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Meerbusch: Chefarzt fristlos entlassen

Meerbusch : Chefarzt fristlos entlassen

Der ärztliche Direktor einer Therapieklinik in Meerbusch, deren Träger in Düsseldorf sitzt, muss sich vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart wegen des Verdachts der Bestechlichkeit beim Bau der Therapieklinik verantworten.

Der langjährige Chefarzt der St.- Mauritius-Therapieklinik in Meerbusch-Osterath ist fristlos entlassen worden. "Das Vertrauensverhältnis ist zerstört", erklärte Christian Röhrl, Geschäftsführer der in Düsseldorf sitzenden gemeinnützigen GmbH, für den Arbeitgeber gestern auf RP-Anfrage. Die Vorwürfe gegen den Chefarzt seien so gravierend, dass eine sofortige Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses unausweichlich gewesen sei. Das Ergebnis staatsanwaltlicher Ermittlungen in Stuttgart habe ihn schockiert, sagte Röhrl.

Demnach sollen der nunmehr gekündigte Ärztliche Direktor und ein ehemaliger Geschäftsführer mehr als zwei Millionen Euro Bestechungsgeld im Zusammenhang mit dem Neubau der Reha-Klinik erhalten haben. Schon 1996 seien entsprechende Verabredungen zum gegenseitigen Vorteil mit dem späteren Bauunternehmen getroffen worden. Claudia Krauth, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, bestätigte sowohl die Anklageerhebung als auch die Gründe, die dazu geführt hätten. So sollen die beiden leitenden Angestellten ihren Einfluss geltend gemacht haben, damit der Bauauftrag an die beschuldigte Firma vergeben werden konnte.

"Da kündigt sich auch eine große arbeitsrechtliche Auseinandersetzung an", sagte der Mediziner auf RP-Anfrage. Der entlassene Chefarzt wird anwaltlich von Klaus Bernsmann vertreten. Der Jurist unterrichtet an der Ruhr-Uni Bochum Straf- und Strafprozessrecht. Gemeinsam mit Norbert Gatzweiler hat er das Buch "Verteidigung bei Korruptionsfällen" veröffentlicht. Bernsmann erklärte, dass sein Mandant die Vorwürfe "vehement bestreitet". Die Anklage sei "unter Verjährungsgesichtspunkten mit der heißen Nadel gestrickt". Schließlich lägen die von der Staatsanwaltschaft aufgeführten Ereignisse rund zehn Jahre zurück. Das Gericht musste sich deshalb "unglaublich beeilen, so dass eine gründliche Prüfung nicht erfolgt sein kann".

Für die von der Strafverfolgungsbehörde behaupteten Zahlungen über 1,5 Millionen Euro auf das Konto seines Mandanten in den Jahren 1996 bis 2004 gebe es "andere, plausible Erklärungen". Eine Unrechtsvereinbarung mit dem Bauunternehmer habe es nie gegeben, betonte Bernsmann. "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, haben die Mitarbeiter ihre Positionen in hohem Maße missbraucht. Wir prüfen, inwieweit und gegen wen wir Schadensersatzansprüche geltend machen können", erklärte Röhrl.