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Meerbusch: CDU Düsseldorf stichelt gegen Meerbusch

Meerbusch : CDU Düsseldorf stichelt gegen Meerbusch

Mit der Aufschrift "Sie verlassen den schuldenfreien Sektor" werben die Düsseldorfer Christdemokraten auf Wahlplakaten auch an der Stadtgrenze zu Meerbusch. Nicht alle Politiker finden das witzig

In allen Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens werben die Parteien derzeit mit Plakaten für die Kommunalwahlen am 25. Mai. Die Düsseldorfer Christdemokraten haben sich einen besonderen Kniff einfallen lassen: An den Grenzen der Landeshauptstadt ließen sie ein Plakatmotiv aufhängen, auf dem steht: "Sie verlassen den schuldenfreien Sektor", auf Deutsch. Aber auch auf Englisch: "You are leaving the debt free sector"lautet die Version auf Englisch.

Die Formulierung spielt an auf die aus der jüngsten deutschen Geschichte bekannten Schilder an der deutsch-deutschen Grenze. "Sie verlassen den amerikanischen Sektor", stand bis zum Fall der Mauer in West-Berlin an jenen Stellen der Stadt, in der man wenig später auf das Bollwerk aus Stacheldraht, Todesstreifen und Betonblockaden stieß. Das Schild, das in mehreren Sprachen dort stand, warnte also vor einer Gefahr für Leib und Leben - wer es ignorierte und sich nicht an die Vorgaben der DDR-Grenzer hielt, bekam im mildesten Fall Ärger, hunderte kamen ums Leben, weil sie diese Form der Eingrenzung nicht akzeptieren wollten.

Darf man so für die Kommunalwahlen werben? Eindeutig nein, findet Meerbuschs SPD-Vorsitzende Heidemarie Niegeloh: "Ich bin von diesem Plakat entsetzt; es erinnert an den Kalten Krieg." Auch der Vorsitzende der Meerbuscher Grünen hat nur Spott übrig. "Die haben doch nur ihr Tafelsilber verkauft." Auch im Rhein-Kreis Neuss hagelte es Kritik: Die Wortwahl wecke Assoziationen mit "Gut und Böse", wie einst mit "Freiheit und Kommunismus", meint der Neusser Bürgermeister Herbert Napp (CDU). Daneben werde Neuss am 24. Mai ebenfalls schuldenfrei.

Düsseldorfs CDU-Vorsitzender Thomas Jarzombek verteidigte das Plakat gestern so: "Gute Werbung muss zuspitzen. Unser Wahlkampf ist argumentativ, wir sprechen das wichtige Thema Schuldenfreiheit an. Und wer nicht provokativ ist, der geht unter."

(RP)