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Corona-Krise in Meerbusch: So reagieren Händler und Wirte auf die Lockerungen

Corona-Krise in Meerbusch : So reagieren Händler und Wirte auf die Lockerungen

Die Einzelhändler dürfen ab Montag wieder öffnen, befürchten aber, dass nur wenige Kunden ihre Läden aufsuchen. Gastronomien bleiben dagegen weiterhin geschlossen. Eine Regelung, die bei den Wirten auf Verständnis, aber auch Kritik stößt.

Mit gemischten Gefühlen schauen Wirte und Einzelhändler auf die kurzfristig von der Bundesregierung angekündigten Lockerungen. Einzelhandelsgeschäfte mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen, es gelten dabei Hygiene-Auflagen. Die Stadt kündigt ab Montag verstärkte Kontrollen an. Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage sagt, sie freue sich, dass die Einzelhändler wieder Kunden empfangen und Einnahmen erzielen könnten. Gleichwohl sei es wichtig, die Erfolge der bisherigen Schutzmaßnahmen nicht zu gefährden. „Wir bewegen uns nach wie vor auf dünnem Eis“, sagt sie. Bei den Händlern ist die Freude verhalten.

„Wir werden aufmachen, aber mit verkürzten Öffnungszeiten“, sagt etwa Frank Achten, Inhaber der gleichnamigen Osterather Buchhandlung. Von 10 bis 17 Uhr wird man bei ihm im Laden wieder stöbern können, auch wenn einiges anders sein wird. Eine Schutzscheibe vor dem Kassenbereich, kontaktlose Bezahlung und nicht mehr als zwei Menschen im Laden: Das sind keine gewöhnlichen Umstände. „Natürlich möchte ich die Präsenz der Kunden wieder haben“, sagt Achten. Der Online-Shop sei in den vergangenen Wochen besser gelaufen als sonst. Aber der Umsatz sei mit dem aus den Jahren davor nicht vergleichbar. Und selbst wenn der Laden geöffnet wird, bleibt die Frage: Kommen die Kunden überhaupt? „Ich kann das nicht einschätzen“, sagt Achten. Er hofft, dass zumindest die Hälfte der Kundschaft die Buchhandlung wieder aufsucht.

Auch Leo Stevens, Mitarbeiter beim Lanker Modehaus Imdahl, kündigt die Eröffnung am kommenden Montag an. „Dieser Zwangsurlaub war furchtbar“, sagt er. Er sieht das Modehaus gut vorbereitet für die Lockerungen. Man habe schon vor der Schließung Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe bereitgestellt. Deswegen findet Stevens auch, dass die Schließungen des Einzelhandels eine zu drastische Maßnahmen waren. Viele Händler seien gut auf die Pandemie vorbereitet gewesen. „Es kann sein, dass die Kunden zurückhaltender sind“, sagt Stevens. Viele seien in Kurzarbeit, da fehle vielleicht auch das Geld für größere Einkäufe.

Sorgen um die Kundschaft macht sich auch Kirsten Kappius, die die Büdericher Boutique Meer-Lebensstil betreibt. In den vergangenen Wochen hatte sie sich darauf konzentriert, einen Online-Shop für ihre Kunden vorzubereiten. Aber auch sie wird ihren Laden kommende Woche wieder öffnen. „Ich hatte mich darauf eingestellt, dass die Boutique bis Ende April zu bleibt“, sagt Kappius. Jetzt besorgt sie aber Desinfektionsmittel, Handschuhe, markiert den Abstand auf dem Boden. „Ich fühle mich verpflichtet, die Eröffnung für die Kunden möglich zu machen.“ Aber ob das bei ihnen auch ankommt, weiß Kappius nicht. „Ich habe Respekt vor der Situation, das haben auch viele Menschen.“ Ob sie dann gern einkaufen gehen, ist eine Frage, die zunächst offen bleibt.

Große Sorgen haben auch die Meerbuscher Gastronomen. „Für uns ist das eine Katastrophe“, sagt Frank Winzen vom Restaurant Fronhof in Lank-Latum in Hinblick auf die ausbleibenden Umsätze. Dass sein Restaurant abseits von Bestellungen trotzdem vorerst weiterhin geschlossen bleiben muss, kann er dennoch nachvollziehen. „Jetzt wieder zu öffnen, um zwei Wochen später wieder zu schließen, wäre noch schlimmer.“ Er hofft darauf, dass er Anfang Mai den Betrieb vorsichtig mit entsprechendem Abstandsgebot wieder anlaufen lassen kann.

Hikmet Aksoy hätte sich gewünscht, dass sein Dorf Café in Osterath am Montag ebenfalls wieder öffnen dürfte. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Auch Christian Rummel, Inhaber von Leo’s Bar in Büderich, zeigt Verständnis dafür, dass Gastronomen ihren Betrieb noch nicht wieder voll hochfahren dürfen. Er hätte sich aber gewünscht, dass die 50-Meter-Regelung aufgehoben worden wäre, nach der keine Speisen und Getränke im direkten Umfeld eines Lokals konsumiert werden dürfen. So hätten Gäste, die vor seiner Bar auf ihr Essen zum Mitnehmen warten, währenddessen etwa ein Glas Wein trinken können. Eine Wiederöffnung mit Abstandsgebot sieht er für sich kritisch. In seinem kleinen Gastraum könnten dann nur eine Handvoll Personen Platz finden, sodass sich damit die Betriebskosten nicht decken lassen würden.

Anders sieht es im Osterather Dorf Café von Hikmet Aksoy aus. Sein Café hat mehr Platz und einen großen Garten, in dem er seine Gäste auch mit entsprechendem Abstand voneinander bewirten könnte. „Die Regelungen sind schon ein wenig verwirrend“, sagt er mit Blick auf die Wiedereröffnung der Geschäfte. Zwar bietet auch er seine Gerichte außer Haus an, doch ließen sich damit die fehlenden Einnahmen durch die Zwangsschließung nicht ausgleichen. Auch Markus Vieten vom Wirtshaus Baumeister in Strümp sieht die neue Regelung für Händler kritisch. „Ich verstehe nicht, wo der Unterschied ist.“ Ob man sich in einem Bekleidungsgeschäft oder einem Restaurant befinden würde, sei doch unerheblich. Er hätte sich gewünscht, lieber alles noch zwei Wochen geschlossen zu halten, um dann den Betrieb von Händlern und Gastronomen gleichzeitig wieder starten zu können.