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Meerbusch: Burg-Meer-Funde in Berlin

Meerbusch : Burg-Meer-Funde in Berlin

Eine Holztür und ein Fenster der Meerer Motte aus dem 11./12. Jahrhundert sind in einer großen Ausstellung des Deutschen Historischen Museums zu sehen. Die Meerbuscher Herkunft der Funde wird allerdings nicht erwähnt.

BERLIN/BÜDERICH Für Mittelalter-Freunde sind die Ausstellungen "Burg und Herrschaft" und "Mythos Burg" in Berlin und Nürnberg einer der Höhepunkte des Jahres. Im Deutschen Historischen Museum und dem Germanischen Nationalmuseum führt die Doppel-Schau in die Zeit zurück, als heutigen Burgruinen noch teils prächtige Festungen und Sitz von mächtigen Landesherren, mehr oder weniger gerissenen Vögten oder aufmüpfigen Raubrittern waren.

Gezeigt wird die Entwicklung von den Anfangstagen der hölzernen Turmhügelburg bis zu der Zeit, in der eine immer durchschlagskräftigere Artillerie die steinernen Bollwerke schließlich überflüssig machte.

Stücke aus dem Castrum Mere

Zwei Exponate der Ausstellung im I.M.-Pei-Bau des Berliner Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden, stammen aus Meerbusch. Es handelt sich um eine hölzerne Tür und eine Holzplanke mit Fensteröffnung, die bei Ausgrabungen auf dem Gelände der Niederungsburg Meer in Büderich entdeckt worden waren. Das "Castrum Mere" entstand um das Jahr 1000 auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel in einer ganzjährig Wasser führenden Altrheinnschlinge. Meistgenutztes Material im Burgenbau jener Tage war Holz (gerade am Niederrhein herrschte Knappheit an Steinblöcken).

Die frühen Burganlagen, so genannte Motten, bestanden zumeist aus einem Turm, umgeben von einer Holzpalisade. Die Berliner Ausstellungsmacher standen nun vor dem Problem, dass nur sehr wenige große hölzerne Teile aus dieser Zeit bis heute überdauert haben. Daher griffen sie gerne auf die Fundstücke von Ausgrabungen an der Meerer Motte zurück, die im Bonner LVR-Museum gelagert werden (wo auch das berühmte Neandertaler-Skelett zu finden ist). Der feuchte Boden der ehemaligen Altrheinschlinge hatte viele Holzbalken konserviert. Nach Ansicht der Ausstellungsmacher handelt es sich bei den gezeigten Stücken sogar um "das älteste erhaltene Fenster und die älteste erhaltene Tür einer Holzburg" in Deutschland.

Die Anlage büßte früh ihre Funktion als Verteidigungs-Bauwerk ein. Bereits 1166 zogen Nonnen ein. Wenige Jahre später wurde die Burg offenbar ganz aufgegeben.

Dass die in Berlin gezeigten Funde aus Meerbusch stammen, wird im Begleittext neben den Exponaten übrigens nicht erwähnt. Dort ist als Herkunftsort lediglich von der "Niederungsburg Haus Meer bei Neuss" die Rede.

(RP)