Bundestagsabgeordneter Otto Fricke arbeitete einen Tag in der Strümper Baumschule Schubert.

Bundestagsabgeordneter zu Besuch in Meerbusch : Ein Politiker als Praktikant

Bundestagsabgeordneter Otto Fricke arbeitete einen Tag in der Strümper Baumschule Schubert.

Als Mitglied des Bundestages trägt Otte Fricke meist Anzug. Für einen Tag in der Praxis wechselte der FDP-Politiker jedoch in Pullover und Arbeitshosen und packte in der Baumschule Schubert in Strümp mit an. Unter der Anleitung von Baumschulmeister Thomas Schubert brachte Fricke Fressschutz an jungen Bäumen an, schnitt ungewollte Triebe und scheute dabei nicht, sich die Hände schmutzig zu machen.

„Für mich ist es wichtig, zwischen Akten und Terminen den Kontakt zu den Menschen zu erhalten“, sagt der Politiker, der seit 2002 Mitglied des Bundestags ist. „Für mich sind solche Termine eine Art Realitäts-Check“, sagt er. Daher sei er der Einladung des Bundesverbandes der Dienstleistungswirtschaft gern gefolgt, einen Tag lang in der Baumschule auszuhelfen. Eine ähnliche Aktion fand in der vergangenen Woche auch im Gartencenter Selders statt: Dort hatte CDU-Abgeordneter Ansgar Heveling als Praktikant angeheuert.

Schon bei der Fahrt mit dem Geländewagen zu den Beständen der Strümper Baumschule ist jedoch Politik auch beim Besuch von Fricke klares Gesprächsthema. Thomas Schubert klagt sein Leid über das in Berlin diskutierte Fahrverbot für Diesel. „Meine Transporter fahren mit Diesel“, so der Baumschulmeister, „Kann ich die dann verschrotten lassen? Und wie bekomme ich den Baum dann zum Kunden?“ Ein großes Thema, auch während des Rundgangs durch die Treibhäuser des Betriebs, in denen junge Pflanzen aufgezogen werden, sind Klimawandel und Auswirkungen auf die Wirtschaft. Thomas Schubert, der hauptsächlich Bäume an Städte und stadteigene Betriebe in ganz Deutschland verkauft, gibt zu, dass die Auftragslage für ihnderzeit sehr gut sei. „Hitze und Stürme haben viele Bäume verstört“, so der Baumschulmeister, „und wer Ersatz pflanzen will, ist potentieller Kunde.“ Allerdings seien auch die Kosten für Produktion und Logistik gestiegen.

Schubert erklärt dem Politiker den „Pflanzenwandel“, der sich derzeit vollziehe. „Viele Bäume aus Südeuropa sind derzeit in Mode. „Aber noch können wir nicht mit Sicherheit sagen, welche Pflanzen zukunftstauglich sind“, so Schubert. 

Neben den Diskussionen rund um Politik, Klima und auch Fußball packt Otto Fricke auch mit an. So bringt der Politiker Bissschutz am Stamm einjähriger Bäume an. „Gegen die Rehe gibt es einen Zaun“, erklärt Schubert, „aber Hasen finden ihren Weg.“ Daher müssen Plastikschalen verhindern, dass die Nager den zarten Pflanzen schaden. Bei dieser Arbeit führt Fricke auch Gespräche mit den Auszubildenden. Außerdem müssen Bäume von unerwünschten Trieben befreit werden. Mit der Gartenschere in der Hand erzählt Fricke, wie intensiv in Berlin der Umgang mit der AFD und deren Vertretern diskutiert wird. „Auch wenn man inhaltlich anderer Meinung ist, muss man sie dennoch mit menschlicher Höflichkeit behandeln“, so der Politiker, und berichtet, wie er dafür kritisiert wurde, einem älteren AFD-Politiker im Bundestag die Tür aufgehalten zu haben.

Nach getaner Arbeit geht es auf den Betriebshof. Im Wagen, den Schubert über die schmalen Feldwege lenkt, erzählt Fricke Politiker-Witze. „Es gibt Menschen in Berlin, die über sich selbst und ihre Partei lachen können, anderen fällt es schwer“, so der FDP-Abgeordnete. Er selbst will mit Aktionen wie dem Praktikum in der Baumschule dafür sorgen, dass er in der Politik nicht den Kontakt zu den Menschen verliert – und damit seinen Humor.

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