Meerbusch: Bürger wehren sich gegen Strompark

Meerbusch: Bürger wehren sich gegen Strompark

Die Menschen in Meerbusch fühlen sich von der Energiewende überfahren. Seit Wochen protestieren sie gegen den geplanten Strompark.

Erst vor wenigen Jahren hat Walter Bruder seine Wohnung am ländlichen Ingerweg in Meerbusch-Osterath, in der er seit 23 Jahren lebt, für viel Geld aufwändig sanieren lassen. Der 59-Jährige wollte mit seiner Frau eigentlich für immer dort wohnen bleiben. Doch nun will er wegziehen, weil der Übertragungsnetzbetreiber Amprion vor seiner Haustür einen 390 Millionen Euro teuren Großkonverter bauen will.

In Meerbusch gibt es seit Wochen Proteste gegen die Pläne der Netzagentur. Die Bürger wehren sich dagegen, dass Osterath Knotenpunkt einer 800 Kilometer langen Stromautobahn zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg werden soll. Das Vorhaben ist Bestandteil der Energiewende und im nationalen Netzentwicklungsplan enthalten. Der Bundestag muss darüber aber noch entscheiden.

Amprion will in Osterath auf 100 000 Quadratmetern eine Konverterstation bauen, die es in solchen Ausmaßen bislang nur in China gibt — und dort auch nur fernab von Wohnbebauung. Bis zu 20 Meter hoch sollen die Hallen in Meerbusch werden. Mit der Energiewende habe der Bau nichts zu tun, kritisieren die Osterather. Über diesen Strom-Park wird viele Jahre nur Strom aus dem Braunkohle-Tagebau eingespeist. Amprion erklärte, dass nur Osterath als Standort für den Konverter infrage käme. Im Bericht der Netzagentur heißt es dazu, dass zu diesem Standort keine Alternativen geprüft worden seien.

Gestern versammelten sich wütende Anwohner spontan auf dem Gelände, auf dem der Konverterer gebaut werden soll. Lutz Lienenkämper, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und selbst Meerbuscher, erwartet ähnlich massive Widerstände wie beim Bahnprojekt "Stuttgart 21". "So funktioniert die Energiewende nicht", sagte er. "Die Bürger hätten frühzeitig informiert werden müssen. Jetzt bleibt Amprion wohl nichts anders übrig, als nach einer alternativen Trasse zu suchen." Mehr als 2000 der bundesweit 3300 Einwendungen gegen den Netzentwicklungsplan kamen aus Meerbusch. "Wir kämpfen bis zum Schluss, um den Doppelkonverter zu verhindern", kündigte Anlieger Peter Stüttgen an. Die Meerbuscher tauschen sich über eine eigens eingerichtete Facebook-Gruppe mit mittlerweile mehr als 2300 Mitgliedern aus. Am Sonntag soll es eine Protestveranstaltung auf dem Kirchplatz geben. "Wer kann eine Bühne besorgen?", fragte einer in der Facebook-Gruppe. Wenig später war die Bühne gefunden. Dass die Evangelische Zusatzversorgungskasse Anteile an Amprion hält, stößt den Osterathern sauer auf. Sie luden Manfred Schneider, den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu ihrer Protestveranstaltung ein. Der ließ mitteilen, er habe bis zum Ende seiner Amtszeit keine Termine mehr frei.

Es sind nicht nur die niederfrequenten Brummtöne, die riesigen Schaltfelder, die möglichen Gesundheitsgefahren, die die Menschen in Osterath umtreiben. Sie befürchten auch den Wertverlust ihrer Häuser. Schon jetzt seien die Immobilienpreise in der betroffenen Gegend um bis zu 30 Prozent gefallen, meint Stüttgen. Walter Bruder will zwar auch versuchen, seine Wohnung irgendwie zu verkaufen. Aber er sagt: "Wer will schon neben einem Großkonverter wohnen, der möglicherweise schädlich für die Gesundheit ist?"

(cs/gmv/mrö)
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