neuen, wenn auch gebrauchten Drahtesel, Roller oder Schmuckstück? Da im Frühjahr wegen des Lockdowns die Versteigerung nicht stattfinden konnte, waren jetzt deutlich mehr Fundsachen im Angebot, darunter rund 100 Fahrräder.

Diese konnten eine Stunde vor Beginn der Auktion auf dem Hof hinter dem VHS-Gebäude in Osterath auf einem markierten Rundkurs schon einmal unter die Lupe genommen werden. Das Angebot nutzten viele Besucher, die entsprechend der Corona-Regelungen fast durchgehend Mund-Nasen-Schutz trugen.

„Wir suchen ein ganz normales Rad, mit dem wir von hier zum Campingplatz in Nierst fahren können“, erzählen Gabriela und Andreas Kreuch, die als Dauercamper am Rhein einen Wohnwagen stehen haben. Für ihren Sohn sind sie auf der Suche nach einem 26-Zoll-Mountainbike. Sichtend und prüfend gehen die beiden durch die Reihen der Fahrräder, die alle mit einer Nummer versehen sind, damit man sie bei der Versteigerung und Abrechnung besser identifizieren kann. Die Qualität ist ganz unterschiedlich. Neben noch einigermaßen brauchbaren Gazelle-Rädern stehen auch Schätzchen, die keinen Sattel mehr haben, deren Hinterrad eine Acht aufweist oder an denen die Kette herunterhängt. Doch nicht die Optik oder der Rost sind das Entscheidende, sondern was man daraus machen kann.

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„Ich brauche ein neues Stallrad“, berichtet etwa Heidi Webers, die immer mit dem Rad zu ihrem Pferd fährt. Wie sie waren die meisten Besucher an einem Zweitrad oder an einem solchen interessiert, dass man durchaus auch einmal an der Haltestelle stehen lassen kann. „Es sind uns schon so viele gestohlen worden“, sagt Elisabeth Meißner, die einfach mal gucken will, was es so gibt. Auch wenn Kinder oder Enkel zu Besuch seien, wäre es gut, ein weiteres Rad in der Garage stehen zu haben. Anja Svoboda, die zum ersten Mal bei einer Versteigerung ist, radelt von Büderich zum Areal Böhler zur Arbeit und hat gleichfalls die Erfahrung gemacht, dass Räder häufiger geklaut werden.

Gerade als Holger Reith, Abteilungsleiter Bürgerbüro der Stadt Meerbusch, mit der Versteigerung beginnen will, geht ein heftiger Schauer nieder, und mehrere Räder werden durch eine Windböe umgeworfen. Trotzdem geht es kurz danach mit dem ersten Rad los. Reith erklärt zuvor die Regel, die da heißt: „Ersteigert wie gesehen.“ Zudem: Wenn sich der ursprüngliche Besitzer doch noch melden sollte, müsste der Verkauf rückabgewickelt werden. Dazu sollte man die erhaltene Quittung aufheben.

Doch gleich das erste Rad ist ein Flop. Nicht einmal für einen Euro findet es einen Interessenten. Reith und sein Mitarbeiter lassen sich nicht entmutigen. Das nächste, ein Kettler-Rad, geht bei strömenden Regen für nur einen Euro weg. Aber danach zeigen sich die rund 120 Bieter, die dann doch nicht immer die nötige Corona-Distanz zueinander halten, wetterfest. „Eine Damen-Gazelle, ein wunderschönes Rad“, preist Reith das nächste Gefährt an. „Ein Euro, zwei, drei. Sehe ich mehr? Zehn Euro, 15, 20.“ Jetzt nimmt die Versteigerung Fahrt auf. Für 49 Euro wechselt die Gazelle schließlich den Besitzer. Auch bei dem blauen Rennrad herrscht reges Interesse. Schnell schießt der Preis in die Höhe - bis zum Verkaufspreis von 75 Euro. Zügig wechseln sich Räder mit größeren Macken für ein bis drei Euro ab mit solchen, die 50, 60 oder 70 Euro erzielen. Manche bleiben allerdings auch unverkauft zurück.

„Hier ist allein der Kindersitz schon einen Euro wert“, wirbt Reith - und kann am Ende tatsächlich 38 Euro verbuchen. Auffällig ist, dass viele Räder angehoben werden müssen, weil sie abgeschlossen sind. Der vorherige Besitzer hat sein Rad offensichtlich ordnungsgemäß gesichert, dann aber nicht abgeholt. Nach einem halben Jahr im Fundbüro gehen die Fundsachen schließlich in die städtische Versteigerung. „Hier, zwar ein rostiger Lenker, aber eine tolle Klingel“, preist Reith die Vorzüge eines anderen Rades an. Elf Euro ist das Ergebnis.

Mit 181 Euro ist ein Gazelle-Herrenrad das Highlight. Mehr erzielt nur das einzige E-Bike: 270 Euro bezahlt dafür der neue Besitzer. Auch Heidi Webers ist fündig geworden: Für 26 Euro hat sie nun ein neues Stallrad gefunden.